Einbrüche in Königsteiner Burg

Uhu-TV gegen Einbrecher

Von Bernhard Biener
Aktualisiert am 13.08.2020
 - 05:51
Wegen einer Kamera, die die Aufzucht von Uhus dokumentiert, weiß die Stadtverwaltung von sieben Einbrüchen.
In die Königsteiner Burg einzubrechen, war auch früher schon ein beliebter Nervenkitzel. Doch er birgt hohe Gefahren. Die Stadtverwaltung zeigt die Eindringlinge an – und nutzt die Aufnahmen einer Uhu-Kamera als Beweismittel.

Ein wenig Verständnis schwingt mit, wenn sich Bürgermeister Leonhard Helm (CDU) über nächtliche und damit illegale Besuche der Königsteiner Burg beklagt. Denn es soll ältere Königsteiner geben, die selbst einmal so jung waren, dass sie Dinge aus jugendlichem Leichtsinn getan haben. Und das Eindringen in die Ruine der Festungsanlage, die später als Gefängnis diente, war auch früher schon ein beliebter Nervenkitzel. Weshalb der Bürgermeister nun jedoch Worte wie „schweren Hausfriedensbruch“ und „Straftat“ in den Mund nimmt und ein hartes Vorgehen gegen die Eindringlinge ankündigt, hat vor allem mit einem Vorfall im Juli zu tun. Da machten einige junge Menschen auf der Burg Party. Bis einer von ihnen einen falschen Schritt tat und acht Meter tief auf ein Mauerstück stürzte.

Der junge Mann erlitt mehrere Knochenbrüche und lag einige Zeit im Krankenhaus. Helm erinnert sich an einen seiner Begleiter, der sichtlich schockiert gesagt habe: „Eigentlich wollten wir nur ein wenig feiern, aber auf dem Weg nach unten ist es dann passiert.“ Der Bürgermeister will sich erst gar nicht ausmalen, der junge Mann wäre mit dem Kopf statt mit dem Fuß aufgekommen. Das nächtliche Mauerklettern sei schlicht lebensgefährlich, vor allem, wenn Alkohol im Spiel sei. Deshalb spricht er nicht mehr von einem Kavaliersdelikt. Die Einbrüche würden jetzt von der Stadt verfolgt und könnten Arbeitsstunden, Bußgelder oder sogar Haftstrafen zur Folge haben, warnt Helm. Auch wenn das Ziel der Anzeigen weniger die Bestrafung sei als die Absicht, junge Leute von einem dummen Einfall abzuhalten, mit dem sie ihr Leben riskierten.

Dass es sich bei der Party im Juli nicht um einen Einzelfall handelte, weiß man bei der Stadtverwaltung sehr genau. Denn die Kameras und das Mikrofon, die schon im zweiten Jahr die Aufzucht von Uhus in einer Mauernische der Burg dokumentiert haben, sind nach wie vor eingeschaltet. Mitarbeiter könnten darauf zugreifen, warnte der Bürgermeister. Deshalb wisse man von sieben Einbrüchen in die Burgruine allein in den vergangenen vier Wochen, die alle angezeigt worden seien. Wer unbedingt nachts die Burg besuchen wolle, könne sich einer der zu später Stunde angeboten Sonderführungen anschließen.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Biener, Bernhard
Bernhard Biener
Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Hochtaunuskreis.
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