Müllentsorgung

Parkwächter oder Pädagogik: Städte kämpfen gegen Müll

Aktualisiert am 27.04.2012
 - 13:00
Wenn junge Erwachsene ihren Abschluss feiern, hinterlässt das oft Spuren - wie hier im Frankfurter Grüneburgpark.
Müllberge und Vandalismus nehmen vielen Grünanlagen den Erholungswert. Besonders schlimm ist es nach einem sonnigen Wochenende. Die Städte gehen im Kampf gegen den Müll unterschiedliche Wege.

Mit den ersten milden Frühlingstagen wachsen in den Parks und Grünanlagen die Müllberge. Achtlos weggeworfene Essensverpackungen, Glasscherben und beschädigte Bänke ärgern vor allem montagsmorgens Spaziergänger und Radfahrer. „Wir haben von Jahr zu Jahr eine Zunahme der Müllmenge“, sagt der Leiter der Stabsstelle Sauberes Frankfurt, Peter Postleb. Einen ähnlichen Trend gibt es in vielen hessischen Städten, wie eine dpa-Umfrage ergab.

„Das ist ein Kampf gegen Windmühlenflügel“, sagt der Sprecher der Stadt Marburg, Rainer Kieselbach. Der Hanauer Abfalldezernent Axel Weiss-Thiel (SPD) betont: „Es kann nicht angehen, dass die Allgemeinheit über die Maßen für das aufkommen soll, was wenige am Mainufer an Abfall produzieren.“ Die Kommunen verfolgen verschiedene Strategien, um das Problem in den Griff zu kriegen.

„Ohne Geld kann ich da nichts machen“

Frankfurt hat gute Erfahrungen mit Parkwächtern gemacht, die Vandalismus sowie Vermüllung verhindern und darauf achten, dass Grillverbote eingehalten werden. Die Ausweitung des Programms mit einem privaten Sicherheitsdienst scheitert allerdings an den Sparzwängen, wie Postleb berichtet. „Ohne Geld kann ich da nichts machen.“ Rund 65.000 Euro hatte die Stadt dafür 2011 ausgegeben. Etwa 50.000 Euro zusätzlich kostet eine Reinigungsfirma, deren Beschäftigte jedes Wochenende das Mainufer ablaufen, Abfalleimer leeren und Müll aufsammeln. Um auf den Grillplätzen Verwüstungen im Zaum zu halten, stellt die Stadt dort jeden Freitagabend zwei große Container auf und holt sie am Montagmorgen wieder ab. „Wenn sie die ganze Woche stehen, werfen die Kleingärtner ihren Grünstock rein“, erklärt Postleb den Aufwand.

Ein Dauerproblem seien die Partys am Friedberger Platz. Bis zu 3.000 Leute feierten dort freitagabends, die Stadt stellt dafür acht Toiletten und 40 Mülltonnen auf - ohne Deckel, weil diese als Stehtisch für Gläser genutzt worden waren. Rund 50.000 Euro koste die Müllentsorgung der Party pro Jahr. „Völlig hilflos“ sei die Stadt allerdings gegen die Zumüllung von Parks bei Spontanpartys übers Internet. Um das Müllproblem in den Griff zu kriegen „müssen wir auch auf das Verhalten der Leute einwirken“, sagt Postleb. „Wir versuchen die Leute bei schönem Wetter darauf hinzuweisen, ihren Müll nicht einfach liegen zu lassen.“

„Wir beobachten, dass die Vermüllung der Parks zunimmt.“

Einen solchen pädagogischen Ansatz schreibt Darmstadt ganz groß. Über Vereine und Schulen werde versucht, die Menschen dazu zu bringen, Verantwortung für ihren Müll zu übernehmen, sagt Stadt-Sprecherin Sigrid Dreiseitel. „Wir beobachten, dass die Vermüllung der Parks zunimmt.“ Montagsmorgens seien schon mal zwei Schichten in den Parks im Einsatz, um den Abfall vom Wochenende einzusammeln. Die Stadt genehmige zudem bestimmte Feiern - wie etwa eine Abi-Fete - in den Parks nur noch, wenn hinterher aufgeräumt werde. Für die Müllentsorgung in den Parks und Grünflächen gibt Darmstadt pro Jahr etwa 205.000 Euro aus.

In Marburg werden die Lahnwiesen auch ganz schnell vermüllt - trotz aller Kampagnen, Streifen und großen Müllbehältern, wie Stadtsprecher Kieselbach sagt. „Das ist ein leidiges Problem, aber unvermeidbar.“ Mit Kampagnen und Müllsammelaktionen würden stets nur die Gutwilligen erreicht. Ein Beraterteam aus zwei Leuten ist aber nun werktags unterwegs, „um zu schauen, das alles mit rechten Dingen zugeht“. Die beiden Kräfte sollen die Menschen sechs Stunden pro Tag dazu anhalten, Müll in Abfalleimer zu werfen, Hundekot wegzumachen, Radwege zu nutzen und Hunde anzuleinen, heißt es beim Ordnungsamt. An den Wochenenden hat der Eigenbetrieb, der für die Reinigung zuständig ist, die Schichten ausgeweitet. „Alle 40 Meter steht ein Papierkorb, trotzdem liegt überall Müll“, sagt ein Sprecher.

Extra große Müllbehälter mit einem Fassungsvermögen von 240 Litern hat die Stadt KASSEL auf dem alten Gelände der Bundesgartenschau aufgestellt. „Normale Papierkörbe haben nur so 20, 30 Liter“, sagt die Sprecherin der Stadtreinigung, Birgit Knebel. Je nach Wetterlage wird entschieden, ob ein Wochenenddienst extra reinigen muss. „Das ist sonst unerträglich.“

„Wo Müll liegt, kommt schnell mehr Müll hin“

In Offenbach hat sich die Lage mit der Einführung eines Beschwerdemanagements über das Internet verbessert, wie Stadtsprecher Matthias Müller sagt. Dort können die Bürger Müllberge melden, Fotos einstellen und zugleich verfolgen, wann die Behörden das Problem beseitigen. „Wo Müll liegt, kommt schnell mehr Müll hin“, betont Müller. Die Stadt sei daher bemüht, diesen möglichst schnell zu beseitigen.

In Hanau nimmt die Vermüllung des öffentlichen Raums auch zu, vor allem in den Grünanlagen, wie Sprecher Joachim Haas-Feldmann von der Beteiligungsholding sagt. Das Unternehmen ist die Konzernmutter der städtischen Gesellschaften. Öffentlichkeitsarbeit und mehr Mülleimer reichten aber nicht aus, um dem Problem Herr zu werden. Das Aufstellen größerer Mülltonnen führe vielmehr dazu, dass darin mehr Abfall illegal entsorgt werde. Neben den Bemühungen der Stadt um Sauberkeit sei mehr Bürgerengagement unerlässlich. So beteiligten sich auch immer mehr Kitas, Schulen, Vereine und Institutionen an der Aktion „Sauberhafte Stadt“ und sammelten Müll ein. Im Stadtteil Großauheim etwa habe sich eine neue Bürgerinitiative gegründet, um Hundekot und wild abgelagertem Müll am Mainufer weg zu kriegen.

In Gießen hält sich das Problem nach Darstellung von Stadt-Sprecherin Claudia Boje noch in Grenzen. Die Stadtreinigung habe die Erfahrung gemacht, dass die Leute ihren Müll dann wegbringen oder wieder mitnehmen, wenn soziale Kontrolle da ist - also etwa Menschen in der Nähe wohnen. Und in kleinen Grünanlagen werde mehr auf Sauberkeit geachtet als in großen.

In Fulda bedankten sich viele Gäste sogar schriftlich für die Sauberkeit, dennoch habe die Domstadt auch mit Müll und Vandalismus zu kämpfen, sagt Stadtsprecher Michael Schwab. Mit Kampagnen und dem 2006 eingerichteten Stadtservice sei aber schon einiges erreicht worden. Die 13 Beschäftigten des Stadtservices könnten jederzeit von Bürgern auf Müll aufmerksam gemacht werden und beseitigten diesen dann möglichst rasch.

Quelle: LHE
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