Frankfurter Zoo

Tradition versus Tierwohl

Von Patricia Andreae
21.01.2019
, 13:00
Tristes Aussichten: Das Nashorngehege liefert gute Argumente für einen Standortwechsel.
Viele Zoobesucher wünschen sich für den Frankfurter Tierpark moderne, geräumige Gehege. Gegen einen neuen Standort abseits der Innenstadt gibt es aber Vorbehalte.
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Es herrscht reger Betrieb an diesem sonnig-kalten Sonntagvormittag vor den Kassen des Zoos. „Jetzt haben wir es gleich geschafft“, beruhigt eine Mutter ihren quengelnden Dreijährigen, während der Vater die Eintrittskarten kauft. Wie diese Familie aus dem Taunus sind viele aus dem Umland zum Frankfurter Tiergarten gekommen. Entlang der Mauer um das elf Hektar große Areal fallen die auswärtigen Kennzeichen auf: WI, HG, DA, DI, MTK, GG, FB, AB, GI und MYK weisen darauf hin, dass manche Besucher eine weitere Anreise auf sich genommen haben, um mit Kindern oder Enkeln Löwen, Bären und Menschenaffen anzuschauen.

„Wir haben hier den letzten Parkplatz bekommen“, sagt ein Vater, der einen Kinderwagen schiebt, freudig. Ein Paar mit zwei Kleinkindern, das im alten Affenhaus an einem Tisch eine kleine Pause macht, ist aus Darmstadt mit der Bahn angereist. „Das ist ganz unkompliziert“, sagt die Mutter. Die Erreichbarkeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln sei entscheidend, „die müsste ein neuer Zoo auch bieten“.

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Chance für mehr Tierwohl

Diejenigen unter den Besuchern, die aus dem Süden der Region kommen, meinen allerdings, dass ein neuer Zoo nicht im Norden der Stadt angesiedelt werden sollte, damit er für sie besser zu erreichen sei und dem Opel-Zoo keine Konkurrenz mache. Eine Frau aus dem Taunus allerdings hält dagegen, der Opel-Zoo sei so toll und so gefragt, dass er sich sogar ohne öffentliche Zuschüsse halten könne; der müsse keine Konkurrenz fürchten. „So viel, wie da im Sommer los ist, könnte die Region auch einen zweiten Zoo am Taunus vertragen“, sagt die Bad Homburgerin. Zumal es ja auch eine kombinierte Jahreskarte gebe.

Außer der guten Erreichbarkeit eines neuen Zoos, der nach dem Vorschlag von Regionalverbandsdirektor Thomas Horn (CDU) zwischen der Autobahn 5 und Steinbach auf Frankfurter Gemarkung entstehen könnte, sehen die Besucher vor allem eine Chance für mehr Tierwohl. „Wenn die Tiere dann mehr Auslauf hätten, fände ich das gut“, sagt eine Mutter von zweijährigen Zwillingen, die sich mit ihrem Mann bei einer Portion Fritten auf der Terrasse des Gesellschaftshauses stärkt. „Wir waren gerade bei den Giraffen, das ist doch schrecklich, wie wenig Platz die haben.“ Wie ein Paar am Nachbartisch spricht sie sich dafür aus, in Frankfurt lieber auf ein paar Arten zu verzichten und den anderen dafür mehr Raum zu geben. „Es muss ja nicht jeder Zoo Giraffen und Elefanten haben.“

Das ältere Ehepaar, das gerade Kaffee aus der Thermoskanne ausschenkt und die Stullen auspackt, würde den Zoo an seinem Platz lassen. „Hier komme ich doch schon seit meiner Kindheit her“, sagt der Mann. Auf die Tradition des Standorts und der beliebten Tierhäuser verweisen viele und wünschen sich eine Sanierung „nach und nach“. Eine Frau, die mit ihrer Tochter im Grundschulalter gekommen ist, gibt zu bedenken, ein neuer Außenzoo könne zwar Vorteile haben, wäre dann aber nicht mehr der Frankfurter Zoo: „Das ist dann so etwas wie der Frankfurter Fernbahnhof am Flughafen.“

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Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Andreae, Patricia (cp.)
Patricia Andreae
Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.
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