Wandertheater Comoedia Mundi

Spaß im Zelt am Fluss

Von Jürgen Richter
03.07.2020
, 15:10
Das Theaterensemble Comoedia Mundi trotzt am Sachsenhäuser Mainufer der Corona-Krise. Es hat ein paar gute Voraussetzungen, um mit Pandemie-Auflagen leben und arbeiten zu können. Doch Unsicherheiten gibt es trotzdem.

Im Zirkuszelt geht es zunächst alles andere als zirzensisch zu, denn eröffnet wird das Programm am heutigen Freitag um 20.30 Uhr mit dem Gruselklassiker „Frankenstein“. Das Wandertheater Comoedia Mundi hat Mary Shelleys Roman über den Wissenschaftler und sein missratenes Geschöpf vor einem Jahr zum Bühnenleben erweckt, nun gastiert es mit dem Klassiker der Gruselliteratur zum zweiten Mal in Frankfurt, wie immer im blauen Zelt am Flussufer nahe der Untermainbrücke.

Seit 1987 ist das in Unterfranken beheimatete Theater Stammgast am Mainkai. Der neuerliche Auftritt war im Jahr der Corona-Krise keineswegs sicher. Der Start der durch fünf Orte geplanten diesjährigen Tournee musste im April in Erlangen aufgrund der Pandemie abgesagt werden. Nächste Station der Truppe ist vom 21. August an Regensburg, am Ende der diesjährigen Saison wird dann anstatt in Augsburg Halt in Erlangen gemacht.

Das von Fabian Schwarz gegründete und geleitete Ensemble hat ein paar gute Voraussetzungen, um mit Pandemie-Auflagen leben und arbeiten zu können. In der Abgeschiedenheit von Trautskirchen bei Nürnberg, wo es im Torhaus des Schlosses residiert, schreibt und probt das vierköpfige Ensemble ohne große Infektionsgefahr. Und auf der Bühne seien sie sich so nahe wie im Leben, schließt der Prinzipal mögliche Risiken aus. Ihre Vielseitigkeit ist der kleinen, nur um einen Techniker verstärkten Truppe hilfreich. Allein im „Frankenstein“ verkörpern die Mitglieder mehr als ein Dutzend Figuren.

Sich wie im richtigen Zirkus fühlen

Aber es gibt auch andere Stücke im Programm. Wie im richtigen Zirkus fühlen kann man sich, wenn am 12. Juli das musikalische Märchen „Janko“ Premiere hat. Rund 50 Minuten nimmt das musikalische Solospiel Kinder mit auf die Abenteuerreise eines aus Holz geschnitzten Helden. Der will sich zwar unbedingt von seinen Eltern lossagen, muss sich dafür aber mit einem Drachen herumschlagen. Klassisches Erzähltheater wird versprochen, mit clownesken Einlagen. Es ist ja Zirkus angesagt.

Zu kämpfen hat Schwarz derzeit mit vielen Unsicherheiten. Erst einen Monat vor dem Start des Frankfurter Gastspiels kam die Zusage vom Grünflächenamt, ein Hygienekonzept war die Voraussetzung. Von den 150 Plätzen im Zelt sind dieses Jahr nur 26 für Zuschauer freigegeben, das Betreten des nostalgischen Bistrowagens auf dem Café-Gelände vor dem Zelt ist für das Publikum tabu. Gutes Wetter vorausgesetzt, gibt es für die Gäste aber rund hundert Plätze an weit auseinandergezogenen Tischen.

Übliches Gästeprogramm wurde reduziert

Wegen der Planungsrisiken wurde das sonst übliche Gästeprogramm reduziert. Herbert Fischer und Judith Rohr sind mit zwei musikalisch-theatralischen Abenden rund um Lessings „Nathan der Weise“ dabei, Christian Jung interpretiert zusammen mit drei Instrumentalisten einen Genremix aus Jazz, Boogie und Soul. Aus seinem eigenen Repertoire bestreitet das Ensemble zwei Chansonabende, zur Kindervorstellung am ersten Augustsonntag mit „Frau Sonntags Woche“ sind ausdrücklich auch Großeltern eingeladen. Zum Schluss des Gastspiels heißt es am 4. August „Au revoir, Francfort“ mit Gesang, Gitarre und Klarinette, danach zieht die Karawane aus zehn Fahrzeugen weiter.

Froh ist Schwarz über seine eigene Logistik. Bei großer Hitze wird das Dach von oben beregnet. Er freut sich auch über den guten Zuspruch für das gastronomische Angebot, mit dem das Ensemble rund ein Viertel des Jahresetats von 150.000 Euro erwirtschaftet. Dass Fördermittel in zugesagter Höhe fließen, sichert die Existenz, gerade nach den Spielausfällen in April und Mai. Da wäre es hilfreich, wenn wenigstens die 26 Plätze oft besetzt wären. Informationen zu Ensemble und Programm gibt es unter www.comoedia-mundi.de.

Quelle: F.A.Z.
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