Trotz Corona

Mehr Organspenden in Hessen

Von Benjamin Hanfeld
13.11.2020
, 12:20
Fortschritt in schwierigen Zeiten: In Hessen wurden in diesem Jahr insgesamt 174 Organe gespendet.
In Hessen ist die Zahl der Organspender von 48 im Jahr 2019 auf 53 in diesem Jahr gestiegen. Es wurden 2020 bisher insgesamt 174 Organe gespendet. Fachleute sind sich einig, dass das geänderten Transplantationsgesetz dafür verantwortlich ist.
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Obwohl die Covid-19-Pandemie einen großen Teil der intensivmedizinischen Kapazitäten bindet, ist die Zahl der Organtransplantationen bundesweit von Januar bis Oktober dieses Jahres im Vergleich zum Vorjahr um 2,3 Prozent von 775 auf 793 gestiegen. In Hessen stieg die Zahl der Organspender von 48 im Jahr 2019 auf 53 in diesem Jahr. Es wurden insgesamt 174 Organe gespendet, 14 mehr als im Vorjahr. Trotzdem bleibt in Hessen die Zahl der tatsächlich transplantierten Organe mit 123 so hoch wie im Vorjahr. Im Vergleich zum Jahr 2018 zeigt sich jedoch ein Zuwachs – damals waren 111 Organe transplantiert worden.

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„Corona hat den Fortschritt, den wir dieses Jahr hätten verzeichnen können, ausgebremst“, sagte Utz Settmacher, Direktor der Uniklinik Jena, in der vergangene Woche auf dem Jahreskongress der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO), der aufgrund der Corona-Beschränkungen online stattfand. Die Experten sind sich einig, dass für die grundsätzliche Zunahme der Spenden das 2019 reformierte Transplantationsgesetz verantwortlich ist. Es sorge dafür, dass in allen teilnehmenden Krankenhäusern die nötigen Bedingungen für Organtransplantationen entstünden.

Das Gesetz für bessere Zusammenarbeit und bessere Strukturen bei der Organspende (GZSO) sieht vor, dass Transplantationsbeauftragte sich mehr Zeit für ihre Aufgabe als Ansprechpartner zum Thema Organspende nehmen können, ohne dass sie ihre anderen Pflichten vernachlässigen müssten. Zuvor mussten die Beauftragten die Organspendeaufklärung mit ihren Pflichten im medizinischen Alltag vereinbaren; für Fort- und Weiterbildungen mussten sie ihre Freizeit opfern.

Zudem wurde ein Rufdienst eingeführt, mit dem Ärzte, vor allem aus kleineren Entnahmekrankenhäusern, andere Transplantationsbeauftragte kontaktieren können, um eine zweite Meinung zu möglichen Organspenden einzuholen. Dies ist, wie auf dem Jahreskongress zu hören war, besonders dann nützlich und vonnöten, wenn bei einem Patienten in kürzerer Zeit mit dem Hirntod zu rechnen ist.

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Das gelte es rechtzeitig zu erkennen und mit dem Patienten, so er ansprechbar und im Besitz seiner geistigen Kräfte ist, über eine mögliche Organspende zu sprechen. Des Weiteren besagt das Gesetz, dass Entnahmekrankenhäuser je Intensivstation mindestens einen Transplantationsbeauftragten abzustellen haben, so dass jederzeit ein Ansprechpartner zur Verfügung steht, ganz gleich, wie das Krankenhaus ansonsten personell aufgestellt ist.

Diese Praxis, berichteten Experten auf dem DSO-Kongress, fördere die Vermittlung zwischen Spender und Empfänger stark. Eine weitere, zwar nicht lebensrettende, jedoch zwischenmenschlich wertvolle Maßnahme des Gesetzes ist, dass Angehörige und Empfänger sich anonymisierte Briefe schicken können. Das war zuvor aufgrund der Datenschutzverordnungen nicht möglich.

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Quelle: F.A.Z.
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