Wiederbelebung der Innenstadt

Offenbach auf dem richtigen Weg

EIN KOMMENTAR Von Jochen Remmert
13.11.2018
, 12:27
Schön ist was anderes: Marktplatz in Offenbach
Offenbach muss seine Innenstadt neu denken als Ort des Wohnens, Arbeitens und womöglich auch des Produzierens – kurz: des Lebens. So könnte die Stadt zum Musterbeispiel werden.
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Das schöne Hafenareal in Offenbach ist fast ein Selbstläufer geworden, am Kaiserlei wächst praktisch ein kompletter neuer Stadtteil heran, sogar in Bürgel-Ost nimmt das seit vielen Jahren geplante Neubaugebiet nun doch noch Formen an, und der Bau neuer Schulen und die Sanierung vorhandener gehen auch voran.

Womöglich werden sogar die Hochschule für Gestaltung und ihr kreatives Völkchen bald definitiv wissen, dass sie weiter mit dem Neubau am Hafen rechnen können. Stadt und Land müssen nur noch einen Deal schließen, dessen Scheitern sich ohnehin keine der beiden Seiten leisten könnte. Kurzum, in Offenbach ist so ziemlich an allen Ecken etwas in Bewegung, verändert sich die Stadt zum Besseren. Das ist inzwischen auch fernab des Rhein-Main-Gebiets aufgefallen, was die lange so geschundene und noch immer hochverschuldete Stadt auch redlich verdient hat, die es – freilich notgedrungen – lernen musste, aus wenig viel zu machen.

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Noch eine ziemlich öde Innenstadt

Einen wirklich dicken Brocken hat sie aber noch zu bewältigen: die Erneuerung der Innenstadt. Zwar entdecken inzwischen manche junge Kreative von der HfG ebenjene rüden, banalen, ja hässlichen Schilder der dominierenden Billigläden als Grundstoff für ihre kreative Arbeit und entwickeln daraus mit viel Geist und Können anspruchsvolles Design. Der Rohstoff aber, die darbende Innenstadt, kann von dieser Kreativität nicht profitieren. Wichtig und richtig ist es deshalb, dass Oberbürgermeister Felix Schwenke das Projekt Innenstadt mit besonderer Vehemenz vorantreibt.

Es wird nicht leicht sein, aber der unlängst präsentierte Fahrplan der Hamburger Firma Urbanista, an dessen Ende ein von den Offenbacher Bürgern und allen relevanten Gruppen der Stadt getragenes neues Konzept für die Innenstadt steht, erscheint vielversprechend. Es ist der richtige Weg, nicht mehr nur auf eine Wiederbelebung des Handels zu hoffen, was angesichts der übermächtigen Online-Konkurrenz sowieso nicht funktionieren kann, sondern die Innenstadt neu zu denken als Ort des Wohnens, Arbeitens und womöglich auch des Produzierens – kurz: des Lebens. Wenn das gelingt, wird Offenbach womöglich wieder einmal in ganz Deutschland als Beispiel genannt, wie man aus einer wirklich ziemlich öden Innenstadt ein attraktives Areal macht. Das Problem kennen auch andere Städte im Rhein-Main-Gebiet.

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Quelle: F.A.Z.
Jochen Remmert - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Jochen Remmert
Flughafenredakteur und Korrespondent Rhein-Main-Süd.
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