Klimaneutral bis 2025

Hessen gibt Geld für die „Wärmewende“

Von Robert Maus
03.12.2020
, 20:01
Die Landesregierung in Wiesbaden stockt Bundeszuschüsse für energetische Sanierungen von Häusern und Wohnungen auf. Das Förderpaket beinhaltet unter anderem mehr Geld für Eigenheime und kommunale Investitionen.

Nur recht wenige Häuser und Wohnungen werden in Hessen derzeit mit erneuerbaren Energien beheizt. Bei Neubauten ist der Einsatz regenerativer Energiequellen für die Heizung mittlerweile zwar stark gestiegen, aber die hessische Landesregierung möchte die Entwicklung forcieren, zumal Hessen bis 2050 klimaneutral sein soll. Wirtschafts- und Energieminister Tarek Al-Wazir (Die Grünen) stellte am Donnerstag gemeinsam mit dem Geschäftsführer der Landesenergieagentur, Karsten McGovern, das Wärmeeffizienzpaket seines Hauses vor. Dabei geht es nicht nur um das Heizen, sondern auch darum, möglichst wenig Wärme entweichen zu lassen.

„Wir haben eine ernste Lage, nämlich den Klimawandel“, sagte Al-Wazir: „Die Klimakrise, in der wir uns befinden, kann man nur mit entschiedener Energiepolitik aufhalten.“ Daher will die Landesregierung nach Auskunft des Wirtschaftsministers ab dem 1. Januar 2021 mit neuen Förderangeboten beginnen. „Wir brauchen nicht nur den Ausbau der erneuerbaren Energien, sondern auch die Wärmewende“, stellte der Minister klar. Dahinter steht die Logik, dass eine mit erneuerbaren Energien verschwendete Kilowattstunde trotzdem eine verschwendete Kilowattstunde sei. Daher möchte das Land ab dem nächsten Jahr im Rahmen des „Neuen Hessenplans“ mit einem Sonderprogramm für Eigenheime 25 Millionen Euro zur Verfügung stellen, die für die energetische Sanierung von Wohnhäusern vorgesehen sind. Investitionen in die Energieeffizienz würden in Hessen allerdings auch schon jetzt jährlich mit 24 Millionen Euro gefördert, sagte Al-Wazir.

„Wir dürfen nicht weiter zum Fenster raus heizen“

Ein Drittel aller Kohlendioxidemissionen in Deutschland entstehen laut Al-Wazir in Wohnhäusern, und dort werden 80 Prozent der Energiekosten für warmes Wasser und die Heizung aufgewendet. Derzeit, so der Minister weiter, würden in Hessen im Jahr etwa ein Prozent aller bestehenden Gebäude saniert. Bis 2025 soll sich die Sanierungsquote auf zwei Prozent verdoppeln, lautet das ehrgeizige Ziel der Landesregierung. „Wir dürfen nicht weiter zum Fenster raus heizen“, gab der Minister die Richtung vor. Um dies zu erreichen, werden neben den Bürgern auch die Städte und Gemeinden, die Unternehmen und die Wohnungsbaugesellschaften gefördert.

Federführend ist die Landesenergieagentur, die seit Januar dieses Jahres eigenständig ist. Um den Hessen die Sanierung ihrer älteren Häuser und Wohnungen, und damit auch der manchmal bis zu 30 Jahre alten Ölheizungen schmackhaft zu machen, stockt die Landesregierung künftig die Sanierungsfördermittel der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) auf. Nach Auskunft von McGovern werde es so für Hausherren möglich, bis zu 50 Prozent der maximalen förderfähigen Investitionssumme von 120.000 Euro entweder als Zuschuss oder aber als Tilgungszuschuss für einen Kredit zu erhalten. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass mit Hilfe der Sanierung der Energiestandard KfW-55 erreicht wird. Ist nur ein geringerer Standard erreichbar, wie etwa KfW-70, gibt es zwar auch Fördergeld, aber eben weniger. Dieses Angebot gilt für Ein- und Zweifamilienhäuser sowie für Eigentumswohnungen und wird mit dem Slogan „Komm, wir machen 50/50“ beworben. „Das Programm ist maßgeschneidert für Häuser, die rundum saniert werden sollen“, erläuterte McGovern.

„Viel zu bürokratisch und nicht attraktiv“

Ebenfalls neu ist die aufsuchende Energieberatung, die für die Kunden unentgeltlich ist. In 44 Städten und Gemeinden gibt es schon entsprechende Beratungsangebote. Vom nächsten Jahr an können auch Kommunen die aufsuchende Energieberatung in Anspruch nehmen, die Kosten übernimmt das Land. Zudem werden Investitionen in die energetische Modernisierung von Rathäusern, Schulen, Kitas oder auch von Straßenlaternen gefördert. Unternehmen erhalten unter anderem die Förderung für das Programm „Energieeffizienz im Wohnungsbau“.

Die CDU-Fraktion im Landtag wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass im „Neuen Hessenplan“ auch die Aufstockung des Eigenkapitals der Nassauischen Heimstätte/Wohnstadt um 200 Millionen Euro enthalten sei. Die höhere Eigenkapitalausstattung ermögliche die energetische Sanierung der landeseigenen Wohnungen, erläuterte der wohnungspolitische Sprecher Heiko Kasseckert.

Als „viel zu bürokratisch und nicht attraktiv“ bezeichnete der Vorsitzende der FDP-Fraktion, René Rock, das KfW-Förderprogramm, das daher kaum in Anspruch genommen werde. Aus diesem Grund, sagte Rock weiter, bringe es auch wenig, die KfW-Mittel aufzustocken. „Die Landesregierung präsentiert Binsenweisheiten und schafft immer neue Behörden und Planstellen, verfehlt aber ihre selbstgesteckten energie- und klimapolitischen Ziele“, äußerte Rock.

Quelle: F.A.Z.
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