<iframe src="https://www.googletagmanager.com/ns.html?id=GTM-WBPR4W&gtm_auth=3wMU78FaVR9TNKtaXLbV8Q&gtm_preview=env-23&gtm_cookies_win=x" height="0" width="0" style="display:none;visibility:hidden"></iframe>
Niedrige Arbeitslosigkeit

Die Gefahren des Dauertiefs

EIN KOMMENTAR Von Falk Heunemann
 - 15:53

Dauererfolge können langweilig werden. Das weiß man aus der Bundesliga. Wenn es also jeden Monat von neuem heißt, dass die Arbeitslosigkeit so niedrig sei wie seit Jahrzehnten nicht, kann der Bürger das schnell als selbstverständlich betrachten.

Dabei ist es nur 14 Jahre her, dass jeder zehnte Arbeitsfähige in Hessen einen Job suchte. Nun sind es weniger als die Hälfte, trotz Zuwanderung, Flüchtlingswelle und Strukturwandel in für die Region so wichtigen Branchen wie den Banken, der Chemie und auch im Einzelhandel. Selbst die Langzeitarbeitslosen, die lange nicht vom Dauerboom profitierten, finden jetzt leichter eine Stelle. Ihre Zahl sank nach Jahren der Stagnation im vergangenen Jahr immerhin um ein Zehntel.

Agenda gegen Selbstverständlichkeit

Etwas selbstverständlich zu nehmen birgt drei große Gefahren. Erstens, man nimmt einfach an, dass es immer so weitergeht, und ignoriert Warnzeichen des Gegenteils. Etwa wenn jüngst die wichtige Metall- und Elektroindustrie in Hessen eine Umfrage veröffentlichte, wonach jeder Siebte in der Branche mit schlechteren Geschäften rechnet. Oder wenn die Arbeitsagentur beobachtet, dass die Zahl der ihr gemeldeten offenen Stellen deutlich zurückgeht. Dies muss nicht heißen, dass eine Rezession kommt. Aber das Risiko wächst.

Zweitens besteht das Risiko, dass man vergisst, was den Daueraufschwung mit befördert hat: die Hartz-Reformen. Zweifellos nicht allein, aber sie haben ihren Teil dazu beigetragen, dass verkrustete Strukturen aufgebrochen wurden. So können sich Behörden seitdem um Langzeitarbeitslose kümmern, statt sie mit Sozialhilfe abzuspeisen. Sicher, man kann über Details diskutieren. Aber die Reformen komplett aufzugeben, nur weil Kritik an Hartz IV populär ist, wäre ein populistischer Fehler. Eine Alternative zum „Fördern und Fordern“-System hat nämlich kaum ein Agenda-2010-Stürmer anzubieten.

Drittens scheinen immer mehr Menschen zu meinen, dass man nicht für die Zukunft vorsorgen muss, wenn es in der Gegenwart gut läuft. Im Landtagswahlkampf spielten die Förderung des Arbeitsmarkts und die Reduzierung des Fachkräftemangels ebenso eine untergeordnete Rolle wie im neuen Koalitionsvertrag. Dass es trotz der Konjunktur aber noch immer fast 100.000 Langzeitarbeitslose in Hessen gibt und zugleich Zehntausende Stellen nicht besetzt werden können, darf keine Selbstverständlichkeit sein.

Quelle: F.A.Z.
Falk Heunemann
Wirtschaftsredakteur in der Rhein-Main-Zeitung und bei dem Wirtschaftsmagazin Metropol.
  Zur Startseite
Ähnliche ThemenHessenArbeitslosigkeit