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Kurze Hosen im Büro

Dann aber bitte rasiert

Von Matthias Trautsch
 - 14:18
Kurze Hosen liegen aktuell im Trend. Doch sind sie auch bürotauglich?

Eins muss man Jutta Ditfurth lassen: Sie hat ein untrügliches Gespür für Timing. Es war der bisher heißeste Tag des Jahres und einer der heißesten Junitage aller Zeiten, das Thermometer im Frankfurter Nordend zeigte fast 38 Grad, als die frühere Grünen- und heutige Ökolinx-Spitzenfrau eine Sache ansprach, die auch uns umtreibt: Dürfen Männer kurze Hosen tragen? Für Ditfurth und ihre Twitter-Gemeinde lautet die Antwort: Ja. Rund 700 Likes hatte der Tweet bis gestern Abend eingesammelt.

Wir finden ja auch, dass im Urlaub nichts gegen eine farbenfroh karierte Bermuda einzuwenden ist. Wie sonst sollten uns die Italiener erkennen, wenn wir ihre Plätze und Kathedralen heimsuchen? Die fragen sich sowieso, was mit den Tedeschi los ist, seitdem die keine Tennissocken mehr in den Sandalen tragen. Stattdessen, ob am Strand von Rimini oder im Kurpark von Bad Schwalbach: Füßlinge in Sneakern, so weit das Auge reicht. Times they are a-changin’.

Aber wenn wir Frau Ditfurth richtig verstehen, spricht sie ja nicht von der Freizeit, sondern vom Arbeitsleben. Und da haben wir unsere Zweifel. Im Büroalltag will man doch eher nicht vom Anblick käsiger, mit fusseligen Haarstummeln gespickter Männerbeine irritiert werden. Und braungebrannt oder mit einer Art schwarzem Wollfilz überzogen ist keinesfalls besser.

Instabile Kleiderordnung

Wir halten jetzt erst einmal kurz inne und denken darüber nach, ob das gerade sexistisch war. Eventuell sogar ein Fall von Bodyshaming. Frau Ditfurth würde das vermutlich so sehen. Und ja, auch wir haben registriert, dass die männliche Kleiderordnung längst nicht mehr so stabil ist wie in früheren Zeiten. Neulich auf einem Empfang von lauter hohen Tieren aus der Verlagswelt gab es nur einen, der Krawatte trug. Das war der Mann vom Sicherheitsdienst.

Warum also sollten nackte Männerbeine nicht salon- beziehungsweise bürofähig sein? Zumal zwei Megatrends dafür sprechen: Gleichberechtigung und Klimawandel. In einer englischen Zeitung haben wir von einem Angestellten gelesen, dem trotz tropischer Temperaturen das Tragen von Shorts verboten wurde. Am nächsten Tag erschien er einfach im Kleid – die Kolleginnen täten das schließlich auch. Und von einer Frankfurter Wirtschaftskanzlei, die in einem schicken, aber nur unzureichend klimatisierten Büroturm an der Zeil residiert, ist zu hören, dass selbst Top-Anwälte neuerdings mit nackigen Beinen erscheinen dürfen.

Wenn das so weitergeht, können sich die Frankfurter schon einmal an den Gedanken gewöhnen, dass der Oberbürgermeister die Stadt in Amtskette und Caprihose repräsentiert. Im Zuge des verwaltungsinternen Gender-Mainstreamings wäre nur zu beachten, dass die Wadln sauber rasiert sind. Oder denken Sie an die Deutsche Bank. Für deren Chef Christian Sewing könnte der modische Wandel die Chance bieten, einmal positiv Schlagzeilen zu machen. Ein Vorstandvorsitzender, der die Hauptversammlung in Hotpants eröffnet – da würden die Aktionäre gleich viel weniger quengeln.

Also in den Altkleidersack mit den Anzughosen! Es lebe die Beinfreiheit! Uns graust allerdings beim Gedanken, welches Männermode-Tabu als Nächstes gebrochen werden könnte. Wir sagen nur ein Wort: bauchfrei.

Quelle: F.A.Z.
Matthias Trautsch- Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Matthias Trautsch
Blattmacher in der Rhein-Main-Zeitung.
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