Kraftwerk Staudinger

„Auf Kohle kann heute noch nicht verzichtet werden“

Von Luise Glaser-Lotz
13.02.2009
, 20:44
Kühltürme vom Kraftwerk Staudinger in Großkrotzenburg am Main
Der Kreistag von Main-Kinzig bekennt sich zum Kraftwerk Staudinger, fordert aber eine Reduzierung der Kapazitäten von Block 6 auf 800 Megawatt. Die Betreiberfirma Eon plant einen kohlebetriebenen Block mit einer Kapazität von 1100 Megawatt.
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Eine deutliche Verkleinerung des geplanten Blocks 6 am Kraftwerk Staudinger fordert der Main-Kinzig-Kreis in seiner Stellungnahme zum Raumordnungsverfahren zum Staudinger-Ausbau. Mit den Stimmen der großen Koalition von SPD und CDU sowie der Freien Wähler und der Republikaner befürwortete der Kreistag am Freitag eine Beschlussvorlage des Kreisausschusses, in der als zentraler Punkt eine Leistungsreduzierung von Block 6 auf 800 Megawatt gefordert wird.

Die Betreiberfirma Eon plant einen kohlebetriebenen Block mit einer Kapazität von 1100 Megawatt. Landrat Erich Pipa (SPD) verwies darauf, dass Eon stets von einer Sanierung des Kraftwerks spreche. Dies sei aber nur dann der Fall, wenn die Leistung des neuen Blocks derjenigen entspreche, die mit den stillzulegenden Blöcken 1 bis 3 derzeit erzielt werde. Erreichen will der Kreis mit dieser Forderung, dass die Schadstoffbelastung rund um Staudinger nach dem Kraftwerksneubau geringer wird, als sie heute ist. Eon hatte hingegen zugesagt, dass dank dem Einsatz neuer Techniken, die den Wirkungsgrad erhöhen, die Schadstoffbelastung durch Block 6 gegenüber heute gleich bleiben werde, obwohl mehr Strom produziert werden soll.

Fernwärmenetz ausbauen

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Das reicht dem Main-Kinzig-Kreis nicht aus. Er befürwortet den Ersatz der drei Blöcke durch Block 6 auf dem heutigen Leistungsniveau, denn bei einem Verzicht auf die Kapazitätserhöhung würde sich durch die neuartigen Produktionsverfahren unter dem Strich eine geringere Schadstoffbelastung ergeben. Pipa kritisierte die Eon-Geschäftsführung in Hannover, die sich trotz einer entsprechenden Anweisung des Regierungspräsidiums in Darmstadt bisher geweigert habe, Berechnungen über die vom Kreis vorgeschlagene Alternative anzustellen.

Das Ansinnen sei von der Geschäftsleitung mit der Begründung abgelehnt worden, dass dieses Modell schon bei einer frühzeitig angestellten Grobbetrachtung aus weiteren Überlegungen herausgefallen sei. Nun hofft Pipa, wie er sagte, dass die Forderung des Kreises im Raumordnungsverfahren ernst genommen wird. Der Kreis werde jedenfalls darauf dringen.

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In der Stellungnahme bezieht sich die Kreistagsmehrheit auf einen Beschluss vom September 2007, in dem man sich für den Ausbau ausgesprochen und eine gleichzeitige deutliche ökologische Entlastung der Region gefordert hat. In der aktuellen Stellungnahme heißt der Kreistag wegen der „wirtschafts- und arbeitsmarktpolitischen Bedeutung“ und der „energiepolitischen Notwendigkeit“ abermals den geplanten Ausbau gut. Wichtig ist ihm vor allem der Erhalt des Standorts. Eon soll aber auch im Kreisgebiet zusätzlich Geld zum dezentralen Ausbau regenerativer Energiequellen bereitstellen und das Fernwärmenetz ausbauen. Außerdem soll Eon verpflichtet werden, ein Forschungsprojekt zur CO2-Ausscheidung am Standort Großkrotzenburg zu verwirklichen.

Steigbügelhalter der Atomindustrie

Gemeint ist damit eine Pilotanlage für eine Erdlagerung von CO2. Ausdrücklich festgestellt wird, dass „im Interesse einer sicheren Energieversorgung auf absehbare Zeit auf die Nutzung der Steinkohle als Primärenergieträger nicht verzichtet werden kann“. Wer sich wie die Grünen heute gegen die Kohle wende, werde zum Steigbügelhalter der Atomindustrie, meinte der Kreisbeigeordnete André Kavai (SPD). Ein Verzicht auf Kohle bedeute zum jetzigen Zeitpunkt eine Renaissance veralteter Atommeiler. Wegen möglicher Versorgungsschwierigkeiten und starker Preisschwankungen stelle auch Gas keinen adäquaten Ersatz dar. Noch gebe es keine Alternative für den Einsatz von Kohle, und das werde sich bis etwa zum Jahr 2035 auch nicht ändern.

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Gegen die Vorlage votierte neben den Grünen, die unter anderem auf einen vorgesehenen Arbeitsplatzabbau bei Staudinger nach Fertigstellung von Block 6 verwiesen, auch die FDP. Die Fraktion Die Linke hatte wegen eines Beschlusses über die Wahl ehrenamtlicher Verwaltungsrichter zuvor die Sitzung aus Protest verlassen. Für die FDP begründete der neugewählte Landtagsabgeordnete Alexander Noll die Ablehnung. Während der Beschlusstext selbst Sachlichkeit vorspiegle, würden in der Begründung Vermutungen und Verdächtigungen gegen Eon ausgesprochen. Der Text sei unsachlich und vertrete nicht die Interessen der Bevölkerung.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Glaser-Lotz, Luise (lu.)
Luise Glaser-Lotz
Korrespondentin der Rhein-Main-Zeitung für den Main-Kinzig-Kreis.
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