Missbrauchsvorwürfe in Linkspartei

„Die wollen mich vernichten“

Von Robert Maus
21.04.2022
, 21:28
System der Angst: Ein Kommunalpolitiker traut sich nur anonym Stellung zu beziehen (Symbolbild).
Nach den Missbrauchsvorwürfen in der hessischen Linkspartei meldet sich ein Beschuldigter anonym zu Wort. Er berichtet von einem System von Angst und Verunsicherung.
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Die Vorwürfe wiegen schwer und müssen aufgeklärt werden: Sexuelle Übergriffe, toxische Männlichkeit, Vertuschung und Machtmissbrauch werden immer mehr Mitgliedern der Linken vorgeworfen. Insbesondere der hessische Landesverband und der Kreisverband Wiesbaden haben sich zu Brennpunkten des Skandals entwickelt, der die Partei zu zerreißen droht.

In Hessen wurden zwei Mitarbeiter freigestellt, ein weiterer ehrenamtlicher Politiker wird ebenfalls beschuldigt. Es existieren aber auch Zweifel, ob alle Anschuldigungen in diesem Ausmaß der Wahrheit entsprechen. Beschuldigte, die in einer geschlossenen Chatgruppe namentlich als „Sexualstraftäter“ bezeichnet wurden, haben Strafanzeige wegen übler Nachrede gestellt. Mittlerweile ermittelt der Staatsschutz. Eines der mutmaßlichen Opfer soll Linken-Mitglieder auf Twitter als „elende Hunde“ bezeichnet und gefordert haben: „Nürnberger Prozesse müssen wieder Praxis werden.“ Der F.A.Z liegen die Screenshots vor.

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„Macker Massaker Rhein-Main“

Innerhalb der Linken herrscht offenbar ein System von Angst und Verunsicherung. Einer der Beschuldigten berichtet davon, dass er zuerst auf Instagram wegen der sexuellen Belästigung Minderjähriger beschuldigt worden sei. Dieser Vorwurf werde heute nicht mehr erhoben. Die Wiesbadener Staatsanwaltschaft hatte nach eigener Aussage in der jüngeren Vergangenheit mehrere Ermittlungsverfahren gegen Politiker der Linken, die auf Anzeigen zurückgingen, mangels Tatverdacht eingestellt. Derzeit gebe es keine neuen oder aktuellen Verfahren, hieß es weiter. „Ich weiß bis heute nicht, wer das Opfer sein soll“, sagt der Mann, der seinen Namen nicht veröffentlicht sehen möchte. Das mutmaßliche Opfer habe bei einem Verfahren vor dem Landgericht Wiesbaden trotz Fristverlängerung die Vorwürfe nicht konkretisiert, weshalb eine einstweilige Verfügung erlassen worden sei.

„Die wollen mich vernichten“, sagt der Kommunalpolitiker. So gebe es unter anderem bei Telegram geschlossene Chatgruppen mit Namen wie „Macker Massaker Rhein-Main“ und „Feminismus oder Schlägerei“, in denen er und andere Beschuldigte namentlich verunglimpft würden. Hintergrund der Vorwürfe ist offenbar auch eine private Feier, bei der es um Trinkspiele mit jungen Mitgliedern der Linken, aber auch von anderen Fraktionen ging. Einige Partygäste spielten „Wahrheit oder Pflicht“, ein eher pubertäres Spiel, bei dem es unter anderem darum gehen kann, Alkohol zu trinken oder geküsst zu werden. „Es wurde niemand gezwungen, Alkohol zu trinken oder sich küssen zu lassen. Manche Partygäste haben auch einfach nicht mitgespielt“, schildert der Beschuldigte den Abend, an dem er als Gastgeber fungierte. Er bestreitet, eine Minderjährige an diesem Abend geküsst zu haben.

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Angst vor dem Ausschluss

Um dies zu beweisen, habe er im Verlauf der Aufarbeitung der Vorwürfe Gäste um eine Aussage gebeten. Einige Partybesucher folgten dieser Bitte, andere wiederum nicht. „Es gibt in einigen Kreisverbänden der Linken mittlerweile Listen von Politikern, die aufgrund von Sexismus-Vorwürfen nicht wiedergewählt werden sollen. Ich bin selbst auf einer solchen Liste“, sagt der Beschuldigte. Daher hätten sich einige der Gäste geweigert, eine Aussage zu machen. Sie hätten Angst gehabt, ebenfalls auf einer solchen Liste zu landen, hätten sie zu ihm gestanden.

„Ich hatte mit keinem Mitglied der Linksjugend jemals ein sexuelles Verhältnis“, sagt der Politiker und ergänzt: „Ich habe mich bis jetzt nicht gewehrt, weil ich Angst hatte.“ Er habe seiner Einschätzung nach keine Machtposition innerhalb der Partei inne, weshalb der Vorwurf, dass er eine solche ausgenutzt habe, absurd sei. „Ich bin der Depp, und es reicht mir“, sagt der Mann. Seit Monaten werde er beschimpft, obwohl er nichts getan habe.

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„Ich bin Feminist“, äußert er weiter, und er verstehe daher auch, dass es Frauen gebe, die Hass auf das Patriarchat hätten. In seinem Fall vermutet er jedoch, dass es dem mutmaßlichen Opfer darum gehe, die „Partei in Trümmer zu legen“. „Ich habe Angst, dass die Linke das nicht überlebt, aber das liegt nicht an den Vorwürfen, sondern an dem Umgang mit den Vorwürfen“, ist er überzeugt. Das sieht die junge Frau offenbar ähnlich. Sie twitterte über Ostern: „Ich glaube, Karfreitag ist Tanzverbot, aber ich tanze heute auf dem Grab von #DieLinke“.

Quelle: robm.
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