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Pandemie-Schutz in Frankfurt

Wie sich das Rhein-Main-Gebiet auf den Ausnahmezustand vorbereitet

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Soll vor Viren schützen: eine Maske der Sicherheitsklasse FFP 2

Im Rhein-Main-Gebiet wächst die Sorge vor einer Pandemie wegen des Coronavirus. Die Gesundheitsbehörden und die Wirtschaft bereiten sich auf eine mögliche Ausnahmesituation vor.

Die Unternehmen der Region haben die Folgen des Virus bereits zu spüren bekommen. Und das nicht nur aufgrund der Kurse der Aktien, die in den vergangenen Tagen im Schnitt sechs Prozent einbüßten. In einer Umfrage der Industrie- und Handelskammern Frankfurt und Darmstadt hat jedes zweite Unternehmen angegeben, mit Lieferengpässen und Umsatzeinbußen zu rechnen. Die Mehrheit hat Geschäftsreisen nach China ausgesetzt. Von der Commerzbank etwa hieß es am Dienstag, man beschränke Dienstreisen in die betroffenen Regionen „auf das absolut Notwendige“. Man ermutige die Mitarbeiter, verstärkt von zu Hause aus zu arbeiten. Eine ähnliche Anweisung hat der Darmstädter Pharma- und Chemiekonzern Merck seinen Beschäftigten in den betroffenen chinesischen Regionen erteilt. Von Dienstreisen von und nach China, Korea und Italien sollen alle Konzernmitarbeiter weltweit absehen.

Aus der Frankfurter Sparkasse hieß es, es würden Szenarien durchgespielt, wie das Unternehmen im Notfall verfahren werde. Zudem werde eine Dienstanweisung vorbereitet, wie Mitarbeiter vorgehen sollten, wenn sie Infizierte im Bekanntenkreis hätten. Ein Sprecher der Messe Frankfurt sagte, dass die Situation derart dynamisch sei, wie man es noch nicht erlebt habe. Die Gesellschaft hatte die Fachmesse Light and Building auf September verschoben. Sie sollte ursprünglich am 8. März beginnen. Nach derzeitigem Stand findet die Musikmesse im März statt, ebenso die Besuchermesse Land und Genuss im nächsten Monat. Auch das Lichtkunstfest Luminale soll trotz der Verschiebung der Light and Building im März ausgerichtet werden.

Fluggäste auch aus betroffenen Gebieten

Am Flughafen landen derweil weiterhin Maschinen aus Peking, Schanghai oder auch aus Norditalien. Flugpassagiere müssen jedoch vor der Landung eine „Aussteigerkarte“ ausfüllen und beantworten, ob sie Krankheitssymptome wahrnehmen oder Kontakt zu Menschen aus Risikogebieten hatten. Passagieren mit Flügen nach Turin, Mailand, Bologna, Venedig und Verona würden bis einschließlich 2. März kostenfreie Umbuchungen angeboten, heißt es seitens der Lufthansa. Ein Sprecher des Flughafenbetreibers Fraport teilte mit, Airportmitarbeiter seien zusätzlich geschult worden, etwa zum Thema Hygiene. An den Terminals gebe es Aufklärungskampagnen zu Verhaltensregeln. Ansonsten richte man sich nach den Vorgaben der Behörden.

Die Lage werde von Tag zu Tag neu bewertet, sagte René Gottschalk, Leiter des Gesundheitsamts Frankfurt. Jeden Morgen stehe er im Austausch mit den Behörden, darunter das Hessische Gesundheitsministerium. Eine Sprecherin des Ministeriums sagte: „Grundsätzlich ist das hessische Gesundheitssystem auf die gesundheitliche Versorgung der hessischen Bürger bestens vorbereitet.“ Das bestätigt Gottschalk. Seine Gelassenheit beruht auf einem einfachen Excel-Rechenprogramm, mit dem unterschiedlich schwere Pandemieverläufe simuliert werden können. Programmiert wurde es schon im Jahr 2007 von Hans-Georg Jung, der damals noch als Mitglied der Stabsstelle Medizinische Gefahrenabwehr im Gesundheitsamt arbeitete und an der Erstellung eines Pandemieplans beteiligt war. Sein Programm erlaube jeder hessischen Stadt, einen individuellen Krisenplan zu erstellen, sagte Jung. Er habe sich am „Meltzer-Modell“ orientiert, das davon ausgehe, dass bei einer Pandemie zwischen 15 und 50 Prozent der Bevölkerung erkrankten. Die Berechnungen, die durch die Einwohnerzahl der Stadt und der verfügbaren Krankenhausbetten präzisiert werden, sollen im Vorfeld helfen, „feste Planungsgrößen zu ermitteln“. Wie viel Personal braucht es, um die Versorgung der Patienten aufrechtzuerhalten? Welche medizinischen Einrichtungen können zusätzliche Patienten aufnehmen?

Gelassenheit bei den Krankenkassen

Auch im Krisenfall könne das Programm genutzt werden, um den weiteren Verlauf einer Pandemie durch das Einspeisen möglichst vieler Daten zu simulieren. „So bekommt man einen genauen Überblick über die Ressourcen und wann man sie benötigt“, sagte Jung. Auch der Leiter des Gesundheitsamtes hat viele mögliche Szenarien schon durchgerechnet – oftmals vom Schlimmsten ausgehend. „Die Betten reichen selbst bei einer großen Pandemie aus.“

In den Krankenkassen gibt man sich ebenfalls gelassen. „Bei uns läuft das ganz normale Tagesgeschäft“, und das sei bestimmt durch die üblichen winterlichen Infekte, sagte eine Sprecherin der Techniker Krankenkasse. Wie die übrigen Kassen verzeichnet die Techniker ein erhöhtes Informationsbedürfnis ihrer Mitglieder. Darum hat sie, ebenso wie die Barmer, auf ihrer Internetseite Informationen zum Coronavirus zusammengestellt und eine Telefonhotline eingerichtet.

Die Barmer Ersatzkasse will ihre Mitarbeiter mit einem Notfallplan gegen die mögliche Ausbreitung des Coronavirus schützen. „Im Notfall werden Betriebsmediziner, Vorstände und Personalrat die Risiken abwägen, den direkten Kundenkontakt einschränken und einer Ansteckung am Arbeitsplatz vorbeugen“, erklärt eine Sprecherin. So solle die Versorgung der Versicherten sichergestellt werden. Das Unternehmen setzt auf seine dezentralen Fachzentren. Wenn die Arbeit an einem Standort eingeschränkt werde, übernehme ein anderer.

Quelle: F.A.Z.
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