FAZ plus ArtikelMichelsberger Kultur

Abruptes Ende vor 6000 Jahren

Von Heike Lattka
03.10.2021
, 15:57
Zeitzeugen: Ausgrabungsstätte mit Überresten einer ehemaligen Hütte aus der Zeit um 3700 vor Christus
Es gibt neue Erkenntnisse zur Michelsberger Kultur auf dem Kapellenberg in Hessen: Vermutlich stand ein Webstuhl im entdeckten Grubenhaus. Mit hoher Wahrscheinlichkeit haben interne Konflikte zum Ende der Siedlung geführt.
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Geschichte wiederholt sich. Schon vor 6000 Jahren gingen Menschen, die auf dem Kapellenberg lebten, nicht sorgsam mit ihrer Umwelt um. Doch die Michelsberger Kultur, die in der Nähe des Meisterturms in Hofheim beheimatet war, verschwand nicht, weil eine Umweltkatastrophe oder eine frühe Form der Pest die Bevölkerung ausgelöscht hätte. Es seien mit hoher Wahrscheinlichkeit interne Konflikte einer immer größer werdenden Population gewesen, die das Ende der Siedlung auf dem Kapellenberg markiert hätten, berichtete Detlef Gronenborn vom Römisch-Germanischen Zentralmuseum in Mainz nach Beendigung der diesjährigen Grabungs-Saison. Salopp ausgedrückt: Bevor die Umweltbedingungen zu unwirtlich auf dem Hofheimer Hausberg wurden, schlugen sich die Ur-Hofheimer gegenseitig die Köpfe ein. Dies sei um 3650 vor Christus geschehen.

Im Fokus der diesjährigen Grabungen, die von der Stadt Hofheim und der Hessen-Archäologie auf dem Gelände der etwa 45 Hektar großen Wallanlage finanziell unterstützt werden, stand ein Hausgrundriss, Grubenhaus genannt. Es gebe nur sehr wenige erhaltene Hausgrundrisse aus dieser Zeit, berichtete Gronenborn. Deutlich sichtbar sind nicht nur der Umriss, sondern sogar Hausschwelle und die Reste des früheren Steinbodens. Auch zwei nachträglich angebaute Gruben mit Holzkohleresten, die aus bisher ungeklärten Gründen später mit Steinen gefüllt wurden, förderte die Grabung zutage. Ob es sich um eine Kochstelle handelte, sollen nun Radiokohlenstoff-Untersuchungen erhellen.

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Quelle: F.A.Z.
Heike Lattka - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Heike Lattka
Korrespondentin der Rhein-Main-Zeitung für den Main-Taunus-Kreis.
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