Kohlekraftwerk

Tausende Beschwerden gegen Staudinger-Ausbau

16.02.2009
, 15:45
Soll einen sechsten Block erhalten: Kohlekraftwerk Staudinger
Die Gegner des Kohlekraftwerks Staudinger haben mehrere tausend Beschwerden an das Regierungspräsidium Darmstadt übergeben. Sie wollen den Bau eines sechsten Kohleblocks in Großkrotzenburg verhindern. Das Vorhaben sei mit den „gut vorbereiteten Einwendungen“ zu stoppen.
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Die Gegner des Kohlekraftwerks Staudinger haben mehrere tausend Beschwerden an das Regierungspräsidium Darmstadt übergeben, um den geplanten Bau eines sechsten Kohleblocks in Großkrotzenburg zu verhindern. Eine Bürgerinitiative überreichte zusammen mit Umweltverbänden Regierungspräsident Gerold Dieke einen großen Karton voller Protestnoten. Die Einwendungen werden gesichtet und von Ende März an erörtert. Die Bürgerinitiative bekräftigte ihre Zweifel an einem ergebnisoffenen Genehmigungsverfahren zu den Plänen des Energiekonzerns Eon.

„Wir prüfen die Eingaben sorgfältig nach Recht und Gesetz. Die Ergebnisse werden Eingang in Genehmigungsverfahren finden“, sagte Dieke, nachdem ihm die Beschwerden - von großem Medieninteresse begleitet - überreicht worden waren. Er stellte klar: Nicht die Masse an Gegenstimmen, sondern die Qualität der Gegenargumente sei wichtig. Derzeit läuft zu dem Bauvorhaben ein Raumordnungsverfahren. Die verwaltungsinterne Prozedur geht dem eigentlichen Zulassungsverfahren nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz voraus. Es prüft, ob der Bau mit den Zielen von Raumordnung und Landesplanung übereinstimmt und welche Auswirkungen er auf die Umwelt hat.

Nach Angaben des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) ist der Bau eines neuen, 1,2 Milliarden Euro kostenden Kraftwerkblocks nahe Offenbach an der hessisch-bayerischen Grenze überflüssig. „Wenn man Energie einspart, regenerative Energie nutzt und Kraft-Wärme-Kopplung betreibt, braucht man Block 6 nicht“, befand Michael Rothkegel vom BUND-Hessen. Die Bürgerinitiative „Stopp Staudinger“ plädiert dafür, den mit Gas betriebenen vierten Block im Kraftwerk Staudinger stärker zu nutzen. Einen mit Steinkohle befeuerten Block 6 lehnt die BI ab, weil er für die Umwelt schädlich sei. Der Ausstoß von klimaschädlichem Kohlendioxid und von krebserregenden Feinstäuben würde rapide zunehmen.

Kritik äußerten die Kraftwerks-Gegner auch am Genehmigungsverfahren. „Alle Gutachten, zusammenfassenden Bewertungen und die Empfehlungen in den Unterlagen stammen von Instituten, die vom Vorhabenträger Eon beauftragt und bezahlt wurden. Damit macht man, volkstümlich gesprochen, den Bock zum Gärtner“, kritisiert der Sprecher der Bürgerinitiative, Winfried Schwab-Posselt. Er zeigte sich zuversichtlich, dass das Bauvorhaben mit den „gut vorbereiteten Einwendungen“ zu stoppen ist.

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Im Verlauf des Raumordnungsverfahrens hatte es eine Panne gegeben. Beim öffentlichen Auslegen der Unterlagen für die Bürger waren die mehrere hundert Seiten dicken Aktenordner nicht vollständig. Durch einen Fehler beim Drucken fehlten in manchen Exemplaren einige Seiten, sie wurden nachgeliefert.

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Die neue schwarz-gelbe Landesregierung in Hessen will das Genehmigungsverfahren für den neuen Kohleblock soweit wie möglich beschleunigen. Das haben CDU und FDP in ihrem Koalitionsvertrag vereinbart. Die anderen drei Parteien im Landtag lehnen das Projekt dagegen ab. Die Grünen haben erst am Donnerstag ihre Einwendungen an das RP überreicht. SPD und Linke unterstützen ebenfalls Proteste gegen den neuen Kohlemeiler und sprechen sich wie die Grünen für einen Ausbau erneuerbarer Energien als Alternative aus.

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Erweiterung des Kohlekraftwerks Staudinger

Nach den Plänen des Energie-Konzerns Eon soll bis 2013 im größten hessischen Kohlekraftwerk Staudinger bei Großkrotzenburg am Untermain ein neuer Kraftwerksblock entstehen. Mit einer Leistung von 1100 Megawatt (MW) wäre er einer der leistungsstärksten der Welt und könnte nach Angaben des Unternehmens Strom für fünf Millionen Menschen pro Jahr produzieren. Eine Bürgerinitiative und Umweltverbände versuchen die Eon-Pläne zu verhindern. Aus ihrer Sicht sind Kohlekraftwerke nicht mehr zeitgemäß und schlecht für die Umwelt.

Sollte das umstrittene Bauvorhaben, zu dem ein Raumordnungsverfahren läuft, genehmigt werden, will der Energie-Riese die Blöcke 1 bis 3 abschalten. Block 1 und 3 liefern eine sogenannte Mittellast-Leistung, sie sind nur tagsüber in Betrieb und werden nachts vom Netz genommen. Block 4, der als einziger mit Gas und nicht mit Steinkohle betrieben wird, wird in Verbrauchs-Spitzenzeiten zugeschaltet. Block 5 ist ein Grundlastkraftwerk, er läuft rund um die Uhr.

Am Standort Staudinger arbeiten 450 Beschäftigte. Der Geschäftszweig Eon Kraftwerke erwirtschaftete 2007 einen Umsatz von rund drei Milliarden Euro. Eon betreibt rund 30 Kohlekraftwerke im Bundesgebiet. Staudinger liefert als einer der leistungsfähigsten Standorte ein Prozent des deutschen und zwölf Prozent des hessischen Strombedarfs.

Alter und Leistungsstärke der Kraftwerksblöcke im Überblick:

Block 1: Baujahr 1965, Leistung 250 MW
Block 2: Baujahr 1965, Leistung 250 MW (derzeit nicht in Betrieb)
Block 3: Baujahr 1970, Leistung 290 MW
Block 4: Baujahr 1977, Leistung 620 MW
Block 5: Baujahr 1992, Leistung 510 MW

Quelle: FAZ.NET mit lhe/dpa
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