„Jugend forscht"

Nachwuchsförderung zahlt sich aus

Von Rainer Hein, Darmstadt
19.03.2009
, 08:01
Jugend forscht: In diesem Fall haben zwei Frauen einen Kunststoff für die Zahnmedizin entwickelt
Dem Forschungsprogramm geht es so gut wie noch nie. Insgesamt haben sich in Hessen 347 Jugendliche mit 177 Projekten beteiligt. Das Projekt zeigt auch, wie wichtig engagierte Unternehmen und Lehrer sind.

Wenn Kultusministerin Dorothea Henzler (FDP) nach Darmstadt kommt, um erstmals beim Landeswettbewerb von „Jugend forscht“ den Sonderpreis ihres Ministeriums zu vergeben, wird ihr Christiane Gräf vermutlich wieder ihre Karte zeigen. Es ist die hessische Nachwuchsforscher-Landkarte, auf der kleine, mittlere und große Punkte die Talentdichte markieren.

Die dicksten grünen Kreise hat Gräf als Leiterin des Landeswettbewerbs in Darmstadt, Frankfurt und Kassel eingezeichnet, im sonstigen Rhein-Main-Gebiet und in Südhessen punktet es sommerprossenartig, in Nordhessen dominiert der Kasseler Klecks, und Mittelhessen ist nahezu farblos.

Rund 200 Schulen sind Projektpartner von Merck

Die Karte und das darin erkennbare Nord-Süd-Gefälle der an Jugend forscht beteiligten Schulen war das einzige, was die Stimmung von Gräf etwas eingetrübt hat. Denn eigentlich geht es Jugend forscht in Hessen so gut wie noch nie. Der Anmelderekord von 2008 wurde in diesem Jahr noch einmal um sieben Prozent überschritten. In Südhessen war der Andrang sogar so groß, dass ein weiterer Regionalwettbewerb „Bergstraße“ eingerichtet werden musste.

Insgesamt haben sich an den Regionalentscheiden 347 Jugendliche mit 177 Projekten beteiligt. In der Turnhalle des Chemie- und Pharmazieunternehmen stellten sich die 60 Regionalsieger der Landesjury vor. Die 16 Mädchen und 44 Jungen präsentierten insgesamt 33 Projekte aus Technik und Physik, Arbeitswelt, Biologie, Mathematik, Informatik sowie Chemie und Geo- und Raumwissenschaften. Welche sieben Forscher die Chance bekommen, am Bundeswettbewerb teilzunehmen, verkünden Henzler und Gräf am Donnerstag.

Die Landesentscheidung bei Jugend forscht findet seit 1996 in der Tunhalle von Merck statt. Womit einer der Gründe genannt wäre, warum auf Gräfs Landkarte Darmstadt durch einen dicken grünen Punkt markiert ist. Denn das Unternehmen organisiert nicht nur mit großem Personalaufwand den Landeswettbewerb, es investiert auch sonst erheblich in die Förderung des naturwissenschaftlichen Nachwuchses. Wie die Patenbeauftragte von Merck, Barbara Hoffmann, sagte, sind zurzeit rund 200 Schulen Projektpartner des Unternehmens.

Meister der Improvisation

Diese Schulen erhalten Materialien für den Chemieunterricht, Klassen können Merck-Labore besuchen, Lehrer Mitarbeiter des Unternehmens als Referenten anfordern. Zum Förderprogramm zählt außerdem das mit der Technischen Universität Darmstadt im vergangenen Jahr auf dem Campus Lichtwiese gegründete Merck-TU-Junior-Labor, das Schulen Experimente ermöglichen, die im normalen Klassenraum nicht zu bewerkstelligen sind.

Nimmt man noch die Universität und Hochschule in Darmstadt, die Angebote der Fraunhofer Institute, das GSI-Schülerlabor oder das Mint-Förderprogramm hinzu, so ergibt dies eine Infrastruktur, die erkennbare Wirkung zeigt: 19 der 33 Projekte beim Landeswettbewerb stammen von jenen Projekt- und Partnerschulen, an denen Merck den naturwissenschaftlichen Unterricht unterstützt. Für Gräf ist das nicht verwunderlich. Dass auch Frankfurt und Kassel punkten können, führt sie auf die dortige Förderung durch Sanofi-Aventis und Fraport respektive auf das Schüler-Forschungszentrum an der Albert-Schweizer-Schule mit dem inzwischen fast schon legendären Physik-Club von Klaus Peter Haupt zurück. Keineswegs seien mittelhessischen Schüler mindert begabt. Dort mangele es nur an vergleichbaren Förderstrukturen.

Auch in diesem Jahr hat der Kasseler Physik-Club von Lehrer Haupt mit vier Arbeiten wieder die Nase vorn, dicht gefolgt von der Darmstädter Lichtenbergschule, die mit drei Projekten dabei ist. Seit vier Jahren belebt dort Milan Dlabal die schulische Forschungslandschaft. Der Physik- und Chemielehrer hat den Weird Science Club gegründet nach einem Vorbild aus Kapstadt, wo er früher beschäftigt war. An der Lichtenbergschule hilft er inzwischen 50 Jugendlichen, sich auf Wettbewerbe wie Jugend forscht vorzubereiten, weitere 100 haben die Gelegenheit, technisch zu basteln.

Dlabal und seine Clubmitglieder sind Meister der Improvisation, denn bis auf seine fünf Betreuungsstunden über das Mint-Programm gibt es keine Förderung. Preisgeld wie aus dem Wettbewerb um den Naturpur-Award des Energieunternehmens HSE, den der Club kürzlich gewonnen hat, fließt in anderen Projekte, und wenn teure Geräte benötigt werden, wendet man sich zum Beispiel an die TU. Auf die Kasseler Clubkonkurrenz, die technisch deutlich besser ausgerüstet ist, blickt Dlabal sportlich: „Es ist wie in der Bundesliga. Da gewinnt am Ende immer Bayern, hier ist es Kassel“.

Die 33 Projekte beim Landeswettbewerb Jugend forscht können heute von 13.30 bis 14.45 Uhr in der Sporthalle von Merck, Frankfurter Straße 250, besichtigt werden.

Quelle: F.A.Z.
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