Offenbach

Hafen-Insulaner nervt Geräuschkulisse am Abend

Von Jochen Remmert, Offenbach
22.04.2018
, 13:40
Ruht nicht immer so still: Der Offenbacher Hafen ist so attraktiv, dass er gerade an lauen Abenden viele junge Leute anlockt. Und die mögen es lauter.
Den Offenbachern ist am Hafen ein Areal mit hoher Anziehungskraft geglückt. Das empfinden nicht nur die Bewohner so.
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Dass es sich nicht in Frieden leben lässt, wenn es dem bösen Nachbar missfällt, wusste schon Friedrich Schiller. Ein Präzedenzfall dieser Erkenntnis entwickelt sich gerade am Offenbacher Hafen, wie sich am Donnerstagabend bei einer Informationsveranstaltung der Projektentwicklungsgesellschaft OPG zeigte. Und wie immer in solchen Fällen, ist der böse Nachbar der andere – je nachdem, welche Seite gerade das Wort hat.

Eigentlich war OPG-Geschäftsführerin Daniela Matha gekommen, um über den Fortgang der beinahe wundersamen Wandlung von einer über Jahrzehnte durch Zäune den Blicken entzogene Industriebrache am Mainufer zu einem Stadtviertel zu berichten, das an Attraktivität kaum zu überbieten ist.

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Das tat Martha auch. In der Publikums-Runde zeigte sich aber sehr schnell, dass etliche Besucher der gutbesuchten Veranstaltung im Kulturzentrum Hafen 2 gar nicht wissen wollten, was noch so auf den wenigen verblieben freien Grundstücken gebaut wird. Die Anwohner wollten vielmehr ihrem Ärger Luft machen, weil sie sich von überwiegend jungen Leuten aus anderen Vierteln – wahrscheinlich vor allem aus dem benachbarten Nordend – gestört fühlen.

Diese Besucher haben die neue Schönheit des Hafen-Platzes, der Hafen-Treppe und der Boots-Promenade ebenso für sich entdeckt wie die neu Hinzugezogenen. Allerdings ist das bisweilen auch mit nicht eben geräuscharmen Lebensäußerungen inklusive lauter Musik und Handy-Telefonaten bis in den späten Abend hinein verbunden, die von Anwohnern als „zunehmend unerträgliche Belästigung“ beschrieben werden. Andere der neuen Hafen-Bewohner ärgern sich mehr über wildes Parken in zweiter Reihe, wieder andere über Sportwagenfahrer, die mit quietschenden Reifen und aufheulenden Motoren die Hafen-Insel als Rennstrecke nutzten. Und auch von einem „Drogenproblem“ ist schließlich die Rede. Dass sich der Hafen in dieser Hinsicht von anderen Stadtteilen Offenbachs unterscheidet, bestätigt die Polizei allerdings nicht. Sollten Bürger aber konkrete Vorgänge beobachten, könnten unter der Telefonnummer 110 rund um die Uhr Polizisten alarmiert werden, sagte eine Sprecherin auf Nachfrage.

Mancher Offenbacher Hafen-Insulaner hätte allerdings lieber gleich mehr Polizeistreifen – auch nachts und am Wochenende. Schließlich kamen am Donnerstagabend auch noch ein paar dann doch recht weitreichende Vorschläge aus dem Publikum, die bis zu einer Zugangbeschränkung und einem Handyverbot am Hafen reichten. Die Rügen und Beschwerden aus den Reihen der Neu-Offenbacher gipfelten schließlich in der Einlassung einer Frau, dass die Stadt einen Exodus aus dem gerade erst mit glücklicher Hand gestalteten Stadtteil riskiere, wenn die vorgetragene Probleme nicht abgestellt und die Forderungen nicht erfüllt würden. An dieser Stelle war dann aber die Geduld einer Anwohnerin am Ende, die schon seit Jahren in dem Viertel lebt. Sie forderte von den Neu-Offenbachern mehr Verständnis für die Bewohner der umliegenden Quartiere, die selbstverständlich ebenso die schönen Freiflächen nutzen wollten, weil es vergleichbare Areale in ihrer unmittelbaren Wohnumgebung nicht gebe. Das seien Menschen, von denen nicht wenige zu fünft oder sechst in einer Drei-Zimmer-Wohnung lebten, weil sie sich eine größere nicht leisten könnten. Da gebe es weder Balkone noch Terrassen mit Clubmöbeln, schimpfte sie. Die Rüge blieb ohne Erwiderung.

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Doch OPG-Geschäftsführerin Matha sagte zu, den Beschwerden nachzugehen. Allzu große Verwunderung dürfte die Kritik bei den Verantwortlichen der Stadt eigentlich nicht erzeugen. Eine Durchmischung auch der sozialen Schichten ist am Hafen von Beginn an beabsichtigt gewesen. Und das dies nicht ohne Reibungen vonstattengehen würde, dürfte allen Beteiligten klar gewesen sein.

Quelle: F.A.Z.
Jochen Remmert - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Jochen Remmert
Flughafenredakteur und Korrespondent Rhein-Main-Süd.
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