Radverkehr in Rhein-Main

Zwei Räder mit Zukunft

EIN KOMMENTAR Von Oliver Bock
30.12.2020
, 07:01
Der Radverkehr soll auch in Rhein-Main attraktiver und sicherer gestaltet werden. Doch wie hoch die Hürden für die Verkehrswende sind, zeigt sich am Beispiel Wiesbaden.

Kaum zu glauben, aber seit fast 20 Jahren gibt es nationale Radverkehrspläne, die regelmäßig fortgeschrieben werden und die das hehre Ziel verfolgen, den Radverkehr attraktiver und sicherer zu machen. Vor allem soll der Umweltverbund aus Bussen und Bahnen, Fuß- und Radverkehr gestärkt werden. Doch Papier ist geduldig, und die Fördermittel sind stark limitiert. Das Radfahrerland Deutschland ist noch immer kein greifbar nahes Ziel. Wie groß die Hürden für den Ausbau des Radverkehrs sind, lässt sich exemplarisch in Wiesbaden betrachten.

Die Stadt ist vom Autoverkehr hochbelastet. Die Luftqualität ist beklagenswert schlecht. Aber erst ein drohendes Dieselfahrverbot hat eine Verkehrswende ermöglicht. Bislang spielte der Radverkehr mit Blick auf vergleichbare Großstädte eine weit unterdurchschnittliche Rolle. Und das, obwohl wegen der Verbreitung von Pedelecs das Argument einer für Radler ungünstigen Topographie widerlegt ist. Es gibt Anzeichen, dass die Ausweisung von Umweltspuren und der Bau neuer Radwege eine positive Entwicklung angestoßen haben. Auf dem ersten Ring hat sich der Radverkehr schon deutlich gesteigert. Dieser Ring wird täglich von 72.000 Kraftfahrzeugen genutzt. Das sind autobahnähnliche Verhältnisse.

Doch Wiesbaden hat noch nicht einmal den Durchschnitt der Bundesrepublik beim Anteil des Fahrrads am gesamten Verkehrsaufkommen erreicht. Zwar legte er in der Landeshauptstadt auf sieben Prozent zu. In anderen Großstädten sind es aber 14 Prozent. Wiesbaden muss gegensteuern. Vorschläge gibt es viele, und endlich ist auch ein Fahrradparkhaus am Bahnhof auf der Agenda.

Eine Radschnellverbindung zwischen Wiesbaden und Mainz ist eine gute Idee und überfällig. Ob sie eine Chance hat, wird sich erst in einigen Jahren zeigen, weil sie das Schicksal aller Verkehrsinfrastrukturprojekte teilt: überlange Diskussions-, Planungs- und Genehmigungsphasen. Immerhin scheinen Wiesbaden und Mainz diesmal an einem Strang zu ziehen. Beim Thema Straßenbahn und Rheinbrücke sieht das leider ganz anders aus.

Quelle: F.A.Z.
Oliver Bock - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Oliver Bock
Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Rheingau-Taunus-Kreis und für Wiesbaden.
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