Ahmadiyya-Gemeinde

Neue Pläne für Moschee im Frankfurter Westen

Von Rainer Schulze und Stefan Toepfer
13.03.2014
, 18:58
Hält nichts von „Buchstabengläubigkeit“: Abdullah Uwe Wagishauser, Vorsitzender der Ahmadiyya Gemeinde
Die Ahmadiyya-Gemeinde will im Frankfurter Stadtteil Nied ein Gebetshaus bauen. Das erklärte Ziel lautet: ein „Ort, um Vorurteile abzubauen“.
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Die Frankfurter Ahmadiyya-Gemeinde möchte im Westen der Stadt eine neue Moschee errichten. Als Bauplatz ist ein Gelände an der Schwanheimer Brücke in Nied im Gespräch. Integrationsdezernentin Nargess Eskandari-Grünberg (Die Grünen) unterstützt das Vorhaben. Der Bauaufsicht wurde das Projekt ebenfalls schon vorgestellt. Allerdings handelt es sich laut Amtsleiter Michael Kummer nur um eine „unverbindliche Anfrage“. Das Projekt sei noch in einem sehr frühen Stadium.

Wie der Sprecher der Ahmadiyya-Gemeinde, Zafar Khan, gestern auf Anfrage sagte, lebt in den westlichen Stadtteilen rund die Hälfte der Mitglieder. Diese rund 1000 Gläubigen hätten bisher keine Versammlungsstätte. Die Gemeinde habe sich mehrere Grundstücke angeschaut. Für das etwa 5000 Quadratmeter große Gelände in Nied, das ihr zum Kauf angeboten worden sei, spreche dessen verkehrsgünstige Lage.

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Khan zufolge gab es schon erste Kontakte des Eigentümers mit dem Ortsbeirat, das Gespräch mit diesem Gremium und mit den Bürgern wolle die Gemeinde aber noch intensivieren. Zunächst wolle sie abwarten, was die Stadt mit Blick auf den Bebauungsplan sage. Dann werde es ein weiteres Gespräch mit dem Grundstückseigentümer und mit dem Bundesvorsitzenden der Gemeinde, Abdullah Uwe Wagishauser, geben.

Teil der Gesellschaft

Eskandari-Grünberg sagte, ihr Anliegen sei, dass, wenn der Plan realisiert werde, dort eine der Lage angemessene und anspruchsvolle Moschee entstehe. Sie würdigte den Willen der Gemeinde, sich als Teil der Gesellschaft zu sehen und Politik und Bürger in das Vorhaben einzubeziehen.

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Baurechtlich ist das Vorhaben nicht unproblematisch. Bei dem Grundstück handelt es sich laut Bebauungsplan um eine landwirtschaftliche Fläche. Außer Wiesen befindet sich in der Nähe auch das Tierheim Nied. Im Flächennutzungsplan ist das Areal als Zuwachsfläche für Wald gekennzeichnet. Eine Bebauung ist somit schwierig, weil übergeordnete Ziele im Weg stehen. Eine Änderung des Plans wäre nötig – ein aufwendiges Verfahren, in dem sich Frankfurt mit dem Regionalverband abstimmen müsste.

Offen ist auch, welches Bauvolumen an dieser Stelle möglich ist. Für eine sichtbare Moschee wäre die Lage wohl geeignet. Das Stadtplanungsamt hat sich allerdings noch nicht mit der Idee befasst und kann keine Auskunft zur Gestalt des Gebäudes geben. Es wurde auch noch nicht überprüft, ob die Verkehrsanbindung genügt, um die zu Gebetszeiten stoßweise anreisenden Gläubigen zu bewältigen. Viele Parkplätze wären jedenfalls nötig.

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Manfred Lipp (CDU), der auch für Nied zuständige Ortsvorsteher, sagte, er wisse bisher durch den Grundstückseigentümer von dem Moscheebauvorhaben. Würden die Pläne sich konkretisieren, werde der Ortsbeirat darauf dringen, dass auch die Gemeinde selbst Auskunft gebe. Derzeit spreche nichts gegen das Projekt. Khan sagte, die neue Moschee solle zu einem „Ort der Begegnung“ werden, der helfen könne, Vorurteile gegenüber Muslimen abzubauen.

Schon 1959 eine kleine Moschee

Käme es zu dem Bau, der angesichts der 1000 Gemeindemitglieder eine gewisse Größe haben müsste, wäre er die dritte Niederlassung der Ahmadiyya-Gemeinde in Frankfurt. Schon 1959 hatte sie eine kleine Moschee an der Babenhäuser Landstraße in Sachsenhausen errichtet; es war das erste islamische Gebetshaus Frankfurts. An der Genfer Straße in Nieder-Eschbach hat die Gemeinschaft, die seit Mai 2013 in Hessen den Status einer Körperschaft des öffentlichen Rechts hat, ihre Deutschlandzentrale. Die Gemeinde ist neben dem Ditib-Landesverband der zweite Träger für muslimischem Religionsunterricht in Hessen, und sie ist Mitglied im Frankfurter Rat der Religionen.

Die Ahmadiyya-Gemeinschaft geht zurück auf Hadhrat Mirza Ghulam Ahmad, in dem sie den im Islam prophezeiten Messias sieht. Er gründete sie im Jahr 1889 in Indien. Viele Mitglieder in Deutschland stammen aus Pakistan, wo die Gemeinde als unislamisch gilt und verfolgt wird. Sie versteht sich selbst als Reformgemeinde, die dem Koran gegenüber keine „Buchstabengläubigkeit“ kennt, wie Wagishauser einmal sagte. Zugleich sei sie „wertkonservativ“, die fünf Grundpfeiler des Islam stünden nicht zur Disposition. Gemeint sind damit das Glaubensbekenntnis, das fünfmalige Gebet am Tag, Almosen, Fasten und die Pilgerreise nach Mekka.

Quelle: F.A.Z.
Rainer Schulze - Portraitaufnahme für das Blaue Buch
Rainer Schulze
Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.
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