Star-Friseur Trentini

Der Barbier für Sevilla

Von Robert Maus
16.05.2022
, 21:33
Anspruch auf Eitelkeit: So lautet das Motto Alexander von Trentinis in seinem Friseursalon an der Bahnhofstraße in Wiesbaden.
Wegen Alexander von Trentini aus Wiesbaden sieht Eintracht-Torhüter Kevin Trapp im Finale gut aus. Sein Handwerk beherrscht der Star-Friseur perfekt. Das Spiel mit der öffentlichen Aufmerksamkeit aber auch.
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Alexander von Trentini ist selbstverständlich sehr gut frisiert. Sichtlich entspannt sitzt der sympathische 43 Jahre alte Friseurmeister in seinem Stuhl, schlägt die Beine übereinander und ein leichtes Lächeln liegt auf seinen Lippen, wenn er vom jüngsten Erfolg seines Unternehmens spricht. Bereits zum zweiten Mal wurde der Wiesbadener Salon „von Trentini“ vom Branchenmagazin Top Hair International als bester Salon Deutschlands in der Kategorie Marketing ausgezeichnet. Es geht also nicht nur um das oft künstlerische Handwerk Haareschneiden, sondern auch darum, wie sich ein Star-Friseur in der Öffentlichkeit präsentiert.

Von Trentini beherrscht das Spiel mit der öffentlichen Aufmerksamkeit perfekt. Der Haarstylist frisiert die Schönen, die Sportlichen und all die, die bereit sind, für ihren persönlichen Style etwas tiefer in die Tasche zu greifen. Das leicht provokante Firmenmotto „Anspruch auf Eitelkeit“ spiegelt ein Image, an dem der Haarexperte lange und gründlich gefeilt hat. 2009 gründete der in Mainz geborene von Trentini seinen Salon in der hessischen Landeshauptstadt. Heute gilt er als der Star-Friseur, dem viele Nationalspieler, Influencer, Models und Schauspieler vertrauen, weil er sie exklusiv berät und stylt.

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Professionelle Wärme

Viele Promis vertrauen ihm also ihr Aussehen an, da er sich erkennbar gut darum kümmert. Offenbar haben sich die von Trentinis jedoch schon früher erfolgreich um das Wohlbefinden ihrer Kunden gekümmert. „Der erste Trentini wurde geadelt, weil er über die Seidenstraße Seide in das Trentino importiert hat. Deswegen ist in unserem Familienwappen der Maulbeerbaum als Symbol für die Seidenraupe enthalten“, erklärt der Friseurmeister das Familienwappen. Wer den Salon in der Bahnhofstraße betritt, fühlt sich in der Tat an mondäne Zeiten erinnert: Die mit Stuck verzierten Decken und auch der verzierte Lampenschirm verbreiten exklusives Flair, ohne altbacken zu wirken.

Friseur der Fußballer: Trentini schneidet Sami Khedira die Haare.
Friseur der Fußballer: Trentini schneidet Sami Khedira die Haare. Bild: Privat

Im Eingangsbereich liegt ein Teppich, auf dem das Familienwappen der von Trentinis eingewebt ist. Das ausgeklügelte Lichtkonzept erzeugt eine professionelle Wärme. Kurzum: Man fühlt sich inmitten der Geschäftigkeit angenehm wohl und gut aufgehoben. So ergeht es auch zahlreichen Promis, die immer wieder nach Wiesbaden kommen, um sich von Alexander von Trentini die Haare schneiden zu lassen. Sami Khedira, Loris Karius und viele andere Fußballer schätzen die Schere des Meisters. „Kevin Trapp war gerade gestern da“, sagt von Trentini und ergänzt lachend: „Der muss fürs Finale ja gut aussehen.“ Mit dem früheren Torhüter René Adler verbindet ihn mittlerweile eine lange Freundschaft, aber Fußballer sind nicht die einzigen prominenten Kunden, die sich an der Bahnhofstraße frisieren lassen.

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Auch viele andere Prominente kommen nach Wiesbaden – und falls nicht, reist von Trentini zu ihnen, wie etwa zu dem kanadischen Supermodel Coco Rocha oder der niederländischen Modedesignerin Iris van Herpen. „Am Sonntag bin ich nach Cannes geflogen und habe Emilia Schüle gestylt, die dort ein Shooting gemacht hat“, sagt er ganz nebenbei, und man merkt ihm an, dass Stars ihn nicht mehr aus der Ruhe bringen. „Es bleibt spannend, aber trotzdem gewöhnt man sich daran“, schildert er seine Eindrücke mit den VIPs. „Ich genieße das und freue mich. Ich lebe meinen beruflichen Traum in vollen Zügen.“

Von Trentini und sein Team sind in ganz Europa unterwegs. Auf den Fashion Weeks in Paris und Berlin, am Fahrbahnrand des Formel-1-Parcours in Monaco und auf der Vogue-Fashion-Party stylt er mitten im Getümmel und sorgt dafür, dass seine Stars gut aussehen. Diese Einsätze muss der verheiratete Familienvater aber auch mit anderen Anforderungen unter einen Hut bringen, denn vor zwei Wochen ist er abermals Vater geworden. „Bei uns zu Hause ist jetzt richtig was los. Ich bin ein sehr glücklicher Papa“, sagt er und wirkt so gar nicht übernächtigt. Wie macht er das?

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Von Trentini verspricht Diskretion. Das muss er auch, denn die ein oder andere pikante Geschichte, die ihm während eines Haarschnitts vertraulich erzählt wird, darf den Salon nicht verlassen. „Ich bin absoluter Geheimnisträger“, sagt er lachend und stellt klar, dass das natürlich auch für seine nichtprominenten Kunden gilt. Die kommen aus dem gesamten Rhein-Main-Gebiet, die Mehrzahl jedoch aus der Landeshauptstadt.

„Ich bin nicht abgehoben“

14 Mitarbeiter kümmern sich nicht nur um die Haare. Wellnessanwendungen, Handpeeling und exklusive Massagen runden das Portfolio neben der individuellen Style-Beratung ab. „Wir haben ein cooles Publikum. Es reicht von dem Kunden, der sich einen Besuch bei uns erspart und gönnt, bis zu denen, für die es nichts Besonderes ist, zu einem hochpreisigen Friseur zu gehen“, sagt von Trentini. In der Tat kostet ein Haarschnitt bei ihm etwas mehr als in den meisten anderen Friseursalons. Trotzdem soll ein Besuch erschwinglich bleiben. „Man kann gut davon leben, man muss die Preise nicht überziehen“, sagt er und stellt klar: „Ich bin nicht abgehoben.“

Wer bereit ist, tiefer in die Tasche zu greifen, kann sich privat und verschwiegen in einem Nebenraum die Haare machen lassen. „Das nutzen oft Unternehmer oder Anwälte, die weiter am Laptop arbeiten wollen oder ein Telefonmeeting haben. Manche wollen auch einfach nicht gesehen werden“, erläutert der Friseurmeister. Er sagt aber nicht, wer gerne unerkannt auf dem Stuhl Platz nimmt. Auch wenn es für ihn derzeit super läuft, hat von Trentini noch einige Ziele auf seiner persönlichen Wunschliste.

So möchte er sich beruflich vergrößern, verspricht aber, in Wiesbaden zu bleiben: „Mir ist auch wichtig, dass ich jedem Mitarbeiter einen guten Arbeitsplatz biete“, sagt er. Das Image des Friseurberufs könnte sich seiner Ansicht nach ändern, und daran würde er gerne aktiv mitarbeiten. Auch die Strahlkraft seines Promi-Salons gelangt an ihre Grenzen, wenn es darum geht, neue Auszubildende zu gewinnen. Vielleicht braucht es dazu mehr lokale Promis, die kommen. Wiesbadens früherer Oberbürgermeister Sven Gerich kam regelmäßig. Den aktuellen Stadtchef Gert-Uwe Mende hat Alexander von Trentini aber noch nicht frisiert.

Quelle: F.A.Z.
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