Rückzug aus Wiesbaden

Kufflers Konsequenzen

Von Oliver Bock
Aktualisiert am 28.06.2020
 - 06:11
Fingerzeig: Gastronom Kuffler, hier ein Bild aus dem Jahr 2015, kehrt Wiesbaden den Rücken
Die Corona-Krise wird dem Catering- und Gastronomiespezialisten Kuffler stark zusetzen. Doch die Gründe für den Abschied aus Wiesbaden liegen tiefer.

Es ist der Anfang vom Ende der Ära Kuffler in Wiesbaden. Auch wenn die Formulierungen dazu noch zurückhaltend gewählt wurden, so stehen die Zeichen auf Abschied. Die Corona-Krise, die das Veranstaltungsgeschäft im Kurhaus und im Kongresszentrum weitgehend zum Erliegen gebracht hat, wird dem Catering- und Gastronomiespezialisten Kuffler stark zusetzen. Doch die Gründe für den Abschied aus Wiesbaden liegen tiefer.

Die Merkwürdigkeiten im Zusammenhang mit der vorzeitigen Verlängerung der Bewirtschaftungsverträge für das Kurhaus und mit der Vergabe des Messegeschäfts im neuen Kongresszentrum haben das Renommee von Kuffler schwer beschädigt. In der Öffentlichkeit entstand das Bild eines Unternehmerpatriarchen Roland Kuffler, der seinen „Freund“ Sven Gerich gerne und häufig einlud. Zum Urlaub ins mondäne Ferienziel ebenso wie zur Kutschfahrt bei der Oktoberfest-Eröffnung. Die Kuffler-Söhne distanzierten sich später von dieser Kumpanei. Etwas anderes als politische Landschaftspflege war es aber nicht, was Kuffler offenbar über Jahre mit Erfolg betrieben hat.

Risiko für die Stadt

Ein glaubwürdiger Schnitt war und ist nur durch eine Neuausschreibung der Verträge denkbar, auch wenn sich die Stadt aus Sorge um Kurhaus und Spielbankbetrieb bis heute ziert. Den Stadtverordneten liegt für ihre Sitzung am Donnerstag eine Vorlage vor, die Spielbank- und Kurhausverträge wegen des Risikos für die Stadt nicht zu kündigen. Doch spätestens für den Fall, dass die Münchner Staatsanwaltschaft ihre Ermittlungen endlich abschließt und sie die Verfahren gegen Kuffler senior und Gerich nicht einstellt, wäre eine Neuordnung unausweichlich.

Denn bei einem Urteil wäre belegt, dass Kuffler vielleicht gegen das Strafrecht, zumindest aber gegen die Regeln guter Unternehmensführung verstoßen hat. Als seriöser Partner mit langfristiger Vertragsbindung käme er dann für die Landeshauptstadt ohnehin nicht mehr in Betracht. Der angekündigte Rückzug Kufflers entlässt die Stadt aus einer Bredouille. Allerdings zu einem höchst ungünstigen Zeitpunkt, zu dem es schwierig werden dürfte, einen Partner für ein Geschäft zu finden, das in der Krise keines ist.

Quelle: F.A.Z.
Oliver Bock - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Oliver Bock
Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Rheingau-Taunus-Kreis und für Wiesbaden.
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