Neue Corona-Variante

Weiterhin Flüge aus Südafrika

26.11.2021
, 18:24
Im Anflug: Ein Flugzeug landet am Frankfurter Flughafen.
Die Furcht vor der neuen Corona-Variante ist groß. Aber die Flugverbindungen von und nach Frankfurt sind noch nicht gekappt. Derweil werden in Hessen Impfstoffe knapp.
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Die Lufthansa fliegt trotz der neuen Variante des Coronavirus vorerst weiterhin von Frankfurt nach Südafrika und zurück. So kommen am Samstag und Sonntag jeweils um 5.30 Uhr zwei Maschinen aus Johannesburg in Frankfurt an. Am Sonntag um 5.25 Uhr landet zudem ein Lufthansa-Flugzeug aus Kapstadt. „Wir setzen die Vorgaben um und werden weiter fliegen, auch um Menschen nach Hause zu bringen und Fracht zu transportieren“, sagte ein Lufthansa-Sprecher am Freitagmorgen auf Anfrage. Man beobachte die Lage intensiv und halte sich an alle gesetzlichen Auflagen und Regeln. Am Freitagabend bestätigte ein Sprecher diese Aussage. Ein Flugverbot liege nicht vor. „Wir lassen den Flugplan in Kraft, um Deutsche nach Hause zu holen und Fracht zu transportieren.“

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Von Samstag an müssen sich allerdings Urlaubs- und andere Reiserückkehrer aus Südafrika umgehend in eine vierzehntägige Quarantäne begeben. Sie können nicht etwa am Montag an ihren Arbeitsplatz zurückkehren, sondern haben sich vielmehr umgehend beim Gesundheitsamt zu melden, wie ein Sprecher der Bundespolizei am Freitag mitteile. Das ist eine Folge der Entscheidung des Bundesgesundheitsministeriums, Südafrika zum Virusvariantengebiet zu erklären, nachdem dort eine möglicherweise besonders ansteckende Variante des Coronavirus aufgetaucht ist. In diesem Fall schützen mithin auch Impf- und Genesenen-Nachweise nicht vor der Quarantäne. Eine weitere Folge der Klassifizierung Südafrikas als Virusvariantengebiet ist, dass Südafrikaner, die einen Aufenthalt in Deutschland geplant haben, den Flug gar nicht antreten dürfen. Es obliegt laut Bundespolizei in allen Fällen den Fluggesellschaften, vor Flugantritt zu kontrollieren, ob Reisende die nötigen Voraussetzungen für die Einreise in Deutschland erfüllen.

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Omikron-Variante könnte Impfschutz beeinträchtigen

Alles in allem fliegt die Lufthansa derzeit zwölfmal in der Woche von Frankfurt aus nach Südafrika – siebenmal nach Johannesburg und fünfmal nach Kapstadt. Die Südafrika-Flüge der Frachttochter Lufthansa Cargo aus Frankfurt heraus werden den Angaben zufolge ebenfalls fortgesetzt. Der in Neu-Isenburg ansässige Ferienflieger Condor hingegen steuert laut einer Sprecherin seit Beginn der Corona-Pandemie Südafrika nicht mehr an.

Sandra Ciesek, Direktorin des Instituts für Medizinische Virologie am Frankfurter Uniklinikum, hält es für möglich, dass die neue Virusvariante den Impfschutz und die Wirksamkeit von Antikörpertherapien gegen Covid-19 beeinträchtigt. Die sogenannte Omikron-Variante sei schon bei Reiserückkehrern aus Israel und Hongkong gefunden worden, von denen einige wohl vollständig geimpft seien und zum Zeitpunkt der Diagnose hohe Viruslasten aufgewiesen hätten. In der Variante fänden sich Mutationen, die mit einer gesteigerten Übertragbarkeit in Verbindung gebracht würden. Außerdem weise ihr Erbgut Merkmale auf, von denen bekannt sei, dass sie die Effektivität von Impfstoffen leicht verringern könnten.

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Das müsse nicht heißen, dass die gängigen Vakzine bei dieser Mutante gar nicht mehr wirkten, erläuterte die Professorin weiter. Es sei aber zu erwarten, dass Omikron mehr Auswirkungen auf neutralisierende Antikörper haben werde als die bisher bekannten, als besorgniserregend eingestuften SARS-CoV-2-Varianten. Auch sei es möglich, dass die Wirkung von monoklonalen Antikörpern eingeschränkt werde, die zur Corona-Therapie verwendet würden. Wichtig sei nun, die Eigenschaften von Omikron im Labor rasch genauer zu untersuchen. Erkennen lasse sich die Mutante mit den bereits eingesetzten PCR-Tests; an einem spezifischen Nachweisverfahren werde gerade gearbeitet.

Bund nennt keinen Grund für Impfstoff-Rationierung

Der hessische Gesundheitsminister Kai Klose (Die Grünen) teilte am Freitag mit, die hessischen Apotheker und Ärzte müssten in den nächsten Wochen offenbar mit weniger Impfstoff auskommen als geplant. Über die schon bekannte Rationierung des BioNTech-Impfstoffs hinaus habe der Bund die zugesagten Liefermengen von BioNTech und Moderna nochmals reduziert. Ein Grund dafür sei nicht genannt worden. Sowohl Ärzteschaft als auch Vertreter von Städten und Kreisen fürchteten, dass nicht alle vereinbarten Termine eingehalten werden könnten. Klose forderte vom Bund klare Angaben zu den Gründen der Rationierung und eine zügige Auslieferung des benötigten Impfstoffs.

Auch Frankfurt ist betroffen. Wie das Gesundheitsamt mitteilt, würden nächste Woche statt der bestellten 19.000 Impfdosen nur 10.000 ausgeliefert. „Dass wir jetzt wieder einen Engpass beim Impfstoff haben, ist für mich unerträglich“, sagte Gesundheitsdezernent Stefan Majer (Die Grünen). Wegen der Kürzung müsse man das Impfangebot zurückfahren und das Impfzentrum zeitweise schließen.

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Unterdessen halten die Hochschulen in Hessen trotz der hohen Infektionszahlen bis auf Weiteres ihre Hörsäle und Seminarräume offen. „Wir bleiben, so lange die Politik es zulässt, in Präsenz“, sagte der Frankfurter Uni-Präsident Enrico Schleiff. Die Universität werde von der zweiten Dezemberwoche an ein eigenes Impfangebot machen. Auch die Frankfurt University of Applied Sciences bietet nach Angaben ihrer Sprecherin vorerst weiterhin Veranstaltungen auf dem Campus an. Ihr Präsident Frank Dievernich sprach sich für eine allgemeine Impfpflicht aus. Diese befürwortete indirekt auch sein Amtskollege Schleiff: Wenn Appelle an die Vernunft nichts bewirkten, führe kaum ein Weg daran vorbei. Die Universität Gießen teilte mit, sie bleibe im wesentlichen bei den bisherigen Corona-Regeln, auch weil bisher keine Infektionsketten nachweislich innerhalb der Hochschule entstanden seien. Gleiches gilt für die Universität Frankfurt, wie ihr Sprecher sagte.

Der Kirchenpräsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN), Volker Jung, hält in der sich drastisch zuspitzenden Corona-Pandemie eine allgemeine Impfpflicht für denkbar. „Es ist richtig, dass die Diskussion jetzt geführt wird“, sagte Jung am Freitag. Es gehe darum, die Intensivstationen in den Kliniken deutlich zu entlasten. Wenn es rechtlich geklärt sei, könne er sich vorstellen, dass die Impfpflicht eingeführt werde.

Sieben-Tage-Inzidenz steigt weiterhin

In Hessen liegen so viele Corona-Kranke auf den Intensivstationen der Krankenhäuser wie nie zuvor. Laut Sozialministerium lagen zuletzt 275 Covid-Patienten auf Intensivstationen nach 273 am Vortag und 167 vor vier Wochen. 55,7 Prozent der auf hessischen Intensivstationen behandelten Patienten mit Covid-19 sind nur teilweise oder gar nicht geimpft. 37,7 Prozent sind vollständig geimpft. Dieser Wert steigt tendenziell. Das hat mit dem Nachlassen der Wirkung des Impfstoffs nach einigen Monaten zu tun und in vielen Fällen auch mit dem Umstand, dass Personen wegen anderer Erkrankungen keinen ausreichenden Immunschutz ausbilden konnten oder weil ihr Immunsystem medikamentös gedämpft ist. Bei 6,6 Prozent ist der Impfstatus unbekannt.

Auch die Sieben-Tage-Inzidenz steigt weiter. Der Odenwaldkreis hat als erster hessischer Landkreis im Verlauf der vierten Welle sogar die Sieben-Tage-Inzidenz von 500 übersprungen. Die Impfquote erhöht sich nach wie vor kaum. 67,3 Prozent der hessischen Bevölkerung sind durchgeimpft.

Quelle: F.A.Z.
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