Auf Sarotti-Areal

Museumseröffnung frühestens 2023

Von Heike Lattka
Aktualisiert am 27.11.2020
 - 14:14
Schleppend: Der Umbau des ehemaligen Sarotti-Werksgebäudes zum Stadtmuseum dauert deutlich länger, als ursprünglich vorgesehen war.
Seit zehn Jahren wartet der Geschichtsverein auf die Fertigstellung auf dem Sarotti-Areal in Hattersheim – doch die Bedingungen für den Betreiber haben sich deutlich verschlechtert.

Lange schon diskutieren die Hattersheimer über ein Museum in der Quartiersmitte des früheren Sarotti-Geländes. Für den Umbau des ehemaligen Werkstattgebäudes der Schokoladenfabrik zu diesem Zweck stellte die Nestlé AG schon seit 2013 eine Million Euro zur Verfügung – doch dauerte es noch drei Jahre, bis 2016 der spanische Investor NAI Apollo/Real Grundbau GmbH gefunden war, und noch weitere Jahre, bis sich auf dem Areal der erste Bauarbeiter bewegte. 2018 hat die Rio Nero 1 GmbH & Co. KG mit dem Hattersheimer SPD-Stadtverordneten und Geschäftsführer Selim Balcioglu das Projekt in die Hand genommen. Seitdem geht es voran, die Bodenplatten für den Anbau sind schon verlegt – doch eine schnelle Eröffnung ist noch nicht in Sicht. „Es wird 2023 werden“, befürchtet der Erste Stadtrat Karl Heinz Spengler von den Freien Wählern. Außerdem wird vieles anders, als es ursprünglich einmal geplant war.

Denn wegen rechtlicher Einwände der Anwohner wird es weder ein Restaurant noch einen großen gläsernen Anbau geben, der für Ausstellungen und Feierlichkeiten vermietet werden sollte. Lediglich ein kleines Museumscafé ist noch geplant. Diese eingeschränkten Aussichten verschlechterten die Einnahmemöglichkeiten für den Hattersheimer Geschichtsverein, der das Museum betreiben soll, enorm, berichtete Spengler.

Stadt steht bei Geschichtsverein „in der Pflicht“

In einem Schreiben des Vereins an die Stadt heißt es, der Finanzierungsplan und auch der Nutzungsüberlassungsvertrag könnten keinen Bestand mehr haben, weil sich der Grundriss und die Nutzung des Gebäudes entscheidend geändert hätten. So seien ursprünglich zugrundegelegte Einnahmen durch den Veranstaltungsraum und durch Synergieeffekte mit dem Gastronomiebetrieb nicht möglich. Der Geschichtsverein macht „die wiederholten Verzögerungen der Stadtverordnetenversammlung“ dafür verantwortlich, dass der geplante Eröffnungstermin von 2013 auf 2019 und nun auf 2022/23 verschoben worden sei.

Dies habe zur Folge, dass der Verein für die Museumsgründung rund 13. 000 Euro als Ausstattungsbeitrag zur Verfügung stellen könne – aber nicht mehr. Wie der Magistrat in einer Vorlage an die Stadtverordneten schreibt, haben die Inhalte der Nutzungsüberlassung in Teilen ihre Gültigkeit verloren, wie Spengler bestätigt. Die Verträge müssten entsprechend überarbeitet oder „Nachvertragsvereinbarungen“ abgeschlossen werden. Details will der Erste Stadtrat noch nicht nennen. Auf jeden Fall koste der Museumsbau den Investor mehr, als ursprünglich geplant gewesen sei. Die Stadt stehe beim Geschichtsverein „in der Pflicht“, gestand Spengler ein. Wie aber genau der Betriebskostenzuschuss künftig geregelt werde, wollte er nicht konkret sagen. Dies sei derzeit noch Gegenstand der Verhandlungen, denen er nicht vorgreifen wolle. Immerhin gebe es aber die Zusage eines Hattersheimers, dem Museum für die nächsten zehn Jahre insgesamt 10.000 Euro als Beitrag für die Betriebskosten zu spenden.

Schokoladengeschichte

Der jetzige Zeitplan sieht laut Spengler vor, das Museum bis Ende 2021 fertig zu renovieren und den Anbau in Holzkonstruktionsweise zu verwirklichen. Die Anträge beim Museumsverband und für Zuschüsse des Main-Taunus-Kreises für die Inneneinrichtung seien neu zu stellen, so dass im Jahr 2022 bis Mitte 2023 das Museum ausgestattet werden könne, berichtete Spengler.

Trotz der vielen Umplanungen und Zeitverzögerungen bleibt zumindest das ursprüngliche Museumskonzept unverändert: Es wird eine große Abteilung zur Schokoladengeschichte im Zeichen von Sarotti geben. Weitere Schwerpunkte sind der Rotoren-Erfinder Anton Flettner aus dem Stadtteil Eddersheim und die Keltenfunde. Auch der Schokoladenbrunnen, der eigentlich an prominenter Stelle für die Besucher sprudeln sollte, ist noch immer nicht gänzlich abgehakt.

Quelle: F.A.Z.
Heike Lattka - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Heike Lattka
Korrespondentin der Rhein-Main-Zeitung für den Main-Taunus-Kreis.
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