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Nach dem Treffen mit Meuthen

Die Welle der Empörung

EIN KOMMENTAR Von Eva-Maria Magel
 - 15:03
Hans Joachim Mendig muss nach seinem Treffen mit Meuthen zurücktreten.

„Wenn du geschwiegen hättest, wärest du Philosoph geblieben“, schrieb der Philosoph Boethius. Im Fall von Hans Joachim Mendig weiß man zwar nicht, ob er immer noch Geschäftsführer der Hessen Film und Medien GmbH wäre, hätte er geredet. Dass er aber in ein immer lauteres, geradezu trotziges Schweigen verfiel, je höher die Wogen der Empörung schlugen, war sicher nicht die richtige Entscheidung. Offenbar ist er bei dieser Haltung auch gegenüber seinem Kontrollgremium geblieben, das gestern den Stab über ihn gebrochen hat.

Die Filmförderung zu modernisieren war lange der Wunsch der hiesigen Filmszene. Die ist ausgesprochen heterogen, vom tendenziell politisch linken Dokumentarfilmer über Verantwortliche von Festivals bis zu Vertretern internationaler Postproduktionsfirmen ist alles dabei. Mendig, der im November 66 Jahre alt wird, ist vielen als zu „old school“ für einen Neustart erschienen, ihnen gingen die Reformen, wiewohl es etliche gab, nicht schnell genug, sie fanden seinen Hang zum Repräsentieren zu stark ausgeprägt.

Der neuen Kunstministerin, die nicht mehr von der CDU, sondern von den Grünen stammt, scheinen etliche Beschwerden zu Ohren gekommen zu sein. Für politisch rechts gesinnt hat ihn offenbar nie jemand gehalten.

Furcht vor einer „rechten“ Unterwanderung

Die große Empörung kam nach dem Meuthen-Treffen nicht aus Hessen, sondern vor allem aus dem übrigen Deutschland, wo „rechte“ Unterwanderung des Fördersystems befürchtet wurde. Spätestens da hätten alle, die für Demokratie einstehen, sich zu Wort melden müssen. Um etwa festzustellen, dass man privat treffen kann, wen man will, und dass ein staatlich bestellter Filmförderer ein legitimes Interesse daran haben könnte, Vertreter der gewählten Parteien kennenzulernen. Mendig selbst aber war als Medienmann so unklug, zu einem im Internet kursierenden Foto samt vereinnahmendem Kommentar zu schweigen, obwohl der „Shitstorm“ angehoben hatte.

Dass die hessische Szene ihrerseits zunächst schwieg, begründeten manche Akteure mit der Sorge, auf Kritik an Mendig stehe der Entzug von Fördermitteln. Diese Sorge wirkte angesichts divers besetzter Jurys weit hergeholt. Es hat mehr gebraucht als ein Foto für die Causa Mendig: einen ungeschickt agierenden Geschäftsführer, ein verhärtetes politisches Klima und die digitalen Empörungsmechanismen, die für Abwägungen nicht gemacht sind.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Magel, Eva-Maria
Eva-Maria Magel
Kulturredakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.
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