Für 9 Euro um die Welt

Ein Tag in Deidesheim

Von Manfred Köhler und Florian Balke
22.06.2022
, 10:12
So billig war Reisen noch nie. Das 9-Euro-Ticket bietet die Gelegenheit für einen Tagesausflug mit der Bahn. Also auf in die Pfalz nach Deidesheim.
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Deidesheim ist jede Reise wert, ein schönes kleines Städtchen vor den Weinbergen des Pfälzerwaldes, der hinter dem Ort steil ansteigt, manchmal etwas überlaufen. Natürlich will man einmal nach dem Deidesheimer Hof schauen, in den Helmut Kohl seinerzeit als Kanzler Staatsgäste zum Saumagen-Essen geschleppt hat, natürlich sollte man einmal die Hauptstraße entlanggehen, die offiziell Weinstraße heißt und auch am historischen Rathaus vorbeiführt, aber die Zeit sollte auf jeden Fall für eine Wanderung durch die Weinberge reichen, vielleicht bis zum Nachbarort Forst oder gar noch ein Stück weiter bis zur Wachtenburg.

Wer sich anschließend in Deidesheim stärken will, wird nach einem guten Lokal nicht lange suchen müssen. Immer wieder für gut befunden: das Restaurant Turmstüb’l an der Turmstraße. Vor der Planung eines Ausflugs nach Deidesheim auch einmal im Internet schauen, ob dort gerade ein Wein- oder ähnliches Fest stattfindet – in der Pfalz findet man eigentlich durchweg einen Anlass für eine Feier. Die traditionelle Kerwe im August, vor Corona ein hinreißendes Fest mit Musik und Weinschorle satt in den Höfen der Weingüter, scheint für dieses Jahr allerdings mit Blick auf Corona noch nicht gesichert.

Die Reiselektüre

Als Deidesheimer Turmschreiber hat sich Andreas Maier am Ziel der Zugfahrt schon gründlicher umgeschaut als Besucher, die ihm jetzt für neun Euro hinterherzockeln. Zur Pfalz als Buch veröffentlicht hat der 1967 zur Welt gekommene Schriftsteller bislang noch nichts. Die örtliche Mischung aus lieblicher Kulturlandschaft und städtischer Verdichtung kennt er allerdings nicht nur aus der Rhein-Neckar-Region, wo die Schornsteine von Ludwigshafen am Horizont nie weit weg sind, sondern auch aus der heimischen Wetterau. Vorzüglich passt zur Zugfahrt von der einen Gegend zur anderen daher sein aktuelles Buch „Die Städte“, vor einem Jahr als achter Band des Zyklus „Ortsumgehung“ erschienen (Suhrkamp, 22 Euro, Reisende mit Lesegerät zahlen für das E-Book 11,99 Euro). Es erzählt von lauter Reisen, die gelingen, anders ausgehen als erwartet, schiefgehen. In Deidesheim geht sicher alles gut. Zur Not hilft ein Schluck Wein.

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Das Mitbringsel

Wein natürlich und Saumagen. Den Letzteren gibt es in der Dose zum Mitnehmen, den Ersteren in der Flasche, in den Weingütern kann man sich durchprobieren – welch ein Vorteil, dass man mit der Eisenbahn angereist ist! Zu den bekanntesten Adressen zählen Bassermann-Jordan, von Winning und Reichsrat von Buhl, aber sie sind bei Weitem nicht die einzigen. Am südlichen Ende der Hauptstraße findet sich die Winzergenossenschaft mit einem schönen Laden. Angebaut wird vor allem Riesling, Deidesheim zählt in der Pfalz zu den Orten mit den größten Anbauflächen.

Die Hin- und Rückfahrt

Die Reise nach Deidesheim ist ungewöhnlich kompliziert, man muss mindestens einmal umsteigen, im Regelfall öfter, und es gibt verschiedene Routen. Die hier abgedruckte Verbindung für einen Samstag ist nur eine von vielen. Sie bietet zehn Stunden Aufenthalt. Unbedingt unter www.bahn.de nachprüfen, ob die Züge auch fahren. Und damit rechnen, dass sie überfüllt sein könnten.

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Quelle: F.A.S.
Autorenporträt / Köhler, Manfred
Manfred Köhler
Ressortleiter der Rhein-Main-Redaktion der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.
Florian Balke - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Florian Balke
Kulturredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.
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