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Hessisches Landesmuseum

Auf dem Boden der Tatsachen

Von Christian Riethmüller
Aktualisiert am 01.08.2020
 - 16:22
Stars und Steine: Zu den Attraktionen des Museums gehören die Fossilien aus der Grube Messel, vor allem die Urpferde.
Das hessische Landesmuseum in Darmstadt wird 200 Jahre alt. Es verwahrt noch immer unsagbare Schätze: Auf dem Knochenboden lässt sich weit in die Erdgeschichte zurückreisen.

Hier kommt keiner rein, der nicht dazu berechtigt ist. Die Schatzkammer ist nämlich gesichert. Doch selbst wenn es einem Eindringling gelänge, die Sicherung zu überwinden, schreckte er vermutlich vor dem gruseligen Namen jenes Raums hinter der schweren Tür zurück: Knochenboden. Dort lagern tatsächlich Gebeine in großer Zahl. Allerdings stammen sie nicht von Menschen, sondern von wesentlich älteren Spezies. Hier, in einem abgeschlossenen Bereich des Hessischen Landesmuseums Darmstadt, sind Objekte verwahrt, die viele Millionen Jahre in die Erdgeschichte zurückführen und von unschätzbarem Wert sind, weil sie Geologen, Paläontologen und Mineralogen Aufschluss über den Zustand der Tier- und Pflanzenwelt vor Urzeiten geben können.

Dort, auf dem mit Tischen, speziellen Schränken und Borden voller Knochen, Fossilien und Mineralien zugestellten Boden, ist das Reich von Oliver Sandrock, Torsten Wappler und Gabriele Gruber, den Kuratoren und Abteilungsleitern in den Naturwissenschaftlichen Sammlungen des Landesmuseums. Hier gehen sie der Erforschung, Katalogisierung und Archivierung des immensen, noch immer weiter wachsenden Bestandes nach. In den Ausstellungsräumen des Museums ist von alldem nur ein Ausschnitt zu sehen, allerdings einer, der zum Ruhm des zu den wenigen Universalmuseen Europas zählenden Hauses beiträgt, gehören doch etwa die spektakulären Fossilien aus der Grube Messel, darunter das berühmte Urpferdchen, zu den Besuchermagneten.

Viele Schatzstücke

Die Ursprünge der erdgeschichtlichen Sammlung des Landesmuseums reichen in das späte 18. Jahrhundert zurück. In den achtziger Jahren hatte der Hofrat Johann Heinrich Merck (1741 bis 1791) Naturalien zu einer Sammlung zusammengetragen, die im Jahr 1792 aus seinem Nachlass vom damaligen Landgrafen Ludwig X. von Hessen-Darmstadt (1753 bis 1830), dem späteren Großherzog Ludewig I. von Hessen und bei Rhein, für ein Naturalienkabinett erworben wurde. Das Kabinett sollte Bestandteil eines noch zu errichtenden öffentlichen Museums sein, für das Ludwig in den folgenden Jahren weitere Sammlungen ankaufen oder anwerben ließ.

Unter ihnen war auch die Sammlung Hüpsch, die im Jahr 1805 übernommen werden konnte. Die umfangreiche Sammlung war von dem Kölner Gelehrten und Naturforscher Guillaume Adolphe Fiacre Honvlez, Baron von Hüpsch (1730 bis 1805), in der Tradition der Aufklärung aufgebaut worden, also ein Sammelsurium „aller Merkwürdigkeiten aller Zeiten und Länder“, das er mit seinem Tod dem Landgrafen von Hessen-Darmstadt vermachte. Neben allerlei Tand barg die Sammlung Hüpsch viele Schatzstücke, unter ihnen auch einige außergewöhnliche Mineralien, die gemeinsam mit einigen weiteren zu jener Zeit nach Darmstadt gelangten Mineraliensammlungen den Grundstock für eine heute weithin geachtete Kollektion bildete. Ihr wurde allerdings erst 1995 die „juwelenfunkelnde Krone“ aufgesetzt, als das Landesmuseum die Sammlung Paul Ruppenthal ankaufen konnte. Diese Sammlung hatte der langjährige Chef eines Idar-Obersteiner Edelsteinunternehmens aufgebaut, der nicht nur auf die Rarität der Exponate, sondern vor allem auch auf deren ästhetischen Reiz geachtet hatte. In einer großen Vitrine ausgestellt, gehören diese von der Natur geschaffenen Kunstwerke – Pyrite, Calcite, Turmaline – zu den optischen Höhepunkten in der Dauerausstellung des Museums.

Wie Gabriele Gruber, Leiterin der Abteilung Mineralogie, sagt, werden bei Gelegenheit auch weiterhin Kollektionen für die mehr als 30.000 Exponate zählende Mineraliensammlung angekauft. Dabei werde nicht nur auf seltene Formen und Farben, sondern auch auf die Regionalität geachtet. Das besondere Interesse gilt dabei einer ganz nahe gelegenen früheren Bergbauregion, dem Odenwald. Diesen Sammlungsbereich hat das Museum in den vergangenen knapp zwanzig Jahren stark ausgebaut.

Ebenfalls die Region im Blick hat Torsten Wappler, zuständig für die der Grube Messel gewidmeten Ausstellungsabteilungen. Die neun Kilometer von Darmstadt entfernte Grube ist nicht nur Unesco-Welterbe, sondern auch ein bedeutender Lieferant für Museumsexponate. Noch immer wird in dem früheren Ölschiefer-Tagebau zu Forschungszwecken gegraben, werden Fossilien freigelegt. „Allein im vergangenen Jahr gab es 78.000 Funde“, sagt Wappler, der auf der nun vergrößerten Ausstellungsfläche im Landesmuseum ein erstaunliches Raritätenkabinett vorführen kann, keine „Merkwürdigkeit“ übrigens, sondern ein ganzes vorzeitliches Ökosystem.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Riethmüller Christian
Christian Riethmüller
Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.
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