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Gewalttat in Hanau

Mehr Polizei vor Moscheen

Von Katharina Iskandar und Hanns Mattes
 - 10:26
Das Unfassbare begreifen: Auch gestern suchten Menschen in Hanau wieder Trost miteinander.

Nach der rechtsextremistisch motivierten Gewalttat in Hanau hat die Polizei in hessischen Städten die Präsenz vor Moscheen und auch vor ausländischen Einrichtungen verstärkt. Wie am Freitag aus Sicherheitskreisen zu hören war, gelten die Sicherheitsvorkehrungen für alle größeren Objekte, in denen sich vorrangig Migranten aufhalten. Allein in Frankfurt liegt der Fokus dem Vernehmen nach auf mehreren Dutzend Einrichtungen.

Sollte es Hinweise auf Bedrohungen einzelner Personen oder weiterer Treffpunkte geben, die noch nicht unter besonderer Aufsicht stehen, werde unmittelbar reagiert. Weiter hieß es, diese Gefährdungsanalyse sei ein „ständiger Prozess“, es finde eine permanente Bewertung statt. Auch nach dem Attentat auf eine Synagoge und einen türkischen Imbiss in Halle hatte es eine solche Gefährdungsanalyse gegeben. Schon damals wurde der Schutz der Synagogen im Rhein-Main-Gebiet massiv verstärkt.

Risiko von Nachahmungstätern

Die erweiterte Präsenz vor ausländischen Einrichtungen dient laut Sicherheitskreisen zum einen dazu, erst gar nicht die Sorge aufkommen zu lassen, man ignoriere die Ängste ausländischer Mitbürger. Zum anderen besteht immer auch das Risiko von Nachahmungstätern. Die Polizei machte in der Vergangenheit wiederholt deutlich, das Risiko, weitere Personen könnten sich nach solchen Attentaten ermutigt fühlen, eine Gewalttat zu verüben, bestehe. Das gelte für terroristische Attentate ebenso wie für Amokläufe.

Tobias R. galt neben seiner zutiefst rassistischen Gesinnung nach derzeitigen Erkenntnissen auch als psychisch gestört. Der Psychologe Jens Hoffmann, Leiter des Instituts für Psychologie und Bedrohungsmanagement in Darmstadt, sagt, dies könne in diesem Fall die Gefahr von Nachahmungen sogar eher verringern. Es müsse sich dann nämlich eher um einen Täter handeln, der ähnliche Wahnvorstellungen habe wie Tobias R. und sich von Verschwörungstheorien angesprochen fühle, „in Kombination mit einer extremistischen Neigung“. Ferner sagte Hoffmann, die Art, wie der Täter nach dem, was man bisher von Augenzeugen höre, vorgegangen sei, erinnere das stark an das Auftreten von Amoktätern. „Man spricht von einer kalten Aggression. Das heißt, der Schütze geht sehr ruhig, sehr gezielt vor. Es ist ihm möglich, Emotionen auszuschalten, um andere kontrolliert anzugreifen.“

Das Leben von Tobias R. wird nun auch bei den Ermittlungen eine größere Rolle spielen. Denn die Behörden suchen derzeit nach Hinweisen darauf, ob der 43Jahre alte Hanauer die Tat allein geplant hat oder Mitwisser beziehungsweise Unterstützer hatte. Auch am Freitag wurden neue Details über den mutmaßlichen Todesschützen bekannt. Im Zusammenhang mit den Ermittlungen wird auch R.‘s Mitgliedschaft in dem Frankfurter Schützenverein „Diana“ im Stadtteil Bergen-Enkheim näher beleuchtet. Unklar ist noch die Rolle des Vaters, der am Donnerstagmorgen, als ein Spezialeinsatzkommando das Haus der Familie R. stürmte und die Leichen von Tobias R. und seiner Mutter fand, unverletzt angetroffen wurde. Er wurde zur Befragung mitgenommen, gilt aber nach Aussage des Generalbundesanwalts nicht als Beschuldigter, sondern als Zeuge. Ebenso wie Tobias R. ist auch der Vater Nachbarn durch sein teils aggressives Verhalten aufgefallen. Ein Anwohner sagte nach der Tat: „Ich habe erst gedacht, der Alte wär‘s gewesen.“

Rechtsextremismus in Hessen

Unterdessen wehrt sich das Innenministerium gegen den Vorwurf, in Hessen gebe es ein besonderes Problem mit Rechtsextremismus. „Hessen war gemessen an den polizeilich erfassten rechtsextremistischen Gewalttaten in den letzten Jahren im bundesweiten Vergleich eher geringer belastet“, sagte ein Sprecher . Er fügte jedoch an, dass Hessen „mit mehreren herausragenden und zugleich schrecklichen Taten sehr schwer getroffen“ sei. Auch Kritik am hessischen Verfassungsschutz wies das Ministerium zurück. Es sei bereits im Zuge der Flüchtlingssituation von 2015 an vor möglichen fremdenfeindlich motivierten Taten gewarnt worden. In der 2016 hessenweit durchgeführten „Anklopf-Aktion“ seien „bestimmte Personen der rechten Szene gezielt von den Sicherheitsbehörden aufgesucht“ worden. Zudem seien durch die neu gegründete „BAOHessenR“ inzwischen rund 1100 Kontrollen in der „rechten Szene“ durchgeführt und „mehr als 30 rechte Straftäter“ festgenommen worden. Die Sicherheitsbehörden würden „diese schreckliche Tat“ aber „natürlich sehr aufmerksam analysieren und auch daraus Schlüsse für ihr taktisches Vorgehen ziehen“.

Am Freitagabend zogen rund 400 Menschen durch Hanau, um an die Opfer zu gedenken. Nach einer Mahnwache am Heumarkt ging es gut zwei Kilometer weiter zur Abschlusskundgebung vor dem zweiten Tatort im Stadtteil Kesselstadt. Viele der Teilnehmer trugen Fotos der Getöteten, in Redebeiträgen wurde zum Eintreten gegen Hass und Rassimus aufgerufen. Für den heutigen Samstag kündigten die Veranstalter der Mahnwachen eine Großkundgebung auf dem Hanauer Freiheitsplatz an.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Iskandar, Katharina
Katharina Iskandar
Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.
Autorenporträt / Mattes, Hanns
Hanns Mattes
Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.
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