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Ökomode-Marktführer Hess Natur trotz Corona mit Umsatzrekord

Von Thorsten Winter
18.12.2020
, 07:40
Viele Textilhändler leiden unter der Corona-Krise, der deutsche Ökomode-Marktführer Hess Natur schreibt dagegen einen Rekordumsatz. Davon profitieren auch die Beschäftigten der E-Commerce-Firma.

Im Frühjahr hat auch Hess Natur seine Läden in Hamburg und München, Frankfurt und Düsseldorf wegen der Corona-Pandemie schließen müssen. Den schlicht „Laden“ genannten Flagship-Store am Firmensitz in Butzbach und das dortige Outlet nicht zu vergessen. Gleichwohl hat das abgelaufene Geschäftsjahr dem Ökomode-Marktführer des deutschsprachigen Raums einen dreifachen Rekord beschert: Umsatz und operatives Ergebnis sind nie höher gewesen, wie Geschäftsführerin Andrea Ebinger der F.A.Z. sagte. An dem wirtschaftlichen Erfolg beteiligt das Unternehmen auch seine gut 350 Beschäftigte zählende Belegschaft – mit einer „Rekordmitarbeiter-Beteiligung“.

Zudem blickt Ebinger zuversichtlich auf den weiteren Verlauf des aktuellen Geschäftsjahres. Sie erwartet einen weiteren Umsatzzuwachs. Die Erlöse sollen erstmals die Marke von 100 Millionen Euro übersteigen. Der vor knapp 45 Jahren von Heinz Hess gegründete Mittelständler profitiert nach ihren Worten vom stetigen Ausbau des Online-Geschäfts im Allgemeinen und zwei Trends auf dem Textilmarkt im Besonderen. Dessen ungeachtet zeigt Ebinger sich auch mit den Läden zufrieden. In Butzbach liege Hess Natur sogar über dem Vorjahresniveau.

„Jetzt ein richtiges E-Commerce-Unternehmen“

Wie Ebinger erläuterte, ist der Umsatz binnen Jahresfrist um ein Fünftel auf 87 Millionen Euro gestiegen. Der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen wuchs demnach von 7,5 Millionen Euro auf 10 Millionen Euro, also relativ stärker. Um 50 Prozent schossen die Zugriffe auf die Internetseite der Firma nach oben. Die Zahl der Kunden sei in gleichem Maße gestiegen, wobei Ebinger die genaue Zahl für sich behält.

70 Prozent des Umsatzes kommen nach ihren Worten mittlerweile über die Online-Kanäle herein: „Wir sind jetzt ein E-Commerce-Unternehmen“, sagte sie. Die Läden blieben allerdings wichtig. Denn ihre Firma haben im Vorjahr gezeigt: Auch im stationären Textilhandel sei Wachstum möglich. Seinerzeit ging es demnach um elf Prozent aufwärts mit den Erlösen in den Geschäften. Auch zuletzt sei die Rechnung je Kunde auch in den Läden höher ausgefallen als in früheren Jahren.

Umweltfreundliche Aufbereitungsmethoden

In diesen Wochen profitiert Hess Natur nach ihren Angaben von zwei Trends: Wegen der Pandemie machten es sich viele Kunden zu Hause gemütlich, weshalb die Verkäufe von Sachen für das traute Heim merklich angezogen hätten. Corona-Cocooning als Umsatztreiber. Gleiches gelte für Outdoor-Textilien, denn viele Menschen suchten Erholung in der Natur, etwa durch Wandern. In diesem Segment hat sich der Textilhändler mit Baumwoll-Bekleidung mit Öko-Beschichtung positioniert.

Für das 45. Geschäftsjahr kündigt Ebinger weitere Innovationen an, darunter auch Produkte unter dem Motto „Better Recycling“. Darunter versteht das Unternehmen nicht nur die Nutzung von Schnittresten und die Wiederverwertung von Naturstoffen, sondern auch umweltfreundliche Aufbereitungsmethoden.

Quelle: FAZ.NET
Autorenporträt / Winter, Thorsten (thwi)
Thorsten Winter
Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.
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