Impfen in Hessen

Wann bin ich an der Reihe?

Von Helmut Schwan
04.01.2021
, 18:31
Der Corona-Impfstoff ist zugelassen und Hessen hat den Impfplan vorgestellt. Jetzt stellt sich die Frage, wie und ab wann er verteilt wird. Für Hessen gibt es folgende Antworten.

Seit dem 27. Dezember werden in Hessen Menschen gegen das Coronavirus geimpft. Die Regeln, wer wann an der Reihe ist, sind streng. Wer unter 70, einigermaßen gesund ist und keinen „systemrelevanten“ Beruf hat, der wird nicht vor Frühjahr 2021 mit der Impfung rechnen können. Denn zuerst werden die Mitarbeiter der Covid-19-Schwerpunktkliniken sowie die Bewohner und Mitarbeiter von Alten- und Pflegeheimen durch mobile Impfteams geimpft. Dann kommt es darauf an, welcher „Priorisierungsgruppe“ man angehört.

Wann öffnen die Zentren?

Weil noch zu wenige Dosen zur Verfügung stehen, nehmen voraussichtlich erst am 19. Januar sechs Impfzentren (Frankfurt, Wiesbaden, Darmstadt, Fulda, Gießen und Kassel) den Betrieb auf. Als Erste sollen dort Menschen immunisiert werden, deren Schutz „hohe Priorität“ genießt: Darunter fallen alle, die älter als 80 und noch „mobil“ sind, oder bei denen aufgrund einer Vorbelastung die Gefahr einer tödlich verlaufenden Erkrankung besteht. Erst wenn ausreichend Dosen zur Verfügung stehen, sollen auch die übrigen 22 Zentren des Landes öffnen und im nächsten Schritt Menschen mit „hoher Priorität“ geimpft werden.

Wann bin ich an der Reihe?

Die Impf-Reihenfolge ist in einer Rechtsverordnung des Bundesgesundheitsministeriums festgelegt, die auf der Impfempfehlung der Ständigen Impfkommission beim Robert Koch-Institut (RKI) aufbaut.

Die Priorisierung im Einzelnen (laut Bundesgesundheitsministerium):

Höchste Prorität

  • Über 80-Jährige
  • Personen, die in stationären Einrichtungen für ältere oder pflegebedürftige Menschen behandelt, betreut oder gepflegt werden oder tätig sind,
  • Pflegekräfte in ambulanten Pflegediensten
  • Beschäftigte in medizinischen Einrichtungen mit hohem Expositionsrisiko wie Intensivstationen, Notaufnahmen, Rettungsdienste, als Leistungserbringer der spezialisierten ambulanten Palliativversorgung, SARS-CoV-2-Impfzentren und in Bereichen mit infektionsrelevanten Tätigkeiten
  • Beschäftigte in medizinischen Einrichtungen, die Menschen mit einem hohen Risiko behandeln, betreuen oder pflegen. (v.a. Hämato-Onkologie und Transplantationsmedizin.

Hohe Priorität

  • Über 70-Jährige
  • Personen mit Trisomie 21, mit Demenz oder geistiger Behinderung, nach einer Organtransplantation
  • Enge Kontaktpersonen von solchen pflegebedürftigen Personen, die über 70 Jahre alt sind, an Trisomie 21 oder einer geistigen Behinderung (bzw. Demenz) leiden oder nach einer Organtransplantation ein hohes Infektionsrisiko haben.

  • Kontaktpersonen von Schwangeren

  • Personen, die in stationären Einrichtungen für geistig behinderter Menschen tätig sind oder im Rahmen ambulanter Pflegedienste regelmäßig geistig behinderte Menschen behandeln, betreuen oder pflegen,
  • Personen, die in Bereichen medizinischer Einrichtungen mit einem hohen oder erhöhten Expositionsrisiko in Bezug auf das Coronavirus SARS-CoV-2 tätig sind, insbesondere Ärzte und sonstiges Personal mit regelmäßigem Patientenkontakt, Personal der Blut- und Plasmaspendedienste und in SARS-CoV-2-Testzentren
  • Polizei- und Ordnungskräfte, die im Dienst, etwa bei Demonstrationen, einem hohen Infektionsrisiko ausgesetzt sind.
  • Personen im öffentlichen Gesundheitsdienst und in relevanten Positionen der Krankenhausinfrastruktur
  • Personen, die in Flüchtlings- und Obdachloseneinrichtungen leben oder tätig sind

Erhöhte Priorität

  • Über 60-Jährige
  • Personen mit folgenden Krankheiten: Adipositas, chron. Nierenerkrankung, chron. Lebererkrankung, Immundefizienz oder HIV-Infektion, Diabetes mellitus, div. Herzerkrankungen, Schlaganfall, Krebs, COPD oder Asthma, Autoimmunerkrankungen und Rheuma
  • Beschäftigte in medizinischen Einrichtungen mit niedrigen Expositionsrisiko (Labore) und ohne Betreuung von Patienten mit Verdacht auf Infektionskrankheiten
  • Personen in relevanter Position in Regierungen, Verwaltungen und den Verfassungsorganen, in Streitkräften, bei der Polizei, Feuerwehr, Katastrophenschutz und THW, Justiz
  • Personen in relevanter Position in Unternehmen der kritischen Infrastruktur, im Apotheken und Pharmawirtschaft, öffentliche Versorgung und Entsorgung, Ernährungswirtschaft, Transportwesen, Informationstechnik und Telekommunikation
  • Erzieher und Lehrer
  • Personen, mit prekären Arbeits- oder Lebensbedingungen

Impft auch der Hausarzt?

Vorerst wird das nicht möglich sein, weil der einzige bisher in Europa zugelassene Impfstoff viel logistischen Aufwand, vor allem eine lückenlose Kühlkette erfordert. Erst wenn andere Substanzen, etwa die von Moderna, zugelassen sind, könnten auch niedergelassene Ärzte tätig werden. Vermutlich wird aber angesichts des Aufwandes, mit dem die Zentren betrieben werden, im nächsten Jahr ausschließlich dort geimpft werden.

Wie kann ich mich anmelden?

Wer der höchsten Priorisierungsgruppe angehört, kann sich ab dem 12. Januar über die Hotline 116117 oder auf der Internetseite impfterminservice.de anmelden.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Schwan, Helmut (hs.)
Helmut Schwan
Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.
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