FAZ plus ArtikelOper in Corona-Zeiten

Sie wollen spielen, sie müssen spielen

Von Anna-Sophia Lang
13.09.2021
, 18:09
Halb voll: Weil die Nachricht vom Gesundheitsamt so spät kam, wurden nicht mehr Karten verkauft.
Zum ersten Mal durfte die Oper Frankfurt den Saal am Sonntag wieder voll besetzen. Wie es den Zuschauern erging – und was der Intendant zum Thema Impfen sagte.

So richtig „normal“ ist das alles nicht. Es ist Sonntagnachmittag, 15.30 Uhr, in der Frankfurter Oper haben mittlerweile alle Zuschauer ihren Platz gefunden. Gleich geht es los. Bellinis „Norma“ steht auf dem Spielplan, die zweite Wiederaufnahme. Der Saal ist zur Hälfte gefüllt, etwa 650 Karten sind verkauft worden. Immerhin war es schon Donnerstagabend, als die Nachricht kam: Die Oper darf zum ersten Mal wieder alle Plätze im Saal besetzen. Natürlich nur mit 3-G, außerdem schreibt das Gesundheitsamt nun Masken für die gesamte Dauer vor, auch am Platz. Es wird also gewartet und gemurmelt hinter den Mund-Nase-Bedeckungen, die alle brav tragen, da betritt Intendant Bernd Loebe die Bühne. „Die erste ,normale‘ Vorstellung seit März 2020, das sollten wir beklatschen, oder?“

Auch Loebe weiß: In der Normalität der Prä-Corona-Zeit ist das Haus noch lange nicht angekommen. Aber endlich ist das Leben ein bisschen einfacher geworden. „Wir starten jetzt hoffentlich durch“, sagt der Intendant und erzählt, dass er vor drei Tagen in Kopenhagen war, wo die Impfquote von 80 Prozent „Volksfeststimmung“ in der Stadt und in der Oper ermöglichte. „Wir müssen dafür sorgen, dass wir die alten Freiheiten zurückbekommen, und dazu gehört auch die Oper.“ Er macht kein Hehl daraus, dass es auch in seinem Haus Menschen gibt, die sich nicht impfen lassen wollen. „Jeder von uns muss das persönliche Recht abwägen mit dem, was für alle auf dem Spiel steht. Wir wollen wieder spielen – wir müssen wieder spielen. Tun wir das nicht, dreht uns die Stadt irgendwann den Geldhahn zu. Kommen Sie, kommen Sie, kommen Sie zu uns!“

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Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Lang, Anna-Sophia
Anna-Sophia Lang
Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.
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