Bilanz der Freibäder

Nicht baden gegangen

EIN KOMMENTAR Von Daniel Meuren
Aktualisiert am 22.09.2020
 - 12:00
Abkühlung im Brentanobad in Frankfurt: Die Hygienekonzepte haben in den Schwimmbädern funktioniert.
Es war von vornherein klar, dass eine Badesaison unter Corona-Bedingungen weniger Einnahmen bescheren würde. Doch die Hygienekonzepte haben funktioniert – und auch die finanziellen Belastungen hielten sich fast überall in einem vertretbarem Rahmen.

Ein gewisser Wagemut gehörte dazu, als die meisten Freibäder im Rhein-Main-Gebiet im Juni wieder ihre Tore öffneten: Zum einen lastete die Ungewissheit auf den Verantwortlichen, ob der Badebetrieb, selbst bei reduzierter Besucherzahl, nicht ein unkalkulierbares Infektionsrisiko darstelle. Zum anderen mussten die Kommunen eine zusätzliche finanzielle Belastung in Kauf nehmen. Es war von vornherein klar, dass eine Badesaison unter Corona-Bedingungen weniger Einnahmen bescheren würde.

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Das Ende der Freibadsaison, das sich für Hartgesottene in manchen Bädern noch bis in den Oktober hineinzieht, bestätigt nun jene, die ihre Bäder öffneten: Corona-Ausbrüche in Schwimmbädern gab es offenbar nicht. In Frankfurt mussten beispielsweise bei mehr als 600.000 Besuchern in sechs Frei- und zwei Hallenbädern kein einziges Mal Kontaktdaten ans Gesundheitsamt gesandt werden. Deutschlandweit blieben vorübergehende Schwimmbadschließungen wegen der Infektionsgefahr eine absolute Ausnahme.

Die Hygienekonzepte, das kann man nun konstatieren, haben funktioniert, die Menschen waren achtsam und vernünftig. Auch die finanziellen Belastungen hielten sich offenbar fast überall in einem vertretbarem Rahmen. Es kamen mehr Badegäste, als im Frühsommer erwartet, auf der Kostenseite schlugen die verkürzte Saison und der geringere Personalaufwand positiv zu Buche.

Umstellung auf Online-Ticketing hat positive Folgeeffekte

Wenn nun die Stadt Hanau mit einem im Vergleich zu „normalen“ Jahren zusätzlichen Minus von 200.000 bis 300.000 Euro zum Ende des Sommers rechnet, so ist das eine Summe, die es der Kommune wert sein musste für die Gesundheit und den – eingeschränkten – Freizeitspaß ihrer Bürger. Außerdem dürfte sich der Mut der Kommunen und der anderen Träger von Freibädern künftig durch neue Erkenntnisse auszahlen.

Der Schichtbetrieb mit einer oder mehreren Pausen, die eine Grundreinigung und Desinfektion der Freibäder ermöglichten, sorgte für eine größere Zufriedenheit der Badegäste. Zudem hat die Umstellung auf Online-Ticketing, das für die Erfassung der Besucherdaten entsprechend dem Hygienekonzept notwendig war, viele positive Folgeeffekte: Der Digitalisierungsschub nutzt den Badeanstalten langfristig. Und die Gäste schätzen, nach anfänglichen Umstellungsschwierigkeiten, das Verfahren, weil der Schwimmbadbesuch planbarer ist.

Nicht nur in Frankfurt, wo die Bäderbetriebe gemeinsam mit dem Sportdezernat gewissermaßen vorangeschwommen waren, ist man nun auch sehr zuversichtlich, was den Betrieb der Hallenbäder angeht: Die Saison draußen habe viele Hinweise gegeben, worauf drinnen geachtet werden müsse. Dort ist die Ansteckungsgefahr erwiesenermaßen größer.

Quelle: F.A.Z.
Daniel  Meuren - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Daniel Meuren
Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.
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