„Gärten des Grauens“

Viele Steine sind der Biene Tod

Von Oliver Bock
21.05.2022
, 13:06
Steinzeit: Solche Gärten bieten Insekten keinen Lebensraum.
Versiegelung und Spritzmittel sind Feinde der Insekten, deren Zahl immer weiter zurückgeht. Im Kurpark Bad Schwalbach verdeutlicht eine Gartenschau den großen Verlust und zeigt aber auch, wie es besser geht.
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Grün, aber pflanzenfrei und damit pflegeleicht. So stellt sich mancher Eigenheimbesitzer seinen Vorgarten vor, weiß Michael Theune aus seiner Erfahrung als Garten- und Landschaftsbauer. Die grün angemalte Betonfläche wirkt mindestens so trist wie die Steinwüste gleich am Anfang des ersten Gartenfestivals. Es wird vom Förderverein Gartenschau Bad Schwalbach 2022 ausgerichtet, der aus dem Förderverein zur Landesgartenschau 2018 hervorgegangen ist und sich schon bald wieder umbenennen will: Förderverein Gartenstadt Bad Schwalbach will er absehbar heißen, und der Name ist Programm und Auftrag zugleich: die Kurstadt in eine grüne Gartenstadt mit Flair zu verwandeln.

Der rund 250 Mitglieder zählende Verein, dem Theune seit einigen Jahren vorsteht, ist Veranstalter des ersten „Gartenfestivals“ im Kurpark. Gegenüber dem Moorbadehaus führt der Eingang zu einem Dutzend Themengärten, die ein Motto eint: ein Zeichen gegen den Insektenschwund zu setzen. Theune und seinen Mitstreitern geht es um mehr Grün und mehr Ordnung, um weniger Müll und weniger „Dreckecken“ in der Stadt.

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Stattdessen will sich der Verein für mehr Beete und für mehr Kunst im öffentlichen Raum starkmachen. „Viele Steine sind der Bienen Tod“, sagt Theune in einem der „Gärten des Grauens“, die abschreckend wirken sollen.

Insektenschwund nicht mehr umkehrbar

Ein positives Beispiel gibt es gleich nebenan: einen Garten mit vielen Pflanzen, die unter dem Leitmotiv der Insekten- und Tiernahrung zusammengestellt wurden, ergänzt um ein Wasserbecken und eine Ansammlung von Totholz. Gezeigt wird auch ein „Tiny Forest“, der als Beispiel dafür steht, wie mit kleinen Gärten von 25 Quadratmetern das Klima in der Stadt positiv beeinflusst werden könnte. Für die vielen Schulklassen und Kita-Gruppen, die für Führungen angemeldet sind, gibt es einen „Insekten-Streichelzoo“ und ein Natur-Klassenzimmer unter freiem Himmel. Wenn sich die Raupen des Distelfalters erst einmal in Schmetterlinge verwandelt haben, wird auch das kleine Schmetterlingshaus eine Attraktion sein. Und nach dem Ende der Schau am 26. Juni dürfen die Schmetterlinge mit dem Segen der Behörden in die Freiheit entlassen werden.

Theune hofft, dass die Gartenschau verdeutlicht, welch großen Verlust die tägliche Versiegelung von mehr als 100 Fußballfeldern in Deutschland bedeutet. Einen düsteren Ausblick gibt der „Insektenfriedhof“, auf dem für zwei Dutzend bedrohter Insektenarten Grabkreuze unter einem Baum voller Spritzmittelkanister aufgestellt wurden. Allein in Schrebergärten würden jährlich 5400 Tonnen Spritzmittel ausgebracht, sagt Theune.

Für die Insektenwelt gebe es keinen Grund zum Optimismus: Der Insektenschwund sei „nicht mehr umkehrbar“. Es wäre schon ein Glücksfall, wenn der Status quo gehalten werden könnte. Doch die Bestrebungen, in der Folge des Ukrainekrieges viel Ackerfläche für den Nahrungsmittelanbau einzusetzen, seien für die Insekten bedrohlich.

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Das Gartenfestival „Insektenschwund“ im Kurpark Bad Schwalbach ist bis 26. Juni täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt für Besucher von 17 Jahren an kostet acht Euro.

Quelle: F.A.Z.
Oliver Bock - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Oliver Bock
Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Rheingau-Taunus-Kreis und für Wiesbaden.
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