Der Weg in die Politik

Lieber Jusos als Fridays for Future

EIN KOMMENTAR Von Florentine Fritzen
Aktualisiert am 10.09.2020
 - 07:30
Gesetze werden im Parlament gemacht: Juso-Vorsitzende Sophie Frühwald findet, es lohnt sich für junge Menschen, sich in einer Partei zu engagieren.
Wer als junger Mensch etwas bewegen will, kann das versuchen, indem er den klassischen Weg in die Politik einschlägt. Aber die Konkurrenz für die Jugendorganisationen der Parteien ist groß.

Für die hessische Juso-Vorsitzende passt das christliche Menschenbild gut mit sozialdemokratischer Politik zusammen. Denn ist es nicht eine Frage der Gerechtigkeit, wie mit den Schwächsten in der Gesellschaft umgegangen wird? Die 24 Jahre alte Sophie Frühwald kann auch begründen, warum es sich für junge Menschen lohnt, sich in der Jugendorganisation einer Partei zu engagieren: Gesetze werden im Parlament gemacht, übrigens nicht zuletzt in den Bundesländern.

Wer etwas bewegen will, kann das also versuchen, indem er diesen klassischen Weg in die Politik einschlägt. Die Juso-Vorsitzende schreibt es der Beharrlichkeit ihrer Organisation in mehreren Bundesländern zu, dass die „Pille danach“ seit einiger Zeit rezeptfrei erhältlich ist. Mitglieder der Jungen Union, der Jungen Grünen oder der Julis können von ähnlichen, wenn auch inhaltlich anderen Erfolgserlebnissen berichten.

Aber die Konkurrenz für die Jugendorganisationen der Parteien ist groß. Zwar ist die Jugend in Zeiten von Klimawandel, Corona-Krise und Black-Lives-Matter-Bewegung politisiert wie selten. Aber das nutzt nicht unbedingt den Jugendorganisationen der Parteien. Vor allem „Fridays for Future“, aber auch andere Vereinigungen mit loseren Strukturen und modernerer Kommunikation haben viele Engagierfreudige angezogen.

Die Jugendorganisationen lernen daraus. Wichtiger als das Umsatteln von der guten alten Pressemitteilung auf soziale Netzwerke ist aber für ihre Zukunftsfähigkeit, dass sie die eigene Kontur als am Parteiensystem orientierte politische Organisationen wahren und schärfen – natürlich auch in der Auseinandersetzung mit der jeweiligen „Mutter“. Denn nur wer Politik als parlamentarisch verankertes System, im besten Sinne dieses Wortes, begreift, festigt die Parlamente als Dreh- und Ankerpunkte der Demokratie.

Es ist gut, wenn Junge nicht nur demonstrieren und mit mehr oder weniger spritzigen Aktionen „die Politiker“ vor sich hertreiben. Sondern wenn sie auch selbst in Parteien und deren Jugendorganisationen mitwirken. Dafür müssen die Parteien ebenfalls etwas tun. Vor allem, wenn sie diejenigen anziehen wollen, die mehr mitbringen als bloß Engagement. Nämlich zwei in der Parteipolitik kaum zu unterschätzende Eigenschaften: Esprit und langen Atem.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Fritzen, Florentine
Florentine Fritzen
Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.
  Zur Startseite
Verlagsangebot
Verlagsangebot