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„Was dem einen recht ist“

Angebrannte Schnitzel

Von Claudia Schülke
 - 18:03
Szene aus „Was dem einen recht ist“ in der Frankfurter Komödie

Paul Burdick ist ein schlechter Gastgeber. Ein gefühlloser Ehemann ist er auch. Just am 60. Geburtstag verkündet er seiner Frau, dass er ein neues Leben beginnen will, ohne sie. Nach 33 Ehejahren ist das für Patricia kaum zu verkraften. Ihre karrierebesessene Tochter Donna kann ihr nicht helfen. Ohne ihre Freundin Geraldine wäre Patricia verloren. Die Zuschauer in der Frankfurter Komödie wissen gleich, wer auf der Bühne das Sagen hat, zumal Tanja Bahmani als Geraldine sie zuerst betritt und mit trockenem Humor weiterhin beherrscht. Dieses sympathische Pummelchen verfrachtet die Verstörte für drei Wochen nach Florenz. Danach ist Patricia aufgeschlossen für den charmanten Stephen, einen Freund der Tochter, die sogleich durchdreht.

Das Bühnenbild von Thomas Pekny kommentiert ironisch: Ein gigantischer weißer Hochzeitsstrauß ziert die Rückwand des pastellfarbenen Salons, ein Hochzeitsfoto aus glücklichen Tagen grüßt aus dem Hintergrund. Der amerikanische Autor Donald R. Wilde hat seine Komödie „Was dem einen recht ist“ mit saftigen Pointen gespickt und genug Freiraum gelassen für eine klamottige Schlussszene. Regisseur Pascal Breuer hat das weidlich genutzt und den Männern, die im Lauf des Stücks zu Rivalen werden, einen feucht-fröhlichen Abgang verschafft: Christian Fischer, der als abtrünniger Ehemann Paul die verlassene Gattin weiter beherrschen will, und Florian Stadler, der als aufdringlicher Tröster Stephen sogar auf die greinende Donna (Deborah Müller, lautstark bis hysterisch) hereinfällt, die das Glück der Mutter sabotiert.

Die Komödie entwickelt sich also von einer Ehetragödie mit flotten Sprüchen zu einer Klamotte mit angebranntem Schnitzel. Aber auch Patricia entwickelt sich dank Anja Kruses Schauspielkunst. Hin- und hergerissen zwischen Stolz und Verzweiflung, Realitätssinn und Bedürfnis nach Geborgenheit, wird sie immer unabhängiger von ihrer Familie. Auch die burschikosen Kommentare der Putzfrau Helen, die gerade ihren Integrationskurs abgeleistet und dafür von ihrer tadschikischen Mutter eine Ohrfeige kassiert hat, gehört zum gesellschaftskritischen Fundus des Stücks. Felicitas Hadzik ist mit ihrem Akzent allerdings schon in den vorderen Reihen nur schwer zu verstehen. Dennoch bedankte sich das Publikum zu Recht mit stürmischem Applaus.

Die Frankfurter Komödie zeigt „Was dem einen recht ist“ bis zum 17. März fast täglich.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Schülke, Claudia
Claudia Schülke
Freie Autorin in der Rhein-Main-Zeitung.
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