FAZ plus ArtikelRheinland-Pfalz-Tag in Mainz

Mehr als Reben und Rüben

Von Markus Schug
18.05.2022
, 20:18
Aufbau fürs Landesfest: Vor dem Osteiner Hof auf dem Schillerplatz in Mainz
Die Weinschorle gehört zu Mainz wie Fassenacht, Gutenberg und neuerdings das als Impfstoffentwickler weltweit bekannte Unternehmen Biontech. Bei den Jubiläumsfeierlichkeiten zum 75. Geburtstag gibt es also viele gute Gründe zum Anstoßen.
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Es ist eine schwere Geburt gewesen: die Gründung des anfangs bei vielen Bürgern ungeliebten Bindestrichlandes Rheinland-Pfalz. Grundlage dafür, die bis dahin sehr unterschiedlich ausgerichteten Regionen zu einem neuen Ganzen zusammenzufügen, war die von der französischen Militärregierung im August 1946 erlassene Verordnung Nummer 57. Knapp neun Monate später, am 18. Mai 1947, wurde tatsächlich eine dazu passende Landesverfassung angenommen und der erste Landtag gewählt. An die Geburtsstunde vor 75 Jahren wurde am Mittwoch mit einem Festakt im Staatstheater Mainz erinnert. Und weil die doch ganz gut zusammengewachsenen Rheinland-Pfälzer als „feierfreudiges Völkchen“ gelten, darf das Jubiläum von Freitag bis Sonntag in der Mainzer Innenstadt von allen, die vorbeischauen möchten, denn auch ausgiebig gefeiert werden. Für den 36. Rheinland-Pfalz-Tag, zu dem die Organisatoren bei schönem Wetter bis zu 300.000 Gäste erwarten, werden nach Angaben von Stadt und Land fünf große Bühnen aufgebaut, zwölf Aktionsflächen vorbereitet und gut 330 Stände in der City platziert. Sie sollen der Kundschaft en passant wahlweise Essen und Trinken oder aber Informationen über die Entwicklung der früher häufig als „Land der Rüben und Reben“ geschmähten Region entlang des Rheins offerieren.

Herzlich: Die Gruppe tanzmainz beim Festakt „75 Jahre Rheinland-Pfalz“
Herzlich: Die Gruppe tanzmainz beim Festakt „75 Jahre Rheinland-Pfalz“ Bild: dpa

Heutzutage wirbt man mit ganz anderen Attributen für sich: Zwar steht Rheinland-Pfalz immer noch für Waldreichtum, Landwirtschaft und Weinbau. Allerdings sind Wanderurlaube mittlerweile schwer angesagt, und heimische Produkte werden stark nachgefragt. Noch dazu hat sich die Weinschorle – nicht nur, aber vor allem in Mainz und Rheinhessen – längst zum Markenzeichen entwickelt. Genauer betrachtet leben die gut vier Millionen Menschen, die zwischen Koblenz, Kaiserslautern, Mainz und Trier zu Hause sind, auch nicht mehr am Rande Deutschlands, sondern im Herzen Europas – mit guten Beziehungen zu den Nachbarn in Frankreich, Belgien und Luxemburg.

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Autorenporträt / Schug, Markus
Markus Schug
Korrespondent Rhein-Main-Süd.
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