Opel-Zoo

Zebras und Elefanten vor Schneekulisse

Von Bernhard Biener
05.02.2019
, 14:52
Der Opel-Zoo verbucht das drittbeste Ergebnis seiner Geschichte. Auf eine indonesische Schweineart aus England muss man hingegen wegen des bevorstehenden Brexit warten.
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Der bevorstehende Brexit hat Auswirkungen auf den Opel-Zoo. Das Gehege für die Hirscheber, einer nur auf der indonesischen Insel Sulawesi heimischen Tierart, ist schon lange fertig. Aber die für Kronberg bestimmten Tiere kommen aus England. Und dort dauert die Bearbeitung der Ausfuhrgenehmigung derzeit etliche Monate statt der sonst üblichen wenigen Wochen. „Alle Zoos versuchen, ihre Tiere noch nach den Regeln innerhalb der Europäischen Union zu bekommen“, begründete Zoodirektor Thomas Kauffels gestern die Verzögerung.

Im Prinzip sei die Genehmigung wohl durch. Immerhin führt der Opel-Zoo seit 2002 das Zuchtbuch für diese Schweineart, bei der die oberen Eckzähne in einem Bogen nach oben durch den Nasenrücken wachsen und damit an ein Geweih erinnern. Auch ohne die neue Tierart erreichte das Freigehege für Tierforschung im vorigen Jahr die drittbeste Besucherzahl seines Bestehens. Gut 545.000 Menschen kamen 2018, um Tiere zu sehen. Das waren drei Prozent mehr als im Vorjahr. Nur 2007 und 2014 waren es mehr Besucher, weil zuvor die Afrika-Savanne und das Elefantenhaus eröffnet worden waren. Die Zoopädagogik hat im Vorjahr 20 000 Personen betreut. Für die Forschung im Untertitel des Zoos stehen die 18 Examensarbeiten, die nach Studien am Kronberger Hang abgeschlossen wurden. „Wir sind sehr zufrieden“, sagte Gregor von Opel. Vorstandsvorsitzender der von Opel Hessische Zoostiftung, angesichts dieser Zahlen.

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219 Tierarten

1500 Exemplare von 219 Tierarten lebten zum Stichtag der Inventur zwischen Kronberg und Königstein. Dahinter verbirgt sich ein Kommen und Gehen. In der Mitte 2016 eröffneten Pinguinanlage haben sich inzwischen drei bis vier Pärchen gefunden. „Derzeit gibt es drei Jungtiere“, sagte Zoodirektor. Erkennbar sind sie am eher grauen Gefieder, das noch nicht so kontrastreich schwarz und weiß gefärbt ist wie bei den erwachsenen Pinguinen. Das letzte Weibchen des Bergriedbocks hingegen, einer Antilopenart, wurde an einen anderen Zoo abgegeben. Das Männchen war gestorben. Habichtskäuze, Marmelenten, Wildkatzen, Nerze, Sumpfschildkröten oder Waldrappe aus Kronberg ergänzten auch 2018 Bestände der bedrohten Arten in freier Wildbahn.

Noch in diesem Jahr will der Zoo den Bauantrag für ein begehbares Gehege stellen, das gegenüber dem Gibbonweiher am Standort der früheren Flusspferdanlage entstehen soll. Dort sollen Varis und Kattas unterkommen, zwei Lemurenarten. Bezogen werden kann die Anlage voraussichtlich aber erst 2020. Bis wieder Flusspferde in den Opel-Zoo zurückkehren können, wird es noch deutlich länger dauern. „Wir sparen für neue Vorhaben und bilden Rücklagen“, sagte Stiftungsvorsitzender Opel. Nur mit Spendern, Sponsoren und Mäzenen ließen sich solche großen Investitionen beschleunigen. Eine Kostenschätzung für eine Flusspferdanlage nach den heute geltenden Vorschriften gibt es noch nicht. „Ich weiß nur, was die zuletzt eröffneten gekostet haben“, sagte Kauffels. „15 bis 25 Millionen Euro.“

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Umstrittene Schließung

Der Zoodirektor kann sich nicht allein mit Tieren beschäftigen. Er ist froh, dass die Stadt Kronberg im Dezember das Änderungsverfahren für den Bebauungsplan beschlossen hat. Der durch das Gelände führende Philosophenweg soll künftig nicht mehr öffentlich sein, wodurch der enge Durchgang mit der zweiten Kasse vor dem Elefantenhaus entfällt. „Wir können dann am alten Sambesi-Restaurant einen großzügigen Platz schaffen“, sagte Kauffels, der auf einen Baubeginn im nächsten Jahr hofft. Kronberger und Königsteiner sollen trotzdem innerhalb eines bestimmten Zeitfensters freien Durchgang auf dem Philosophenweg haben. Dazu ist ein neuer Eingang Richtung Kronberg geplant.

Die Schließung des Wegs ist ebenso umstritten wie die Nutzung der Behelfsparkplätze auf den Wiesen. Der Direktor weiß um die kritische Beobachtung und sagte: „Wir führen darüber seit Jahren Buch.“ An bis zu 20 Tagen dürfe auf den Wiesen geparkt werden. „Selbst im vergangenen, sehr guten Jahr haben wir den einen Behelfsparkplatz an zwölf und den anderen an 13 Tagen benötigt.“ Um volle Parkplätze müssten sich die Verantwortlichen womöglich keine Gedanken mehr machen, wenn der Frankfurter Zoo ganz in die Nähe an die Autobahn ausgelagert würde. Der Stiftungsvorsitzende Gregor von Opel gönnt den Frankfurtern jedenfalls ein Stück Grün im Osten der Stadt: „Ich fände es gut, wenn sich der Frankfurter Zoo an seinem jetzigen Standort als Stadtzoo neu aufstellt.“

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Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Biener, Bernhard
Bernhard Biener
Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung
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