Gutenberg-Museumschefin geht

Ein Abschied, keine Flucht

EIN KOMMENTAR Von Markus Schug
28.10.2021
, 15:45
Mag Provinzstädte mit Weltruhm: Annette Ludwig, Direktorin des Gutenberg-Museums, zieht es zum Traumjob nach Weimar.
Annette Ludwig hat viel erreicht. Die bald nach Weimar wechselnde Chefin des Gutenberg-Museums hat sich die Anerkennung der Mainzer redlich verdient. Ihr Umzug ist eine großartige Chance für sie persönlich.
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Es ist schon eine Auszeichnung der besonderen Art, wenn die Bedienung in einem Mainzer Kaffeehaus jemandem für die geleistete Arbeit dankt und alles Gute für die Zukunft wünscht. Annette Ludwig, die bald nach Weimar wechselnde Chefin des Gutenberg-Museums, hat sich diese Anerkennung durch ihren nimmermüden Einsatz mehr als verdient. Ebenso wie jede Träne, die ihre Mitarbeiter angesichts der im Frühjahr bevorstehenden Trennung in den vergangenen Wochen vergossen haben. Ludwig, die dabei oft genug auch weinen musste, hat in Mainz innerhalb von zwölf Jahren vieles bewegt und aufgebaut, auch wenn das eigentliche Bauprojekt, die Erneuerung des Gutenberg-Museums, lange Zeit nicht richtig vorangekommen ist.

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Sie sei an jedem Tag gerne zur Arbeit gegangen, obwohl der Weg „oftmals total steinig gewesen ist“, lautet ihr Fazit. Und der Umzug nach Weimar sei auch keine Flucht, sondern für sie als Kunsthistorikerin mit einem Faible für Architektur eine großartige Chance. Ihr Mainzer „Baby“ werde sie auch weiterhin im Auge behalten und gerne helfen, wenn sie irgendwie helfen könne.

Führungswechsel: Im Frühjahr bekommt das Gutenberg-Museum einen neuen Chef.
Führungswechsel: Im Frühjahr bekommt das Gutenberg-Museum einen neuen Chef. Bild: dpa

Einen Ehrenplatz verdient

Für eine Zugezogene hat sich Ludwig unter den Rheinhessen, von denen viele das weinselige Marktfrühstück offenbar mehr als das Museum lieben, achtbar geschlagen. Und sie hat sich mit vielen außergewöhnlichen Ausstellungen, vor allem aber mit ihrem unermüdlichen Einsatz für das „Erbe Gutenbergs“ einen Ehrenplatz im schwierigen, weil finanziell meist klammen Kulturbetrieb der Stadt verdient.

Ob sich Ludwig bei der für sie enttäuschend verlaufenen Bibelturm-Abstimmung 2018 von der Politik alleingelassen gefühlt hat, mag und kann sie auch heute noch nicht beantworten. Sie hat sich jedenfalls von diesem Bürgervotum nicht aus der Bahn werfen lassen, sondern beharrlich weitergemacht: Ihr ist es zu verdanken, dass das Museum dank eines privaten Einzelspenders inzwischen erstmals über einen gar nicht mal so schlecht ausgestatteten Ankaufsetat verfügt. Kreativität, Durchhaltevermögen und gute Nerven sind denn auch ihrem Nachfolger oder ihrer Nachfolgerin zu wünschen.

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Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Schug, Markus
Markus Schug
Korrespondent Rhein-Main-Süd.
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