Corona-Pandemie in Hessen

Nur ein Landkreis ohne Neuinfektion binnen Wochenfrist

Von Thorsten Winter
Aktualisiert am 10.08.2020
 - 14:45
Testfall: Ein Frankfurter Labormitarbeiter untersucht eine Probe auf Coronaviren
Nach jeweils dreistelligen Neuinfektionen am Wochenende melden die Gesundheitsämter in Hessen recht wenige weitere Covid-19-Fälle. Die Zahl der Genesenen stagniert derweil.

An diesem Montag ist es auch nicht anders als an vielen anderen Montagen zuvor seit Beginn der Coronavirus-Pandemie in Hessen im März: Die Gesundheitsämter haben dem Robert-Koch-Institut eine recht überschaubare Zahl an neuen bestätigten Covid-19-Fällen gemeldet. 34 sind es insgesamt, wie das in der Seuchenbekämpfung federführende Bundesinstitut auf seiner Internetseite meldet. Gemessen an der Erfahrung stellen sich aber Fragen: Was ist diese Zahl wert? Haben alle Ämter gemeldet? Liegt hier und dort vielleicht Meldeverzug vor?

Denn am Wochenende hatte das kurz RKI genannte Bundesinstitut jeweils dreistellige Neuinfektionen in Hessen verzeichnet. 134 zum Samstag und 101 zum Sonntag. Ähnlich viele neue Fälle hatte es zuletzt in der zweiten April-Hälfte gegeben, bevor das Infektionsgeschehen in der vergangenen Wochen erheblich an Fahrt gewann, mit am Freitag registrierten 158 neuen Fällen als traurigem Höhepunkt. Besonders die Stadt Offenbach und der Rheingau-Taunus-Kreis sind in den Blickpunkt geraten. Die erhebliche Zunahme der Neuinfektionen wird vor allem mit Reiserückkehrern in Zusammenhang gebracht. Deutlich gestiegen ist in den vergangenen Tagen auch die Zahl der nicht ausgestandenen Infektionen.

„Kontrollen massiv ausgeweitet“

„Als Reaktion darauf haben wir ein ganzes Paket an Maßnahmen beschlossen. Dazu gehörte eine sofortige umfassende Informationskampagne für Reisende und eine sofortige Testpflicht bei der Rückkehr aus Risikogebieten“, teilte Offenbachs Oberbürgermeister Felix Schwenke mit. Die Stadt habe etliche Vorschriften verschärft und „die wirtschaftlich unschädliche, aber für die Sicherheit wichtige Maskenpflicht in den geschlossenen Räumen der Gastronomie eingeführt“. Massiv ausgeweitet habe sie außerdem die Kontrollen auf Einhaltung der Maskenpflicht von Personal im Einzelhandel und in der Gastronomie sowie von den Fahrgästen im öffentlichen Nahverkehr.

Die Nachbarstadt von Frankfurt hatte in der vergangenen Woche bei der für Lockerungen wichtigen Sieben-Tage-Inzidenz den Wert 35 zeitweise überschritten und deshalb Vorgaben wie erwähnt verschärft. Zuletzt stand bei dieser Inzidenz, die sich auf die in den vergangenen sieben Tagen verzeichneten Neuinfektionen unter 100.000 Einwohnern bezieht, der Wert 21 zu Buche. Das Infektionsgeschehen scheint sich also entspannt zu haben. „Die Lage ist aber weiterhin deutlich angespannter als noch vor zwei Wochen“, mahnt Schwenke.

Nur Waldeck-Frankenberg mit weißer Weste

Außer Offenbach wiesen zuletzt auch Frankfurt, Kassel und Wiesbaden sowie sechs Landkreise eine zweistellige Sieben-Tage-Inzidenz aus. Nur Offenbach kommt aber auf einen Wert jenseits von 20. Dies folgt aus dem Corona-Bulletin des Sozialministeriums. Demnach ist nur der Kreis Waldeck-Frankenberg seit sieben Tagen ohne bestätigte Neuinfektion. Zum Vergleich: Mitte Juni galt dieser Befund schon einmal für die Stadt Darmstadt und elf Landkreise. Auch dies spricht für eine Verschärfung des Infektionsgeschehens in den vergangenen Wochen.

Seit März sind in ganz Hessen laut RKI 12.737 Infektionen bestätigt worden. 11.300 Infektionen gelten als ausgestanden und die Patienten als genesen; diese Zahl stagnierte zuletzt. 525 Todesopfer sind offiziell in Zusammenhang mit der Pandemie zu beklagen. Rund 900 Covid-19-Fälle gelten nach den Daten des Instituts noch als aktiv. Vor mehreren Wochen waren es zeitweise weniger als 500 gewesen.

Wie das RKI der F.A.Z. weiter mitteilte, erhebt es Daten zur Zahl der Genesenen nicht offiziell. Die Erhebung sei auch nicht gesetzlich vorgesehen. „Allerdings kann man zumindest bei den Fällen, bei denen die meisten Angaben ermittelt wurden, die keine schweren Symptome hatten und die nicht in ein Krankenhaus eingewiesen wurden, davon ausgehen, dass sie spätestens nach 14 Tagen wieder genesen sind“, heißt es in Berlin. Das RKI schätze die Zahl der Genesenen.

Das Sozialministerium veröffentlicht täglich eine Übersicht der Corona-Entwicklung, aufgeschlüsselt nach Kreisen und kreisfreien Städten. Es bezieht sich dabei auf Zahlen des RKI. Bis vor einigen Tagen berücksichtigte es auch Daten des Hessischen Landesprüfungs- und Untersuchungsamts im Gesundheitswesen beim Regierungspräsidium Gießen, dem die Gesundheitsämter die jeweils neuen Fälle melden müssen. Um Einheitlichkeit herzustellen, nimmt das Ministerium nun nur noch die RKI-Angaben.

Quelle: FAZ.NET
Autorenporträt / Winter, Thorsten (thwi)
Thorsten Winter
Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.
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