<iframe title="GTM" src="https://www.googletagmanager.com/ns.html?id=GTM-WBPR4W&gtm_auth=3wMU78FaVR9TNKtaXLbV8Q&gtm_preview=env-23&gtm_cookies_win=x" height="0" width="0" style="display:none;visibility:hidden"></iframe>
Aus Rücksicht auf Rating

Lufthansa baut vorerst kein neues Frachtzentrum

Von Jochen Remmert
 - 18:53
Bleibt bis auf weiteres eine Simulation: das modernste Cargo-Center der Welt, das die Lufthansa in Frankfurt errichten will

Frankfurt. Der Plan der Lufthansa, im Norden des Frankfurter Flughafens ein neues Frachtumschlagzentrum namens LCCneo zu bauen, scheint unter keinem guten Stern zu stehen. Denn die bekanntgewordene Entscheidung des Konzernvorstands, erst einmal nicht zu bauen und „in frühestens zwei Jahren“ neu über die zuletzt auf 700 Millionen Euro bezifferte Investition zu befinden, ist keineswegs die erste Irritation in dieser Sache. Allerdings ist es die bislang dramatischste Auskunft zu dem allseits als notwendig erachteten Vorhaben, das 33 Jahre alte Frachtzentrum durch einen Neubau zu ersetzen. In der Entscheidung spiegelt sich die Lage der unter Sparzwang stehenden Deutschen Lufthansa AG wider.

Man wolle mit der Verschiebung das solide Finanzprofil der Lufthansa-Gruppe mit dem Investment-Grade-Rating stärken, begründet der Vorstand den mindestens zweijährigen Aufschub. Das Rating weist die Fluglinie als soliden Schuldner aus. Mit anderen Worten: Der Vorstand will mit dem befristeten Verzicht auf den Bau die Einschätzungen über die Zahlungsfähigkeit und die Bonität der Lufthansa günstig beeinflussen. Abgesehen davon, signalisiert er mit seiner Angabe, „frühestens in zwei Jahren“ neu über die Realisierung nachdenken zu wollen, dass sich das Ganze durchaus auch noch weiter in die Zukunft verschieben könnte.

Dass das betagte Luftfrachtzentrum kaum mehr den Anforderungen eines effizienten Warenumschlags in einer globalisierten Wirtschaft entspricht, ist schon lange bekannt. Und so gibt es auch schon seit etlichen Jahren die Pläne, das alte Zentrum im laufenden Betrieb niederzulegen und an seine Stelle das modernste Cargo-Zentrum weltweit zu bauen.

Kürzere Umschlagszeiten geplant

Doch beinahe so lange hat es auch immer wieder neue öffentliche Erwägungen zu der Frage gegeben, ob man überhaupt noch baue und wenn ja, wie groß. So stellte der heutige Konzernchef Carsten Spohr 2009, als er noch Vorstandsvorsitzender der Frachttochter war, den Bau kurzerhand unter den Vorbehalt, dass es für „wirtschaftlich notwendige“ Frachtflüge der Kranichlinie Ausnahmen vom damals vor der Einführung stehenden Nachtflugverbot am Frankfurter Flughafen geben müsse.

Ansonsten, so argumentierte Spohr, funktioniere das Geschäftsmodell der Lufthansa Cargo nicht mehr, das die Frachtkapazität der Passagiermaschinen mit jener der reinen Frachtflotte auf kurzem Weg kombiniere und zudem mit dem Zeitgewinn durch den sogenannten Nachtsprung bei Flügen nach Amerika kalkuliere. Sei das alles nicht mehr möglich, stehe der Lufthansa-Cargo-Standort Frankfurt überhaupt in Frage.

Auch vom damaligen Konzernvorstandschef Wolfgang Mayrhuber, der heute dem Aufsichtsrat der Lufthansa AG vorsitzt, waren zeitweise ähnliche Einlassungen zu hören. Dabei ist allerdings zu bedenken, dass 2009 die weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise für ein rapide schrumpfendes Luftfrachtaufkommen sorgte und die Nerven der Manager der Lufthansa entsprechend blank lagen. Als das Nachtflugverbot dann mit der Inbetriebnahme der Nordwestlandebahn im November 2011 tatsächlich kam, waren die Ansagen der Lufthansa denn auch nicht mehr ganz so dramatisch wie zuvor. Nun war von einer abgespeckten Variante des Frachtzentrums die Rede.

Das Unternehmen plane mit einem um 20 Prozent reduzierten Umschlagsvolumen, hieß es dann 2012. Man lege das Zentrum nicht mehr auf einen Umschlag von jährlich zwei Millionen Tonnen aus, sondern auf nur mehr 1,6 Millionen. Die Kapazität des alten Frachtzentrum aus dem Jahr 1982 wird mit maximal 1,5 Millionen Tonnen im Jahr angegeben. Der Umschlag dauert dort aber für heutige Verhältnisse viel zu lange.

So sollen im neuen Zentrum die Frachtflugzeuge standardmäßig innerhalb von zwei Stunden ausgeladen, neu beladen und wieder auf die Strecke geschickt werden können. Nach den bisherigen Planungen soll dort wieder das Gros der etwa 2600 Männer und Frauen arbeiten, die Lufthansa Cargo in Deutschland beschäftigt. Die deutlich verkürzten Umschlagzeiten im neuen Zentrum sollen die Kosten je Frachteinheit im Vergleich zum derzeitigen Cargo-Zentrum um ein Fünftel senken. Diese Kostensenkung ist deshalb von besonderer Bedeutung, weil der extrem hart umkämpfte Luftfrachtmarkt von Überkapazitäten und niedrigen Margen gekennzeichnet ist. Wer also bestehen will, der muss schnell, effizient und günstig arbeiten können. Das LCCneo soll das mit kürzeren Wegen, optimierten Bearbeitungsprozessen, Sicherheitsausrüstung neuester Bauart und mit mehr Automatisierung möglich machen.

Die Einschätzung aus dem Lufthansa-Vorstand, man sehe, dass Lufthansa Cargo nach notwendigen Ertüchtigungen mit der bestehenden Infrastruktur noch einige Jahre erfolgreich weiterarbeiten könne, hat angesichts dessen schon etwas vom Pfeifen im Walde. Denn Peter Gerber, Vorstandsvorsitzender der Lufthansa Cargo AG, hat die Bekanntgabe des Aufschubs mit den Worten kommentiert, dass das LCCneo „ein wichtiger Baustein unserer Zukunftsstrategie ,Lufthansa Cargo 2020‘ ist“ – und das ist gewiss nicht nur so dahingesagt. Auf Dauer wird es ohne ein modernen Zentrum nicht gehen. Die ursprünglich angepeilte Inbetriebnahme 2020 dürfte nun aber Makulatur sein.

Quelle: F.A.Z.
Jochen Remmert - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Jochen Remmert
Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung, zuständig für Flughafen und Offenbach.
  Zur Startseite
Ähnliche ThemenDeutsche LufthansaCarsten SpohrFrankfurter Flughafen