Corona-Pandemie in Hessen

Ein Kreis ohne Neuinfektionen binnen sieben Tagen

Von Thorsten Winter
Aktualisiert am 22.09.2020
 - 15:54
Mund auf! Ein Reiserückkehrer gibt am Frankfurt Flughafen eine Probe ab. Knapp ein Prozent der Corona-Tests dort war zuletzt positiv
Nach zwei Tagen mit zweistelligen Neuinfektionen haben die hessischen Gesundheitsämter wieder dreistellige bestätigte Covid-19-Fälle gemeldet. Ein Kreis fällt dabei besonders auf. Ein anderer Kreis hat dagegen nun eine weiße Weste.

70, 51, 120 – so lautet der Dreiklang der seit Sonntag aus Hessen gemeldeten bestätigten Covid-19-Neuinfektionen. Anders gesagt: Die zwei Tage mit nur zweistelligen Fallzahlen markieren abermals nicht mehr als eine Delle, die sogenanntem Meldeverzug geschuldet sein dürfte. Auch in der Vergangenheit wiesen die an das Robert-Koch-Institut gerichteten Meldungen zum Sonntag und Montag in der Regel niedrigere Werte aus als an den Vortagen. Nicht alle Gesundheitsämter melden über das Wochenende regelmäßig die bestätigten Neuinfektionen.

Seit Beginn der Corona-Pandemie im März sind in ganz Hessen 17.757 Infektionen bekanntgeworden, gut 5500 davon seit August. 545 Todesfälle in Zusammenhang mit der Pandemie gibt es zu beklagen, das ist ein Opfer mehr als am Vortag. Seit Anfang August sind 25 Corona-Tote hinzugekommen. Umgekehrt sind nach Angaben des kurz RKI genannten Bundesinstituts mittlerweile 16.000 Infektionen ausgestanden, ein Plus von etwa 100 über Nacht. So kommen statistisch nunmehr gut 29 Genesene auf einen Todesfall.

Erfreulich: Für den Werra-Meißner-Kreis weist das Sozialministerium nun bei der für den Bestand von Lockerungen wichtigen Sieben-Tage-Inzidenz eine Null aus. Diese Inzidenz steht für die binnen sieben Tagen bestätigten neuen Fälle unter 100.000 Einwohnern. Die wenigsten Infektionen seit Beginn der Pandemie im März hat nach wie vor der ebenfalls ländliche Vogelsbergkreis verzeichnet; es sind bisher 180.

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3152 der 17.757 Infektionen entfallen auf Frankfurt. Über Nacht sind laut RKI zehn hinzugekommen. Gut doppelt so stark ist die Zunahme im Kreis Groß-Gerau. Für ihn weist das Institut 1015 nach 994 aus. Bei der Sieben-Tage-Inzidenz steht für den Kreis mit der Opel-Stadt Rüsselsheim die 24,3 zu Buche. Das bedeutet: Nach dem Eskalationskonzept ist erhöhte Aufmerksamkeit gefordert. Gleiches gilt für Frankfurt mit einer Inzidenz von 20.

In seinem täglichen Corona-Bulletin markiert das Sozialministerium die Main-Metropole und den südlich gelegenen Kreis jeweils gelb. Ansonsten erscheint Hessen grün, denn alle anderen Großstädte und Kreisen liegen unterhalb der Schwelle von 20 und mithin in der ersten Meldestufe. Das gilt auch für Wiesbaden, obwohl dort weiter das Besuchsverbot für Kliniken und andere medizinische Einrichtungen gilt.

Worauf Marburger Forscher warten

Derweil warten Forscher der Universität Marburg und Hamburger Kollegen nach wie vor auf die Erlaubnis aus dem Paul-Ehrlich-Institut, ihren Corona-Impfstoffkandidaten an Menschen zu testen. Dies sagte eine Sprecherin der Uni Marburg an diesem Donnerstag der F.A.Z.

Aus Frankfurter Sicht ist grundsätzlich wichtig: Die am Flughafen genommenen positiven Tests werden nicht der Stadt zugeordnet. Vielmehr schlagen sie sich nach Angaben des Sozialministeriums in der Statistik des Gesundheitsamts nieder, das für den jeweiligen Reiserückkehrer zuständig ist. Das kann auch das Frankfurter Amt sein oder ein anderes in Hessen, aber eben auch eine Behörde in einem anderen Bundesland.

Wie das RKI der F.A.Z. weiter mitteilte, erhebt es Daten zur Zahl der Genesenen nicht offiziell. Die Erhebung sei auch nicht gesetzlich vorgesehen. „Allerdings kann man zumindest bei den Fällen, bei denen die meisten Angaben ermittelt wurden, die keine schweren Symptome hatten und die nicht in ein Krankenhaus eingewiesen wurden, davon ausgehen, dass sie spätestens nach 14 Tagen wieder genesen sind“, heißt es in Berlin. Das RKI schätze die Zahl der Genesenen.

Das Sozialministerium veröffentlicht täglich eine Übersicht der Corona-Entwicklung, aufgeschlüsselt nach Kreisen und kreisfreien Städten. Es bezieht sich dabei auf Zahlen des RKI. Bis vor einigen Tagen berücksichtigte es auch Daten des Hessischen Landesprüfungs- und Untersuchungsamts im Gesundheitswesen beim Regierungspräsidium Gießen, dem die Gesundheitsämter die jeweils neuen Fälle melden müssen. Um Einheitlichkeit herzustellen, nimmt das Ministerium nun nur noch die RKI-Angaben.

Quelle: FAZ.NET
Autorenporträt / Winter, Thorsten (thwi)
Thorsten Winter
Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.
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