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Unduldsamer Mäusebussard

Auf den Jogger mit Geschrei

Von Thorsten Winter
 - 20:47

Tapp, tapp, tapp: Während er einen Fuß vor den anderen setzt, hängt der Jogger seinen Gedanken nach. Doch urplötzlich läuft er unrund. Der Grund hat zwei stechende braune Augen, einen messerscharfen Schnabel und Flügel, die von links- nach rechtsaußen fast anderthalb Meter messen: Ein Mäusebussard hält auf den Läufer zu und stößt seinen typischen „Hiääh“-Ruf aus. In Augenhöhe nähert er sich auf wenige Meter, bevor er nach oben abdreht. Der Jogger stoppt abrupt und bildet sich ein, dabei den Lufthauch der Flügel zu spüren. Der Greifvogel setzt sich in eine Pappel und schaut aufmerksam auf den erschrockenen Jogger herab, der nicht so recht weiß, was er tun soll.

Der Mann geht ein paar Meter, immer den Bussard im Auge. Kaum läuft er wieder los, fliegt ihn der Vogel abermals an. Der Läufer schreit den Vogel in seiner Ratlosigkeit seinerseits an und sieht zu, dass er Land gewinnt. Nun ist er nicht zum ersten Mal auf diese Weise von einem Bussard attackiert worden. Zur Brutzeit im Frühjahr reagieren die Greifvögel ziemlich nervös auf Läufer in der Nähe ihres Horstes, wie er erfahren hat. Doch beginnen sie gemeinhin erst von Mitte März an mit der Eiablage und verteidigen entsprechend ihr Revier. Aber seit wann geschieht dergleichen im Februar?

„Das ist jedenfalls nicht normal“

Der Rat suchende Läufer wendet sich über Twitter an die Hessische Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz. Ein Vogelkundler zwitschert mit Blick auf das Verhalten des Bussards zurück: „Das ist jedenfalls nicht normal.“ Denkbar sei, dass der Vogel früher von Menschen gehalten oder gesund gepflegt worden sei und deshalb keine Scheu habe. „Oder er verteidigt schon sein Revier.“ Ein Grund könnte das ungewöhnlich milde Wetter im Januar gewesen sein, mutmaßt der Vogelkundler. In der Folge habe die Brutzeit womöglich schon in diesen Tagen begonnen.

Das bestätigt Martin Kraft. Bussarde, aber auch Milane suchten schon nach Partnern zur Fortpflanzung. „Das geht jetzt los“, sagt der Berufs-Ornithologe, Privatdozent an der Universität Marburg und Professor an einem Institut in Uruguay. Wie er erläutert, haben Vogelkundler lange gerätselt, weshalb Bussarde, aber auch Habichte sich so verhielten. So ganz klar sei das noch immer nicht. Kraft hat aber seine eigene Theorie: „Die Bewegungen der Arme eines Joggers erinnern einen Greifvogel wohl an den Flügelschlag.“ So erscheine es ihnen offenbar, als dringe ein sehr großer Vogel in ihr Revier ein. „Da fühlen sie sich bedroht“, mutmaßt der Vorsitzende des Marburger Instituts für Ornithologie.

Der vollgekotete Bussard

Was aber kann ein Jogger tun, um einer Attacke zu entgehen? Da ein Bussard grundsätzlich die höchste Stelle seines Ziels anpeile, besteht laut Kraft das Risiko, von dem Vogel einen Scheitel gezogen zu bekommen. „Helfen kann, einen Stock in die Hand zu nehmen und hochzuhalten.“ Sollte kein Stock zur Hand sein und kommt es zum Angriff: ruhig bleiben. Denn: „Bussarde sind nicht ohne.“ Am besten läuft der Jogger aber gar nicht erst durch das Revier des Greifvogels.

Doch hat Kraft noch nie gehört, dass ein Bussard einen Läufer am Kopf schwer verletzt habe. Dafür weiß er, wie es Greifvögeln ergeht, die brütenden Wacholderdrosseln zu nahe kommen: Die Singvögel schießen einen Kotstrahl ab. „Ich habe mal ein Bild von einem Bussard gesehen, der war so vollgekotet, dass er nicht mehr fliegen konnte.“ In solchen Fällen bleibt dem Herrscher der Lüfte nur eines: tapp, tapp, tapp.

Quelle: F.A.Z.
Thorsten Winter
Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.
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