Dozent an der HfG Offenbach

Die Kreativität leidet

Von Anna Vollmer
02.06.2020
, 20:01
Mag keine Online-Kurse: Gunter Reski, Professor für Malerei an der HfG Offenbach
Kunstproduktion und -lehre kann sich in der Corona-Krise als schwierig erweisen. Das weiß auch Gunter Reski. Er unterrichtet Malerei an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach.

Sie unterrichten Malerei, ein sehr praktisches Fach. Wie funktioniert das, wenn man sich nicht begegnet?

Es ist natürlich eine starke Einschränkung. Ich gebe jetzt alle Veranstaltungen, die ich sonst gegeben hätte, online. Das funktioniert leidlich. Wenn die Übertragungsqualität immer gut wäre, wäre es vielleicht nicht so schlimm. Bei der Beurteilung von analogen Bildern fehlen einem immer 20 bis 30 Prozent. Inzwischen ist es aber Routine, dass die Studierenden aus ihren neusten Werken PDFs machen. Dann haben wir eine Art Telefonkonferenz, bei der man diese gemeinsam anschaut und bespricht. Das funktioniert besser, als ich gedacht hätte. Es bleibt aber ein Notprogramm. Es ist leichter mit Studierenden, die man schon kennt, bei denen kann man sich denken, wie das Bild wahrscheinlich in echt aussieht. Bei den Zweitsemestern ist das schwieriger.

Gibt es auch Dinge, die besser laufen?

In der Lehre ist es ein wichtiger Bestandteil, seine Arbeiten vor einer Gruppe von Leuten zu präsentieren, denn das muss man sich trauen. Online funktioniert das ganz gut. Es gibt in der Software eine Chat-Leiste, in der man parallel Fragen eintippen kann. Das machen die Studierenden oft. Manche äußern sich da mehr als im leibhaftigen Lehrbetrieb.

Haben Sie ihr Programm geändert, oder konnten Sie das eins zu eins online weiterführen?

Zum Teil. Ich gebe einmal im Semester einen Workshop, da wäre jetzt Ölmalerei mit Aktmodell geplant gewesen. Das geht natürlich nicht. Wahrscheinlich auch im nächsten Semester nicht. Außer, man stellt auf Kleingruppen um und macht denselben Kurs zweimal am Tag. Bei einer normalen Veranstaltung würden 15 bis 20 Leute in einem Raum sitzen.

Welche Rückmeldungen bekommen Sie von den Studierenden?

Die sind relativ geduldig. Am Anfang waren viele dankbar, dass etwas passiert und sie aus dieser komischen Corona-Lethargie rauskommen. Die Besucherzahlen der Kurse sind deutlich höher als sonst, da hören manchmal fünfzig Leute zu. Aber ich glaube, generell hören sich gerade viele diese Online-Vorträge an, vielleicht ist das ein bisschen wie Radiohören oder Fernsehgucken. Ich gebe immer eine halbe Stunde bis Stunde Input, Texte und Bilder zur zeitgenössischen Malerei. Da bin ich ein bisschen besser vorbereitet als sonst, vielleicht schlägt sich das ja auch nieder.

Wie lange wird das noch so weitergehen?

Ich weiß es nicht. Ich denke, es wird auch nächstes Semester noch weitergehen mit bestimmten Kontakteinschränkungen, was größere Gruppen in einem Raum betrifft. Im Moment ist die HfG noch sehr vorsichtig, was ja richtig ist.

Es wird manchmal gesagt, Krisenzeiten seien gute Zeiten für die Kunst. Können Sie das bestätigen?

Halb, halb. Ich höre von vielen Leuten, sie könnten gerade nichts machen. Obwohl ich die ganze Zeit dachte, das wären jetzt die idealen Arbeitsbedingungen. Aber bei mir war es leider auch nicht so produktiv. Es gibt auch Stimmen, die sagen, sie konnten nie so gut arbeiten. „Je größer das Leid, desto größer die Kunst“ ist aber ein recht dämliches Klischee.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Vollmer, Anna
Anna Vollmer
Redakteurin im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.
  Zur Startseite
Verlagsangebot
Verlagsangebot