<iframe title="GTM" src="https://www.googletagmanager.com/ns.html?id=GTM-WBPR4W&gtm_auth=3wMU78FaVR9TNKtaXLbV8Q&gtm_preview=env-23&gtm_cookies_win=x" height="0" width="0" style="display:none;visibility:hidden"></iframe>
Wahl eines NPD-Ortsvorstehers

Ausfall in Altenstadt

EIN KOMMENTAR Von Manfred Köhler
 - 10:30
In Altenstadt wurde ein NPD-Politiker zum Orstvorsteher gewählt – mit Hilfe von SPD, CDU und FDP

Die unbedachte Wahl eines NPD-Funktionärs zum Ortsvorsteher eines Ortsteils in der Wetterau wird die demokratische Ordnung der Bundesrepublik nicht zum Scheitern bringen, und nach dem Sturm der Entrüstung, der am Wochenende über die Mitglieder des kleinen Gremiums hinwegfegte, ist auch kaum anzunehmen, dass der Rechtsextremist die Vorzüge dieses Amtes wird lange genießen können. So einzigartig dieser Vorgang glücklicherweise ist, so sehr verweist er jedoch auf grundlegendere Schwierigkeiten, vor allem darauf, was geschehen kann, wenn sich Bürger zwar mehr und mehr echauffieren, aber zugleich immer weniger engagieren.

Die Äußerungen vom Wochenende deuten darauf hin, dass es schon schwer genug gewesen war, genügend Kandidaten für die Arbeit in dem Stadtteilgremium zu finden. Zugleich zeigen sie auch, dass die sicherlich erfahreneren Politiker ein und zwei Ebenen höher, in Altenstadt und im Wetteraukreis, nicht übersahen, was sich in den feinen Verästelungen des ihnen anvertrauten politischen Betriebs abzeichnete. Man kann ihnen das vorwerfen, doch muss ihnen auch zugute gehalten werden, dass Kommunalpolitik durchweg im Ehrenamt bewältigt wird. Setzen sich immer weniger Bürger für das Gemeinwesen ein, so sinkt zwangsläufig die Professionalität. Nicht zwangsläufig des einzelnen Politikers, wohl aber die des gesamten Apparates.

Wer ein Amt übernommen hat, muss stets hellwach sein, er muss die Folgen seines Handelns bis zum Ende bedenken. Das erfordert einen lebendigen Politikbetrieb, der bürgernah bleibt, aber auch sicher sein kann, dass er von den Bürgern getragen wird. Wer den Kopf schüttelt über die Ortsbeiräte der Waldsiedlung von Altenstadt, über ihre hilflosen Begründungsversuche für die Wahl eines NPD-Mannes, der sollte sich bei Gelegenheit fragen, welchen Beitrag er denn zuletzt selbst dafür geleistet hat, dass die Demokratie in Deutschland lebendig bleibt.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Köhler, Manfred
Manfred Köhler
Stellvertretender Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und verantwortlicher Redakteur des Wirtschaftsmagazins Metropol.
  Zur Startseite
Ähnliche ThemenAltenstadtNPD