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Tanklager in Gernsheim

Ein Nachbar zum Fürchten

EIN KOMMENTAR Von Markus Schug
 - 16:28
Der Gernsheimer Hafen ist ein wichtiger Umschlagplatz: Nun soll das Tanklager auf dem Gelände von Solvadis vergrößert werden.

Wer wohnt schon gerne neben einem Tanklager. Noch dazu, wenn man es so wie in Gernsheim beim besten Willen nicht mehr übersehen kann, weil die bis dahin an der Mainzer Straße stehenden Bäume von der Stadt gefällt worden sind. Neues Grün zu pflanzen, wäre für die Anwohner des Hafens, der aktuell modernisiert und ausgebaut wird, also auf alle Fälle ein Gewinn. Die Angst vieler Bürger, dass auf der anderen Straßenseite – auf dem mit vielen Tanks vollgestellten Gelände des Chemikalienhändlers Solvadis – nicht doch einmal etwas Schlimmes passieren könnte, lässt sich dagegen nicht durch stattliche Bäume verringern. Da wirken, wenn überhaupt, nur strenge Auflagen, regelmäßige Sicherheitskontrollen und größtmögliche Transparenz. Zumindest Letzteres hat das Unternehmen lange vermissen lassen, das sich offenbar deutlich besser mit Distributions- als mit Kommunikationswegen auskennt.

So fühlen sich weder die Nachbarn noch die Bürger und Politiker aus Gernsheim bis dato sonderlich gut informiert. Dem Regierungspräsidium Darmstadt fehlen ebenfalls noch immer wichtige Unterlagen, um die strittigen Erweiterungspläne fundiert beurteilen zu können. Für den Antragsteller spricht, dass es seit einem Blitzeinschlag vor nunmehr 25 Jahren keine nennenswerten Störfälle mehr gab. Dabei böte die gewünschte Kapazitätsaufstockung eine gute Gelegenheit, um manches zu hinterfragen: etwa beim Brandschutz. Zudem sollte man endlich eine Liste der gelagerten Stoffe öffentlich machen.

Jene Politiker, die laut Resolution gegen ein größeres Tanklager sind, müssen sich schon fragen lassen, ob sie nicht wissen, dass die Stadt selbst mit zehn und der Kreis Groß-Gerau mit immerhin zwei Prozent an der Hafengesellschaft beteiligt ist, die wiederum der Firma Solvadis das für den Ausbau vorgesehene Gelände auf 30 Jahre verpachtet hat. Und sie werden ganz sicher auch allesamt anwesend sein, wenn vermutlich Ende des Jahres der neue Hafen als moderner trimodaler Umschlagsplatz gefeiert wird: als ein Ort, an dem Güterschiffe, Züge und Lastwagen rasch be- und entladen werden sollen. Das sind auch optimale Bedingungen für den Chemikalienhändler, der sich als regionales Verteilzentrum versteht. Und dessen Kunden, darunter Chemie- und Pharmaunternehmen aus Frankfurt, Darmstadt und Ludwigshafen, die meist kein eigenes Lager mehr haben, ungeduldig auf Nachschub aus Gernsheim warten.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Schug, Markus
Markus Schug
Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Mainz und für den Kreis Groß-Gerau.
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