FAZ plus ArtikelKritik an Bebauungsplänen

Biotech statt Frischluftschneisen

Von Markus Schug, Mainz
11.08.2022
, 07:35
Ackerland als Wachstumszone: Auf den Feldern bei Bretzenheim will die Stadt Mainz ihre Pläne für einen Biotech-Hub verwirklichen. Das gefällt nicht allen.
Nach dem durch Biontech ausgelösten Boom sucht Mainz nach Ausbauflächen für die Branche: Die ins Auge gefassten , 70 Hektar Ackerland sind freilich arg umstritten. Sie sorgen für Kaltluft in der Stadt.
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Die Flächen jenseits der Koblenzer Straße – dort wo längst schon das neue Fußballstadion, zwei Erweiterungsgebäude der Hochschule und etliche Aussiedlerhöfe stehen – werden frei gehalten und nicht bebaut! So jedenfalls lautete lange Zeit ein eherner Grundsatz, wenn es darum ging, das Konzept für eine behutsame Weiterentwicklung der Stadt Mainz zu beschreiben. Wie eine Hand mit gespreizten Fingern sollte sich die Bebauung auf fünf Korridore beschränken: auf die Achsen in Richtung Mombach, nach Finthen, hinauf zum Lerchenberg, nach Hechtsheim und Ebersheim sowie bis Laubenheim. Alles, was dazwischen lag, sollte als Ackerland respektive Erholungsareal unversiegelt bleiben. Von dieser Richtschnur hat die Stadt sich, weil die nur 100 Quadratkilometer große Kommune nicht mehr allzu viele Freiflächen besitzt, aber immer weiter entfernt.

Aktuell wird beabsichtigt, auf den Feldern zwischen Stadion und Europakreisel Platz für einen Biotech-Hub mit bis zu 5000 Arbeitsplätzen in unmittelbarer Nähe zur Universität zu schaffen. Wofür innerhalb von gut zehn Jahren wohl weitere 50 Hektar Ackerfläche in Bauland umgewandelt werden müssten. Denn das bis dato priorisierte Prinzip „Innen- vor Außenentwicklung“ dürfte nicht funktionieren, wenn es darum geht, in großer Zahl internationale Unternehmen aus der Gesundheitswirtschaft und renommierte Forschungsinstitute anzulocken. Mit deren Hilfe möchte die Landeshauptstadt, die 2020 und 2021 extrem vom Erfolg des Impfstoffherstellers Biontech SE profitierte, dauerhaft ihre Position als Biotechnologiestandort ausbauen.

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Markus Schug
Korrespondent Rhein-Main-Süd.
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