40 Demonstranten

Castor-Transport in Biblis nur kurz blockiert

Von Sonja Jordans, Biblis
04.11.2020
, 13:30
Der Zug mit Atommüll aus England ist am Zwischenlager des stillgelegten Kernkraftwerks Biblis angekommen. Etwa 40 Kernkraftgegner demonstrierten vor der Anlage gegen den Castor-Transport.
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Der Castor-Zug mit Atommüll aus der britischen Anlage Sellafield ist in Biblis in Südhessen angekommen. Punkt 8.04 Uhr traf er zunächst am Bahnhof ein, mit quietschenden Bremsen. Seit 10 Uhr befindet er sich am Zielort, dem Gelände des stillgelegten Kernkraftwerks. Am frühen Morgen stand der Zug mit sechs abgesicherten Atommüll-Behältern auf dem Bahnhof von Hünfeld. In Biblis sollen die Castoren auf dem Kraftwerkselände zwischengelagert werden (siehe Karte unten). Dort hatten sich etwa 40 Demonstranten versammelt, die gegen den Transport sind. Ein gutes halbes Dutzend erwartete auf einem Nebengleis den Zug, das dieser aber nicht benutzte.

Der Zug stand gegen 9 Uhr noch im Bahnhof. Fünf Demonstranten hatten sich ins Gleisbett gesetzt und hindern ihn an der Weiterfahrt. Polizisten versuchten sie zunächst zum Verlassen des Geländes zu bewegen. Seit etwa 9.10 ist die Blockade aber beendet. Der Zug setzte sich in Richtung Kraftwerksgelände in Bewegung. Die meisten Demonstranten sind augenscheinlich 50 Jahre oder älter gewesen. Beamte aus mehreren Bundesländern unterstützen die hessische Polizei. Reiterstaffeln am Ortseingang inklusive.

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Am Dienstagabend hatte der 600 Meter langen Zug mit sechs Castoren gegen 19.40 Uhr den niedersächsischen Hafen Nordenham verlassen. In der Nacht passierte er gegen 00.50 Uhr dann die Ländergrenze zu Hessen. Der Zug soll in ein Zwischenlager an dem stillgelegten Kernkraftwerk im hessischen Biblis rollen.

„Es gab keine Störungen“

Atomkraftgegner hatten Proteste entlang der möglichen Fahrtstrecken nach Süden angekündigt. Die Bundespolizei sicherte deshalb nach eigenen Angaben mehrere Bahnstrecken in Niedersachsen und Hessen, aber auch in Bremen und Nordrhein-Westfalen. Die Route führte dann aber doch ohne einen Umweg über Nordrhein-Westfalen in den Süden.

Die Protestaktionen verliefen laut Polizei friedlich. „Es gab keine Störungen während der Schiffsankunft, der Verladephase und während des Transportes“, teilte die Polizei in Oldenburg mit. Lediglich drei Verstöße gegen die Corona-Regeln wurden festgestellt, weil kein Mund-Nasen-Schutz getragen wurde. Außerdem hatten Unbekannte im Bereich Nordenham unerlaubt eine Drohne steigen lassen.

Die Castor-Transporte waren in Vergangenheit oft von großen Protesten mit Blockaden der Gleise begleitet gewesen. An dem Transport des gefährlichen Materials gibt es viel Kritik. Umweltschützer sehen Mängel am Zwischenlager Biblis und Sicherheitsdefizite bei den Castor-Behältern. Die für die Lagerung des hoch radioaktiven Atommülls zuständige Gesellschaft für Zwischenlagerung (BGZ) weist diese Bedenken zurück.

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Das Bündnis „Castor stoppen“ kündete Kundgebungen in Biblis unter Einhaltung der Corona-Regeln an. Unabhängig vom Fahrplan des Zuges sollte es am Nachmittag eine Demonstration geben.

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Für Deutschland ist es der erste große Rücktransport von Atommüll in Castoren seit neun Jahren. Nach Angaben der Bundesregierung muss Deutschland aufgrund internationaler Verpflichtungen seinen im Ausland aufbereiteten Atommüll zurücknehmen - aus Sellafield wie aus der französischen Anlage La Hague.

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Kritik an dem Transport hatte es auch angesichts der Corona-Epidemie und einer möglichen Gefährdung der eingesetzten Polizeibeamten gegeben. Die Polizei verwies auf ein umfassendes Hygienekonzept, die Gesundheit aller Beteiligten genieße höchste Priorität.

Quelle: FAZ.NET
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