Nach Scheitern der Citybahn

Nach vorne geprescht

EIN KOMMENTAR Von Robert Maus
08.11.2020
, 08:01
Nach dem deutlichen Aus für die Citybahn macht der Taunus nun Druck. Ein Plan B soll künftig die Verkehrssituation entlasten. Es wäre klug, wenn auch die Wiesbadener auf die Tube drücken würden.

Das ging jetzt schnell. Nicht einmal eine Woche nach dem deutlichen Scheitern der Pläne für die Citybahn in Wiesbaden präsentiert der Landrat des Rheingau-Taunus-Kreises, Frank Kilian (parteilos), gemeinsam mit seinem sozialdemokratischen Verkehrsdezernenten Günter Döring eine Alternative, um die unbefriedigende Verkehrssituation im Untertaunus und damit auch in Wiesbaden zu verbessern.

Vieles spricht dafür, dass sich Kilian und Döring schon seit geraumer Zeit darauf eingestellt hatten, dass die Wiesbadener der umstrittenen Citybahn eine Abfuhr erteilten. Folgerichtig haben sie sich Gedanken gemacht, wie eine Schienenverbindung doch noch ermöglicht werden kann, um die Berufspendler zum Umsteigen zu bewegen. Der Taunussteiner Bürgermeister Sandro Zehner (CDU) hatte sogar schon im Frühjahr eine Studie in Auftrag gegeben, unter welchen Vorzeichen die Aartalbahn reaktiviert werden könne. Offenbar schwante auch ihm frühzeitig, dass die Citybahn keine Zukunft hat. Damit präsentieren sie nun einen Plan B, den Wiesbadens Verkehrsdezernent Andreas Kowol (Die Grünen) nach eigener Aussage nicht hat. Während Kowol ankündigte, nun über Alternativen nachdenken zu wollen, macht der Taunus Druck.

Ob die Aar-Taunus-Ringbahn oder aber allein die Reaktivierung der stillgelegten Aartalbahn die geeigneten Ideen zur Lösung der Verkehrsprobleme sind, ist nicht ausgemacht. Wer sich aber die schier endlosen Blechkarawanen betrachtet, die jeden Morgen über die Eiserne Hand und die Hohe Wurzel nach Wiesbaden strömen, kann keinen Grund finden, die Prüfung der Vorschläge auf die lange Bank zu schieben.

Hinzu kommt, dass hohe Mieten und noch höhere Kaufpreise für Immobilien im Rhein-Main-Gebiet sowie ein verändertes Arbeits- und Wohnverhalten aufgrund der Corona-Pandemie dazu führen, dass das Wohnen in den kleineren Randstädten immer attraktiver wird. Taunusstein wächst, und fast jeder neue Einwohner fährt mit dem Auto.

In Wiesbaden bedeutet jeder Pendler, der nicht im Stau steht, eine Entlastung. Deswegen ist es gut, dass der Landrat und sein Verkehrsdezernent nach vorne geprescht sind. Es wäre klug, wenn auch die Wiesbadener auf die Tube drücken.

Quelle: F.A.Z.
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