Auf Martin Luthers Spuren durch Hessen

Von MARTIN BENNINGHOFF, HELMUT SCHWAN, KATJA WINTER, MARKUS SCHUG und MARTIN HAAKE (Illustration) · 17. April 2021

Am 2. April 1521 begab sich Martin Luther mit einigen Mitstreitern auf den Weg von Wittenberg nach Worms. Die Reisegesellschaft kam auch durch Hessen. Der Lutherweg erinnert an die mühselige Reise, die der Reformator allerdings in einer offenen Kutsche erlebte. Heute können ihn Wanderer und Pilgerer begehen. Der rund 400 Kilometer lange Weg verbindet historische Orte und abwechslungsreiche Landschaften.

Friedberg Friedberg

Auf dem Weg nach Worms machte Luther am 13. April 1521 in Friedberg Station. Auf dem Rückweg hat er hier die Ruhe gefunden, die Gedanken zu Papier zu bringen, die ihn seit seinem Auftritt vor dem Reichstag bewegten. Er fasste in dem vom 28. April 1521 datierenden Schreiben an Kaiser Karl V. seine provokanten Positionen noch einmal zusammen. Allerdings habe der Brief den Kaiser nie erreicht, vermutet die Forschung – weil sich niemand traute, die brisante Depesche zu überbringen. Friedberg ist ohnehin in der Geschichte der Reformation überaus interessant: Oben die kaisertreue Burg, unten die von den Gedanken Luthers befeuerten Bürger der Reichsstadt. Geschrieben von Helmut Schwan

Bad Nauheim Bad Nauheim

Ach, könnten wir 500 Jahre zurückblicken. Aber so muss es trotz aller Indizien unsicher bleiben, welchen Weg Luther denn nun wirklich nahm. War es die Ostroute über Hungen nach Friedberg? Oder doch westlich über Bad Nauheim? Egal, Bad Nauheim ist einen Zwischenstopp wert. Die Wilhelmskirche, eine ehemals reformierte Kirche, deren Vorgängerbau die mittelalterliche Dorfkirche von Nauheim war, ist die älteste Kirche der zweitgrößten Stadt im Wetteraukreis. Die Reinhardskirche, eine ehedem lutherische Kirche aus dem 18. Jahrhundert, dient heute der Russisch-Orthodoxen Gemeinde. Geschrieben von Martin Benninghoff

Mörfelden-Walldorf Mörfelden-Walldorf

Je nachdem wie das Wetter war, in jenen Apriltagen des Jahres 1521, dürften der streitbare Mönch und seine Begleiter vom heutigen Mörfelden-Walldorf aus entweder über Groß-Gerau oder über Nauheim und Trebur zum Rhein gelangt sein. Ersteres gilt als die schnellere Strecke; aber nur bei Trockenheit, denn andernfalls wären einige angeschwollene Bäche zu überwinden gewesen. Wohingegen es auf der längeren Route einen hochwasserfreien Höhenweg gegeben hätte. So streiten Heimatforscher aus Südhessen noch immer darüber, wie das Wetter gewesen sein mag. Handfeste Beweise, an welchen Orten und Kirchen der Reisende hier auf Hin- und Rückweg vorbeikam, liegen nicht vor. Geschrieben von Markus Schug

Oppenheim Oppenheim

Auf der anderen Rheinseite, wo Luther auf dem Hinweg, am 15. April 1521, im Gasthof „Zur Kanne“ übernachtet haben soll, sind es dann noch knapp 44 Kilometer bis zum Ziel. Das von der gotischen Katharinenkirche gekrönte und für seine weitverzweigte Unterwelt bekannte Oppenheim bietet mit der Burgruine Landskron und der verwinkelten Altstadt rund um den Markplatz gleich eine ganze Reihe Sehenswürdigkeiten. Die Ausblicke von den Rheinterrassen über die Weinberge auf den Fluss soll Luther auf den letzten Metern seiner beschwerlichen Reise sehr genossen haben. In einem Wagen sitzend sei er mit seinem Tross schlussendlich am Stadttor von Worms eingetroffen. Geschrieben von Markus Schug

Nauheim Nauheim

In der evangelischen Kirche von Königstädten, einem heute zu Rüsselsheim gehörenden Stadtteil, soll Martin Luther der Legende nach sogar kurz gepredigt haben. Vor der Tür des Gotteshauses erinnert seit 2015 eine „Lutherbank“ an den Leitspruch „Denn man dient Gott auch durch Nichtstun“. Für Wanderer, die weiter nach Nauheim, Trebur und zur Fährstation am Kornsand wollen, gilt das jedoch nicht. Nur ein einziges Mal muss unterwegs der Schwarzbach überquert werden. Was dafür spricht, dass die „trockenere Route“ vielleicht doch Luthers erste Wahl war. Das scheint die in der Treburer Laurentiuskirche aufgestellte Holzstatue „Lutherfigur mit Schwan“ ja ebenfalls zu bestätigen. Geschrieben von Markus Schug

Neu-Isenburg Neu-Isenburg

Nicht nur, dass die Frankfurter Silhouette nun immer kleiner wird, auch die noch zu bewältigende Wegstrecke verliert sich bei Neu-Isenburg etwas im Vagen. Historisch ist jedenfalls nicht belegt, auf welcher Route Luther ins benachbarte Groß-Gerauer Land gelangte. Weil es das erst 1699 von aus Frankreich geflohenen Protestanten gegründete „welsche Dorf“ vor 500 Jahren noch gar nicht gab, wurde der „Lutherweg“ dort kurzerhand auf dem vorhandenen „Hugenotten- und Waldenserpfad“ gelegt. Von der Stadt aus geht es vorbei an Zeppelinheim, einer 1937 entstandenen Siedlung für Beschäftigte des Flug- und Luftschiffhafens Rhein-Main, und weiter bis zum Badesee Walldorf. Geschrieben von Markus Schug

Frankfurt Frankfurt

In Frankfurt hat es sich Luther auf dem Hinweg noch einmal so richtig gut gehen lassen, bevor er weiter nach Worms zog. Im „Gasthaus zum Strauß“ an der Buchgasse in Römernähe nächtigte er, am Abend soll er sich bei Musik und Wein bester Gesellschaft erfreut haben. Das Haus steht heute nicht mehr, es wurde Ende des 19. Jahrhunderts abgerissen. Luther konnte in Frankfurt auf Gleichgesinnte hoffen, denn schon vor seiner Ankunft hatten reformerische Schriften die Runde gemacht. In den Folgejahren etablierte sich die Reformation in Frankfurt, der Kaiserdom war zwischenzeitlich evangelisch. Heute ist die Mehrheit der Frankfurter konfessionslos, gut 20 Prozent sind katholisch, 16 Prozent evangelisch. Geschrieben von Martin Benninghoff

Bad Vilbel Bad Vilbel

Luther hat in der „Quellenstadt“ einiges bewegt, dort gibt es inzwischen sieben protestantische Gemeinden. Das Jubiläum der Thesen von Wittenberg 500 Jahre zuvor wurde 2017 entsprechend begangen. Der erste „lutherische“ Pfarrer trat 1531 in Vilbel sein Amt an. Eine gelebte Ökumene zwischen Katholiken und Protestanten, die gemeinsam Gottesdienst feierten, währte bis Ende des 16. Jahrhunderts. Dann setzte Graf Ludwig II. sein Bekenntnis zum Calvinismus durch. Die verbliebenen Lutheraner mussten während des dreißigjährigen Krieges auf Kirchen andernorts ausweichen. Geschrieben von Helmut Schwan

Hungen Hungen

Gehen wir davon aus, dass Luther über den historischen Handelsweg „durch die Kurzen Hessen“ gelaufen ist, dann lag auch Hungen auf seinem Weg. Auf der Ostroute führt der Lutherweg durch waldreiches Gebiet und gewährt kurz vor dem Hungener Stadtteil Nonnenroth einen Blick bis in den Taunus hinein. Auf einem Hügel thront die Kirche mit ihrem wuchtig-wehrhaften Chorturm aus dem 13. Jahrhundert. In Nonnenroths Mitte erinnert eine Skulptur daran, dass wir uns auf dem Lutherweg befinden. Wer es nicht ganz so eilig hat, der krönt seinen Besuch in der Schäferstadt mit einer Übernachtung in der Schäferwagen-Herberge in Nonnenroth. Geschrieben von Katja Winter

Lich Lich

Hier sind sich die Stadthistoriker ganz sicher, dass der Reformator entweder auf dem Hin- oder dem Rückweg nicht nur Station gemacht, sondern auch übernachtet hat – im ehemaligen Pfarrhaus an der Braugasse. Im Archiv der Marienstiftsgemeinde ist ein sogenannter „Furierzettel“ zu finden, der die Zahl der Quartiere auflistet und was gegessen und getrunken wurde. Einer aus der Reisegesellschaft von 21 Personen ist als „Dr. Lutter“ auf dem Dokument vermerkt. Noch ein Grund, weshalb der Protestant sehr wahrscheinlich Lich auf seiner risikoreichen Reise wählte: Der dort residierende Graf zu Solms stand in Diensten von Luthers Gönner Kurfürst Friedrich dem Weisen. Geschrieben von Helmut Schwan

Grünberg Grünberg

Auf seiner Reise wollte Luther in Grünberg wohl nicht in einem der drei Klöster der Stadt übernachten. Er hat ein Haus am Marktplatz bevorzugt. Angeblich, weil der Reformator das Freibier dort zu schätzen wusste. Die These stützt sich auf einen Brief, den Luther in Friedberg an seinen Freund Spalatin geschrieben hat. Darin kündigte er sein nächstes Ziel an: Grünberg. Ein weiteres Indiz dafür ist das Testament der letzten Besitzerin des Hauses, Anna Katharina Blöser. In dem Übergabeprotokoll von 1911 ist vermerkt: „Eine Bartschüssel, welche Dr. Martin Luther bei seiner Durchreise in dem Blöser'schen Haus, wo er übernachtete, zum Rasieren gebraucht hat“. Das Haus ist nur noch als Modell vorhanden. Dort, wo es stand, befindet sich heute ein Biergarten. Geschrieben von Katja Winter

Alsfeld Alsfeld

Als Martin Luther auf seiner Rückreise von Worms nach Wittenberg in Alsfeld ankam, besuchte er einen besonderen Ort. Denn Alsfeld gilt als eine der ersten deutschen Städte, die der Reformation folgten. In der Stadt wohnte, wie es heißt, in Person von Tilemann Schnabel auch einer seiner bekanntesten Schüler. Angesichts dessen kam der Kleinstadt im Deutschen Reich zu jener Zeit „eine große Bedeutung“ zu, wie Alsfeld heute stolz anmerkt. Ob sich Luther an dem prächtigen Fachwerk im Ortskern erfreut hat, wissen wir nicht. Das Rathaus war jedenfalls wenige Jahre vor seiner Ankunft fertiggestellt worden. Wer mag, kann den Stationen Luthers in Alsfeld während einer etwa zweistündigen Führung folgen. Geschrieben von Katja Winter

Bad Hersfeld Bad Hersfeld

Am 30. April soll Martin Luther auf dem Rückweg von Worms in Hersfeld (damals noch ohne „Bad“) angekommen sein. Durchgerüttelt und durchgeschüttelt nach der langen Kutschfahrt, aber wohlbehalten. Er übernachtete hier in dem einstigen Benediktinerkloster, von dem heute nur noch die Ruine der Stiftskirche erhalten ist. Bad Hersfeld wurde schon früh durch reformatorische Gedanken geprägt. Luthers Ansichten gelangten auf verschiedenen Wegen in die Region, wobei die Nähe zur Erfurter Universität eine wichtige Rolle spielte. Mit langem Nachhall: Die Bad Hersfelder sind mehrheitlich evangelisch. Geschrieben von Martin Benninghoff

Illustration: Martin Haake
Friedberg

Auf dem Weg nach Worms machte Luther am 13. April 1521 in Friedberg Station. Auf dem Rückweg hat er hier die Ruhe gefunden, die Gedanken zu Papier zu bringen, die ihn seit seinem Auftritt vor dem Reichstag bewegten. Er fasste in dem vom 28. April 1521 datierenden Schreiben an Kaiser Karl V. seine provokanten Positionen noch einmal zusammen. Allerdings habe der Brief den Kaiser nie erreicht, vermutet die Forschung – weil sich niemand traute, die brisante Depesche zu überbringen. Friedberg ist ohnehin in der Geschichte der Reformation überaus interessant: Oben die kaisertreue Burg, unten die von den Gedanken Luthers befeuerten Bürger der Reichsstadt. Geschrieben von Helmut Schwan

Bad Nauheim

Ach, könnten wir 500 Jahre zurückblicken. Aber so muss es trotz aller Indizien unsicher bleiben, welchen Weg Luther denn nun wirklich nahm. War es die Ostroute über Hungen nach Friedberg? Oder doch westlich über Bad Nauheim? Egal, Bad Nauheim ist einen Zwischenstopp wert. Die Wilhelmskirche, eine ehemals reformierte Kirche, deren Vorgängerbau die mittelalterliche Dorfkirche von Nauheim war, ist die älteste Kirche der zweitgrößten Stadt im Wetteraukreis. Die Reinhardskirche, eine ehedem lutherische Kirche aus dem 18. Jahrhundert, dient heute der Russisch-Orthodoxen Gemeinde. Geschrieben von Martin Benninghoff

Mörfelden-Walldorf

Je nachdem wie das Wetter war, in jenen Apriltagen des Jahres 1521, dürften der streitbare Mönch und seine Begleiter vom heutigen Mörfelden-Walldorf aus entweder über Groß-Gerau oder über Nauheim und Trebur zum Rhein gelangt sein. Ersteres gilt als die schnellere Strecke; aber nur bei Trockenheit, denn andernfalls wären einige angeschwollene Bäche zu überwinden gewesen. Wohingegen es auf der längeren Route einen hochwasserfreien Höhenweg gegeben hätte. So streiten Heimatforscher aus Südhessen noch immer darüber, wie das Wetter gewesen sein mag. Handfeste Beweise, an welchen Orten und Kirchen der Reisende hier auf Hin- und Rückweg vorbeikam, liegen nicht vor. Geschrieben von Markus Schug

Oppenheim

Auf der anderen Rheinseite, wo Luther auf dem Hinweg, am 15. April 1521, im Gasthof „Zur Kanne“ übernachtet haben soll, sind es dann noch knapp 44 Kilometer bis zum Ziel. Das von der gotischen Katharinenkirche gekrönte und für seine weitverzweigte Unterwelt bekannte Oppenheim bietet mit der Burgruine Landskron und der verwinkelten Altstadt rund um den Markplatz gleich eine ganze Reihe Sehenswürdigkeiten. Die Ausblicke von den Rheinterrassen über die Weinberge auf den Fluss soll Luther auf den letzten Metern seiner beschwerlichen Reise sehr genossen haben. In einem Wagen sitzend sei er mit seinem Tross schlussendlich am Stadttor von Worms eingetroffen. Geschrieben von Markus Schug

Nauheim

In der evangelischen Kirche von Königstädten, einem heute zu Rüsselsheim gehörenden Stadtteil, soll Martin Luther der Legende nach sogar kurz gepredigt haben. Vor der Tür des Gotteshauses erinnert seit 2015 eine „Lutherbank“ an den Leitspruch „Denn man dient Gott auch durch Nichtstun“. Für Wanderer, die weiter nach Nauheim, Trebur und zur Fährstation am Kornsand wollen, gilt das jedoch nicht. Nur ein einziges Mal muss unterwegs der Schwarzbach überquert werden. Was dafür spricht, dass die „trockenere Route“ vielleicht doch Luthers erste Wahl war. Das scheint die in der Treburer Laurentiuskirche aufgestellte Holzstatue „Lutherfigur mit Schwan“ ja ebenfalls zu bestätigen. Geschrieben von Markus Schug

Neu-Isenburg

Nicht nur, dass die Frankfurter Silhouette nun immer kleiner wird, auch die noch zu bewältigende Wegstrecke verliert sich bei Neu-Isenburg etwas im Vagen. Historisch ist jedenfalls nicht belegt, auf welcher Route Luther ins benachbarte Groß-Gerauer Land gelangte. Weil es das erst 1699 von aus Frankreich geflohenen Protestanten gegründete „welsche Dorf“ vor 500 Jahren noch gar nicht gab, wurde der „Lutherweg“ dort kurzerhand auf dem vorhandenen „Hugenotten- und Waldenserpfad“ gelegt. Von der Stadt aus geht es vorbei an Zeppelinheim, einer 1937 entstandenen Siedlung für Beschäftigte des Flug- und Luftschiffhafens Rhein-Main, und weiter bis zum Badesee Walldorf. Geschrieben von Markus Schug

Frankfurt

In Frankfurt hat es sich Luther auf dem Hinweg noch einmal so richtig gut gehen lassen, bevor er weiter nach Worms zog. Im „Gasthaus zum Strauß“ an der Buchgasse in Römernähe nächtigte er, am Abend soll er sich bei Musik und Wein bester Gesellschaft erfreut haben. Das Haus steht heute nicht mehr, es wurde Ende des 19. Jahrhunderts abgerissen. Luther konnte in Frankfurt auf Gleichgesinnte hoffen, denn schon vor seiner Ankunft hatten reformerische Schriften die Runde gemacht. In den Folgejahren etablierte sich die Reformation in Frankfurt, der Kaiserdom war zwischenzeitlich evangelisch. Heute ist die Mehrheit der Frankfurter konfessionslos, gut 20 Prozent sind katholisch, 16 Prozent evangelisch. Geschrieben von Martin Benninghoff

Bad Vilbel

Luther hat in der „Quellenstadt“ einiges bewegt, dort gibt es inzwischen sieben protestantische Gemeinden. Das Jubiläum der Thesen von Wittenberg 500 Jahre zuvor wurde 2017 entsprechend begangen. Der erste „lutherische“ Pfarrer trat 1531 in Vilbel sein Amt an. Eine gelebte Ökumene zwischen Katholiken und Protestanten, die gemeinsam Gottesdienst feierten, währte bis Ende des 16. Jahrhunderts. Dann setzte Graf Ludwig II. sein Bekenntnis zum Calvinismus durch. Die verbliebenen Lutheraner mussten während des dreißigjährigen Krieges auf Kirchen andernorts ausweichen. Geschrieben von Helmut Schwan

Hungen

Gehen wir davon aus, dass Luther über den historischen Handelsweg „durch die Kurzen Hessen“ gelaufen ist, dann lag auch Hungen auf seinem Weg. Auf der Ostroute führt der Lutherweg durch waldreiches Gebiet und gewährt kurz vor dem Hungener Stadtteil Nonnenroth einen Blick bis in den Taunus hinein. Auf einem Hügel thront die Kirche mit ihrem wuchtig-wehrhaften Chorturm aus dem 13. Jahrhundert. In Nonnenroths Mitte erinnert eine Skulptur daran, dass wir uns auf dem Lutherweg befinden. Wer es nicht ganz so eilig hat, der krönt seinen Besuch in der Schäferstadt mit einer Übernachtung in der Schäferwagen-Herberge in Nonnenroth. Geschrieben von Katja Winter

Lich

Hier sind sich die Stadthistoriker ganz sicher, dass der Reformator entweder auf dem Hin- oder dem Rückweg nicht nur Station gemacht, sondern auch übernachtet hat – im ehemaligen Pfarrhaus an der Braugasse. Im Archiv der Marienstiftsgemeinde ist ein sogenannter „Furierzettel“ zu finden, der die Zahl der Quartiere auflistet und was gegessen und getrunken wurde. Einer aus der Reisegesellschaft von 21 Personen ist als „Dr. Lutter“ auf dem Dokument vermerkt. Noch ein Grund, weshalb der Protestant sehr wahrscheinlich Lich auf seiner risikoreichen Reise wählte: Der dort residierende Graf zu Solms stand in Diensten von Luthers Gönner Kurfürst Friedrich dem Weisen. Geschrieben von Helmut Schwan

Grünberg

Auf seiner Reise wollte Luther in Grünberg wohl nicht in einem der drei Klöster der Stadt übernachten. Er hat ein Haus am Marktplatz bevorzugt. Angeblich, weil der Reformator das Freibier dort zu schätzen wusste. Die These stützt sich auf einen Brief, den Luther in Friedberg an seinen Freund Spalatin geschrieben hat. Darin kündigte er sein nächstes Ziel an: Grünberg. Ein weiteres Indiz dafür ist das Testament der letzten Besitzerin des Hauses, Anna Katharina Blöser. In dem Übergabeprotokoll von 1911 ist vermerkt: „Eine Bartschüssel, welche Dr. Martin Luther bei seiner Durchreise in dem Blöser'schen Haus, wo er übernachtete, zum Rasieren gebraucht hat“. Das Haus ist nur noch als Modell vorhanden. Dort, wo es stand, befindet sich heute ein Biergarten. Geschrieben von Katja Winter

Alsfeld

Als Martin Luther auf seiner Rückreise von Worms nach Wittenberg in Alsfeld ankam, besuchte er einen besonderen Ort. Denn Alsfeld gilt als eine der ersten deutschen Städte, die der Reformation folgten. In der Stadt wohnte, wie es heißt, in Person von Tilemann Schnabel auch einer seiner bekanntesten Schüler. Angesichts dessen kam der Kleinstadt im Deutschen Reich zu jener Zeit „eine große Bedeutung“ zu, wie Alsfeld heute stolz anmerkt. Ob sich Luther an dem prächtigen Fachwerk im Ortskern erfreut hat, wissen wir nicht. Das Rathaus war jedenfalls wenige Jahre vor seiner Ankunft fertiggestellt worden. Wer mag, kann den Stationen Luthers in Alsfeld während einer etwa zweistündigen Führung folgen. Geschrieben von Katja Winter

Bad Hersfeld

Am 30. April soll Martin Luther auf dem Rückweg von Worms in Hersfeld (damals noch ohne „Bad“) angekommen sein. Durchgerüttelt und durchgeschüttelt nach der langen Kutschfahrt, aber wohlbehalten. Er übernachtete hier in dem einstigen Benediktinerkloster, von dem heute nur noch die Ruine der Stiftskirche erhalten ist. Bad Hersfeld wurde schon früh durch reformatorische Gedanken geprägt. Luthers Ansichten gelangten auf verschiedenen Wegen in die Region, wobei die Nähe zur Erfurter Universität eine wichtige Rolle spielte. Mit langem Nachhall: Die Bad Hersfelder sind mehrheitlich evangelisch. Geschrieben von Martin Benninghoff

Illustration: Martin Haake







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17.04.2021
Quelle: F.A.Z.