Gutenberg-Museum in Mainz

„Genügend Luft trotz innerstädtischer Enge“

Von Markus Schug
13.06.2021
, 11:02
Ausbaufähig: das Gutenberg-Museum am Liebfrauenplatz in Mainz
Machbar ist alles, auch im zweiten Anlauf: Der alte Standort am Mainzer Liebfrauenplatz soll laut einer Studie Platz bieten, um dort ein neues Gutenberg-Museum zu verwirklichen. Einige Fragen sind allerdings noch offen.

Im zweiten Anlauf soll das in die Jahre gekommene Gutenberg-Museum nun doch noch in einen modernen Schauplatz mit größtmöglicher Strahlkraft verwandelt werden. Vor der Corona-Krise sei das Haus am Liebfrauenplatz, in dem an den Erfinder Johannes Gutenberg und die Geschichte der Druckkunst erinnert wird, jährlich von bis zu 140.000 Gästen aufgesucht worden, sagte Oberbürgermeister Michael Ebling (SPD) am Mittwoch bei der Vorstellung einer Machbarkeitsstudie, die so etwas wie das Fundament für den geplanten Aus-, Um- und Neubau sei. Im Frühjahr 2018 hatten die Mainzer in einem Bürgerentscheid sehr deutlich gemacht, dass sie sich nicht für den vom Stadtrat bis dahin favorisierten Bibelturm-Anbau erwärmen konnten; nicht zuletzt weil nicht klar war, wie die gewünschte Museumsmodernisierung finanziert werden sollte.

Auch an diesem Punkt sei man inzwischen weiter, erklärte Ebling, der darauf hofft, diesmal Bund und Land von vornherein als Partner für das mindestens 60 Millionen Euro teure Vorhaben gewinnen zu können. Das Museum, das zu den bestbesuchten Einrichtungen seiner Art in Rheinland-Pfalz gehört, wird bisher allein von der ohnehin hoch verschuldeten Kommune getragen. Ein gutes Zeichen sei deshalb, dass sich Bund und Land schon an den Kosten für die knapp 250.000 Euro teure und fast 150 Seiten dicke Machbarkeitsstudie beteiligt hätten. Das Grundlagenwerk der beiden Büros Drees & Sommer sowie Kirstein und Rischmann kommt zu dem eindeutigen Ergebnis, „dass eine bauliche Umsetzung an diesem Standort möglich ist und das notwendige Raumprogramm funktional und szenografisch abgebildet werden kann“. Konkret müsse dafür der aus den Sechzigerjahren stammende, nicht mehr zu sanierende „Schellbau“ niedergelegt und durch ein modernes Gebäude ersetzt werden.

Weitere Gestaltungsmöglichkeiten

Das schmucke Haus „Zum Römischen Kaiser“ mit seiner sehenswerten Fassade und der 2000 hinzugekommene Erweiterungsbau auf der anderen Seite der Seilergasse sollten dagegen in den neu zu schaffenden Museumskomplex integriert werden. Da die Stadt zudem das angrenzende historische Hotel Schwan erwerben konnte, bieten sich zusätzliche Möglichkeiten, das in verbautem Altstadtterrain gelegene Museumsquartier zur Rotekopfgasse hin gänzlich anders auszurichten.

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Wie genau das aussehen könnte, soll ein Realisierungswettbewerb zeigen. Laut Baudezernentin Marianne Grosse (SPD) wird er derzeit noch vorbereitet, weil es ein Finanzierungskonzept brauche. Womöglich seien die Wochen vor einer Bundestagswahl gar kein so schlechter Zeitpunkt, um in Berlin mit einem solchen Projekt vorstellig zu werden, sagte Ebling. Außerdem habe die neu formierte rot-grün-gelbe Landesregierung die Förderung des Museums dieses Mal sogar explizit im Koalitionsvertrag genannt.

Kosten können steigen

Derzeit gehe man von einer 60-Millionen-Euro-Investition aus, so der Oberbürgermeister. Doch wisse jeder, dass die Baukosten gerade explodierten, das Projekt also mit jedem weiteren Jahr teurer werden könnte. Immerhin sei im April eine entsprechende Bauvoranfrage positiv beschieden worden. Ebling hofft, dass nur fünf Jahre zwischen dem Beginn des Architektenwettbewerbs und der Wiedereröffnung des völlig umgestalteten Gutenberg-Museums liegen werden.

Das sei ein ambitionierter, aber machbarer Zeitplan, befanden Jens Mattheis und Thomas Rischmann als Vertreter der beiden für die Studie zuständigen Büros. Eine Herausforderung werde, bei dem Bauvorhaben für „genügend Luft trotz innerstädtischer Enge“ zu sorgen. Und auch die Frage, wie das Museum mit dem Umfeld, vor allem dem Liebfrauenplatz, zu verknüpfen sei, müsse noch beantwortet werden. Auf der Fläche direkt vor dem Museum seien zwar keine Bauarbeiten mehr vorgesehen; irgendetwas müsse mit diesem Platz aber wohl geschehen.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Schug, Markus
Markus Schug
Korrespondent Rhein-Main-Süd.
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