Trockenheit als Ursache

Nur wenige Pilze zu finden

Von Maximilian Birkel
26.09.2016
, 16:58
Die Trockenheit sorgt für schwierige Bedingungen für Pilzsammler. Bei Führungen und Wanderungen können Neulinge viel lernen, auch, dass nicht nur Giftpilze giftig sind.

Der äußerst trockene und warme Spätsommer hat zwar bei Schwimmbadbetreibern und in der Bevölkerung für Begeisterung gesorgt, Pilzliebhaber dagegen haben es zur Zeit schwer. Durch den fehlenden Niederschlag gibt es im Vergleich zu den Vorjahren deutlich weniger Pilze in hessischen Wäldern. Diese Entwicklung ist anlässlich des „Europäischen Pilztages“ am heutigen Samstag äußerst unglücklich. Dabei ist der Tag mit Exkursionen, Beratungen und Seminaren rund um das Thema Pilze eine Premiere.

„Der Tag ist eine gute Idee, um mehr Leute für die Pilze zu begeistern“, findet Dieter Gewalt. Seit 20 Jahren ist der Fachmann als Pilzberater für das Frankfurter Gesundheitsamt tätig. Das Sammeln sei für ihn ein „Rundumerlebnis“. Neben dem Schutz der Gesundheit von Hobbysammlern bereite ihm vor allem die Weitergabe von Wissen an die Neulinge besondere Freude.

Ausgebuchte Exkursion

Das Problem des geringen Pilzwachstums gibt es allerdings erst seit einigen Wochen. „Von Juni bis Juli hatten wir eine regelrechte Steinpilzschwemme“, berichtet Gewalt. Danach habe es jedoch zu wenig Regen gegeben, so dass aktuell fast ausschließlich Mykorrhizapilze zu finden seien. Diese besondere Gruppe der Pilze geht eine Symbiose mit einer Pflanze ein und wird durch die Verbindung mit dem Wurzelsystem mit Wasser versorgt, wenn die Pflanze im Herbst ihr Wachstum einstellt. In der regelmäßig im Herbst stattfindenden Pilzberatung hat der Fachmann aus Dietzenbach schon so manchen Ratsuchenden vor einer ungenießbaren Überraschung bewahrt. Vor allem den giftigen grünen Knollenblätterpilz verwechselten viele Pilzsucher mit bekömmlichen Speisepilzen.

Das könne in manchen Fällen ein tödlicher Fehler sein, da der Verzehr zu Leberversagen führen kann. Allerdings gebe es auch immer mal wieder allzu stolze Sammler, die sich trotz eindeutiger Aussage des Experten schwertäten, sich von ihren vermeintlichen Schätzen zu trennen. Oft sei auch die Lagerung des Sammelguts schuld daran, dass die Pilze ungenießbar würden. „Die Leute transportieren ihre Funde oft in Plastiktüten statt in Körben“, berichtet Gewalt. Dabei benötigten die Pilze luftdurchlässige Körbe, damit sie sich während des Transports nicht erhitzten und zersetzten. Denn auch das könne zu gefährlichen Lebensmittelvergiftungen führen, warnt der Fachmann.

Dieter Gewalts bereits ausgebuchte Pilzexkursion am Samstag in den Frankfurter Stadtwald war eine von mehr als 200 Veranstaltungen in neun europäischen Ländern. So wird unter anderem auch in Darmstadt eine Pilzwanderung stattfinden, und in Wiesbaden gibt es für Kinder die Möglichkeit, an einer Pilzführung teilzunehmen.

„Wir wollen etwas für die Pilze tun“, sagt Karin Montag. Die Herausgeberin der Fachzeitschrift „Der Tintling“ ist Initiatorin des „Pilztages“. Von Dänemark bis nach Südtirol können Teilnehmer in den diversen Veranstaltungen viel erfahren. Montag möchte mit der Aktion vor allem junge Menschen für Pilze begeistern: „Die Alten bröckeln uns weg, deswegen versuchen wir die Jugend an die Sache heranzuführen“, sagt sie.

Doch egal, ob jung oder alt, Pilzexperte Gewalt kann bisher enttäuschte Sammler beruhigen. „Das Pilzwachstum ist unberechenbar.“ Die Abkühlung des nahenden Herbstes bringe auch immer Feuchtigkeit mit sich. Und die sorge dann dafür, dass innerhalb kurzer Zeit neue Pilze aus dem Boden sprießen könnten.

Quelle: F.A.Z.
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