Kloster Konradsdorf

Ein Restaurant und Kultur in der Propstei

Von Wolfram Ahlers
31.12.2020
, 13:31
Bis zum Ende des 16. Jahrhunderts lebten Nonnen im Kloster Konradsdorf in Ortenberg. Nun will der Kreis aus der Ruine ein Ausflugsziel machen.

Mit ehemaliger Klosterkirche und Probsteigebäude, Nonnenhaus genannt, hat die Anlage von Konradsdorf Bauwerke vorzuweisen, die zu den bedeutenden mittelalterlichen Denkmälern in diesem Teil des Landes zählen. Zudem gilt das Anwesen in der östlichen Wetterau als eines der ältesten der Region. Gebührende Aufmerksamkeit wird Konradsdorf bislang allerdings nicht zuteil. Was sich aber ändern soll.

Der Wetteraukreis hatte eine Studie in Auftrag gegeben, um herauszufinden, wie sich die alten Bauten und das Areal ringsum besser erschließen und weiterentwickeln lassen. Dazu gibt es mittlerweile Vorschläge, die der Kreis nun sukzessive gemeinsam mit Partnern realisieren möchte. Ziel ist dabei vor allem, den zur Stadt Ortenberg gehörenden Weiler als Touristendestination besser aufzustellen und zu vermarkten.

Die Voraussetzungen sind in Konradsdorf nicht schlecht. Das Areal ist über das Straßennetz gut zu erreichen und befindet sich zudem in der Nähe der Bonifatius-Route, eines Wander- und Pilgerwegs, der von Mainz auf den Spuren des Missionars nach Fulda führt und sich in den vergangenen Jahren zu einem beliebten Freizeitziel entwickelt hat. Was ebenso auf den Vulkanradweg zutrifft, der Konradsdorf auf einem der Teilstücke im Osten der Wetterau tangiert. Geprägt wird Konradsdorf von historischen wie modernen Bauten.

Hofgut mit Ackerbau, Viehzucht und Geflügelhaltung

So ist Konradsdorf seit den siebziger Jahren Sitz einer Gesamtschule, die zu den größten Schulen im Wetteraukreis zählt. Zum anderen befindet sich in Konradsdorf eine Hofgut, auf dem Pächter einer Staatsdomäne auf einer Fläche von rund 300 Hektar ökologische Landwirtschaft betreiben mit Ackerbau, Viehzucht und Geflügelhaltung. Zum Hof gehört ein Laden, der eigene biologische Erzeugnisse und solche aus der Umgebung anbietet. Eingebettet in den landwirtschaftlichen Betrieb sind die Bauwerke des einstigen Klosters, das zwar nicht zu den großen zählte, es in seiner Blütezeit den Überlieferungen zufolge aber zu gewissem Wohlstand gebracht hatte.

Ein wichtiger Schritt, Konradsdorf attraktiver zu machen, ließe sich mit der Entflechtung des Verkehrs machen. So sollen sich Ausflügler, Kunden des Hofguts, Landwirte, Schüler und Lehrer möglichst wenig in die Quere kommen. Empfohlen wird in diesem Zusammenhang, die von der Bundesstraße nach Konradsdorf abzweigende Straße zu sanieren und auszubauen, separate Fuß- und Radwege anzulegen. Die Rede ist zudem von gesonderten Zufahrten zum Schulzentrum und zum Hof, von einem Parkplatz, der von Ausflüglern und Hofbesuchern gleichermaßen genutzt werden könnte. Geplant ist nicht zuletzt ein Radweg von Ranstadt über Konradsdorf nach Selters, als eine Art Verbindungsglied zwischen Nidda-Radweg und Vulkanradweg.

Von diesem Weg verspricht man sich nicht zuletzt eine attraktive Fahrradverbindung zum Schulzentrum. Was den Hof betrifft, regt die Studie an, das Gelände zu einer Art Treffpunkt aufzuwerten. Ein Teil des Gebäudeensembles, heißt es, könnte zu Restaurant mit Beherbergung hergerichtet werden. Der Umbau einer Scheune zur Erweiterung von Hofladen und Café hat schon begonnen. Mit alldem könnte sich der Betrieb zusätzliche Klientel erschließen. Das Nonnenhaus des früheren Klosters lässt das Land derzeit instand setzen, ein Bau, von dem es heißt, er besitze viel touristisches Potential. So ist eine Ausstellung zu Kultur und Landschaft konzipiert. Veranstaltungen in Kooperation mit Schule, Vereinen und Gästeführern könnten dort ebenfalls stattfinden.

Kirche war schon Schauplatz von Theateraufführungen

Ob weitere kulturelle Nutzungen dort möglich sind, soll noch erörtert werden. Immerhin war die einstige Kirche in vergangenen Jahren schon Schauplatz von Theateraufführungen, die Gäste sogar von weiter her lockten. Auch dieser Kernbau der Anlage wird gerade saniert, wobei unter anderem das nördliche Seitenschiff ein Dach bekommt. In moderner Form, aber der Architektur des Baus angepasst. Was dem besseren Schutz des Gesamtbaus vor Witterungseinflüssen dient und zusätzliche Perspektiven schafft, wenn es darum geht, Konradsdorf besser in Szene zu setzen. Nicht zuletzt ist Konradsdorf als eine der Kernzonen für eine interkommunale Landesgartenschau im Gespräch, um die sich elf Städte und Gemeinden aus dem Osten der Wetterau und dem südlichen Vogelsberg bewerben.

Erste Erwähnung des Klosters im 12. Jahrhundert

Die Geschichte der Klosteranlage und ihrer Vorgängerbauten ließ sich anhand von Grabungen bis um das Jahr 1000 zurückverfolgen. Die erste Erwähnung des Klosters selbst stammt aus dem späten 12. Jahrhundert, hervorgegangen vermutlich aus einem Stützpunkt der Herren von Büdingen. Das Kloster war in erster Linie für die Versorgung unverheirateter Töchter des Adels gedacht. Mit Beginn der frühen Neuzeit begann der allmähliche Niedergang.

Nachdem die Reformation in der Wetterau immer mehr zum Zuge gekommen war, wurde das Kloster gegen Ende des 16. Jahrhunderts aufgehoben. Ein Großteil der Anlage fiel den Wirren des Dreißigjährigen Krieges zum Opfer, wobei die Kirche, eine um 1190 geweihte romanische Pfeilerbasilika, und das aus dem 13. Jahrhundert stammende Probsteigebäude erhalten blieben. Nach den Verwüstungen im Dreißigjährigen Krieg ging man mit den Gebäuden lange Zeit nicht gerade pfleglich um. So diente die Kirche beispielsweise als Viehstall. Erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts besann man sich des Wertes dieses architektonischen Kleinods. Seit Ende der fünfziger Jahre betreut das Land die Anlage und stellte vor einigen Jahren Geld für Erhalt und Sanierung der mittelalterlichen Bausubstanz bereit.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Ahlers Wolfram (was.)
Wolfram Ahlers
Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für Mittelhessen und die Wetterau.
  Zur Startseite
Verlagsangebot
Verlagsangebot